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Auszug des Gottlosen

Er philosophiert mit den großen Gelehrten unserer Zeit, er schafft Verbindungen zwischen jenen verschlungenen Pfaden – wie er selbst zu sagen pflegt – und den einfachen Wegen der literarischen Unterhaltung, er begibt sich auf diese Wanderungen, öffnet scheinbar unbezwingbare Welten, pausiert nach erklommenen geistigen Bergspitzen. Der Journalist und Buchautor Bernd Kemter hat sein neuestes Werk veröffentlicht und damit der geneigten Leserschaft versucht Johann Gottlieb Fichte und den Atheismusstreit von 1798/1799 in Jena zugänglich zu machen. „Ich habe mich schon seit meiner Jugend für die Philosophie interessiert, vieles gelesen, das meiste damals nicht verstanden. Auch heute macht es mir gelegentlich Mühe, aber diese ‚Wanderungen‘ machen mir viel Freude, und es bleibt immer spannend. Neue Erkenntnisse, neue Horizonte gewinnt man ohnehin. Darin beziehe ich auch gerne arabische, indische und chinesische Philosophen ein, von denen man ebenfalls viel lernen kann wie von unseren abendländischen Geistesgrößen. Zu letzteren gehören natürlich alle Vertreter des deutschen philosophischen Idealismus; das Beste, was unser Land in das geistesgeschichtliche Welterbe einzubringen hat. Hierzu zähle ich auch den leider hierzulande fast vergessenen, in Spanien und Lateinamerika aber bis heute sehr lebendig gebliebenen, in Eisenberg gebürtigen Philosophen Karl Christian Friedrich Krause und natürlich Johann Gottlieb Fichte”, erklärt Bernd Kemter seine Intention.

Mit beiden Philosophen hat er sich intensiv beschäftigt. Vor zwei Jahren veröffentlichte Bernd Kemter seine Erzählung „Fackel in tiefer Nacht“. Dieses Buch widmete er dem philosophischen Erbe von Karl Christian Friedrich Krause, dem Begründer der eigenständigen philosophischen Lehre des Panentheismus.

Mit seinem aktuellen Werk „Auszug des Gottlosen“ bringt er den Atheismusstreit zwichen den beiden Philosophen Fichte und Carl Friedrich Forberg auf die Bühne der Lehre des Lebens. „Sowohl Krause als auch Fichte plädierten zu jeweils ihrer Zeit für Meinungsfreiheit und Freiheit philosophischer Forschung. An Fichte fasziniert mich insbesonders, dass man auch ohne christliche Offenbarung zu einer natürlichen Religiosität gelangen kann, die hohe sittliche Maßstäbe setzt, nach denen man sein Leben sinnvoll und vernünftigerweise zu gestalten vermag”, erklärt der Autor des Buches.

Der Atheismusstreit ist eine philosophiehistorische Bezeichnung für die Auseinandersetzung, die in den Jahren 1798/1799 um die religionskritischen Schriften von Fichte und Forberg an der Uni Jena bzw. im Großherzogtum Weimar stattfand. Der Streit drehte sich um das Verhältnis Gottes zur Welt bzw. die Möglichkeit einer moralischen Weltordnung ohne die Notwendigkeit der Existenz Gottes. Fichte verteidigte diese Position Forbergs.Die Bezeichnung der Kontroverse erscheint irreführend, da Fichte gar keine atheistische Position vertrat. Er wehrte sich nur gegen eine anthropomorphe, auf menschlichen Vorstellungen beruhende Gottesvorstellung, da diese seines Erachtens zwingend dazu führe, Gott kleiner und sogar endlich zu denken. Gott sei vielmehr größer als die Vorstellungskraft des Menschen, weshalb man ihn auch nicht als Person denken dürfe.

„Die Beschäftigung mit Philosophie ist für mich Lebenselixier, der Gedankenaustausch in der Neuen Thüringischen Gesellschaft für Philosophie mit Sitz in Jena unerlässlich”, betont Bernd Kemter, der es mit seinem Buch geschafft hat, die hohe, meist sehr undurchschaubare Weltenansicht auf ein „Jedermann”-Niveau herunterzubrechen.

Dennoch bleibt „Auszug der Gottlosen” ein Buch für jene, die sich der Philosophie und Geschichte nahe fühlen und darüber hinaus natürlich auch jene, die leidenschaftlich verbunden mit selbigen sind. Wer aber glaubt, die Ansichten von Forberg, Fichte und Co sind verstaubter denn je, der wird bereits auf den ersten Seiten im Buch eines besseren belehrt. „Der Wille des Vaters ist Gesetz. Pfarrer soll Karl werden, genau wie der alte Herr. (...) Ein Brotberuf. Was sollte man denn sonst auch tun in dieser Alltagswerkelwelt, in der es ausschließlich auf Fortkommen, Familie, Besitz und Ansehen ankam.”

Die Erzählung um Forberg und Fichte spiegelt die argumentativen Positionen von Fichtes Fürsprechern und Gegnern, ebenso lokale Eregnisse und studentische Gepflogenheiten wider. Selbstverständlich gibt es einen Hauptprotagonisten – Karl Perzel –, der als Student nach Jena kam und mehr zufällig als gewollt in den Strudel der Ereignisse um Fichte und Forberg geriet.

Das Buch „Auszug des Gottlosen“ kann in der Buchhandlung Schmitt & Hahn, Schloßstraße 6, bestellt werden. 

( Fanny Zölsmann, 09.12.2017 )

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