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Eine Kirche gehört zum Dorf

Wo findet man Annett Scholz, wenn nicht bei ihrer Arbeit, natürlich in „St. Petri“. Die Dornaer Kirche ist für sie zum zweiten Zuhause geworden. Sie hört es nicht gern, aber es ist wohl nicht übertrieben, denn Annett Scholz ist zur Retterin der im 13. Jahrhundert im gotischen Baustil erbauten Kirche geworden. „Allein hätte ich das nie geschafft. Alles was wir bisher mit der Restaurierung erreicht haben, ist ein Werk des gemeinsamen Handelns“, winkt sie ab und bedankt sich für das Engagement bei den Kirchenältesten, den Kirchenmitgliedern, den zahlreichen Helfern und Sponsoren, ihrer Familie und besonders auch bei ihrem Ehemann Mario. Letzterer hat schon wieder eine neue Idee, was unbedingt angepackt werden muss.

„Lass mal, wir wollen erst einmal unseren Marienaltar von 1840 nach 20 Jahren wieder auf den Sockel heben“, bremst sie ihren Gatten aus, weiß aber, wie wichtig er für sie an ihrer Seite ist. Beide engagieren sich als Mitglieder im Naturschutzbund (Nabu). So war sofort klar, sich neben der Sanierung der Kirche auch an der Umsetzung der Nabu-Aktion „Lebensraum Kirchturm“ zu beteiligen.

Für ihren unermüdlichen und couragierten Einsatz bei der Rettung eines Kleinods in ihrem Heimatort vor dem Verfall wurde Annett Scholz von Thüringens Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie, Heike Werner, mit der „Thüringer Rose“ geehrt.

Die „Thüringer Rose“ ist ein Zeichen der Würdigung, das an die Heilige Elisabeth erinnert. Diese kam im Jahre 1211 als Vierjährige nach Thüringen und setzte sich in späteren Jahren als Thüringer Landgräfin besonders für die Armen und Kranken ein.

Sinnbildlich traf dies auch für die Kirche „St. Petri“ zu, denn sie war nicht nur krank, sondern auch dem Abbruch nah. Der zündende Funke, dem Verfall konsequent entgegenzutreten, der bald zu einer lodernden Flamme werden sollte, hatte seinen Ursprung wohl im Jahre 2003 unter einem Lindenbaum vorm Gotteshaus, wie sich Annett Scholz erinnert. Dort kam sie mit Gerhard Solbach, dem ehemaligen Pfarrer aus der Partnergemeinde Merklingen im Allgäu, ins Gespräch. Er besuchte zum wiederholten Mal die Kirche in Dorna und war Gast bei einem Festgottesdienst zum Dorfjubiläum und nahm Bezug auf einen Brief des früheren Pfarrers Dietrich Henn, der während des Festgottesdienstes verlesen wurde.

Für Annett Scholz hat „St. Petri“ eine ganz besondere Bedeutung. Dort wurde sie getauft, konfirmiert und hier hat sie auch geheiratet. Sollte all das auf Nimmerwiedersehen verschwinden, ewige Vergangenheit sein? Oder sollte nicht doch ein Neustart erfolgen? Ein Brief, ein Gespräch – hier verortet die heute 49-Jährige ihre Entscheidung etwas zu tun, damit das Haus Gottes künftig wieder zu einem öffentlichen Raum wird. „Haben wir, die Jetztlebenden, nicht die Verantwortung für kommende Generationen, all das zu erhalten?“, fragte sie sich beim Anblick der baufälligen und dem Verfall ausgesetzten Kirche.

Ihr Glaube und die Liebe zu den Menschen ließ sie zum Initiator für den Erhalt des ältesten Sakralbaus in Gera und Umgebung werden. 2004 wurde sie in den Gemeindekirchenrat gewählt, kurz darauf übernahm sie den Vorsitz.

Annett Scholz stand vor einer Ruine und heute, gut zehn Jahre später, präsentiert sich die Kirche als ein Kleinod, was bei Besuchern immer wieder erstaunen auslöst. All das Positive, was Annett Scholz über „ihre Kirche“ hört, empfindet sie als eine Seelenmassage und nimmt es als Motivation für das Weitermachen auf.

Wenn sich für die Besucher die Eingangstür zur Kirche öffnet und sie ins Innere treten, da erinnern nur noch Bilder an einen eher trostlosen Anblick: undichte Fenster, Löcher im Dach, die blanken Mauerwände, ein mit Splitt aufgefüllter Kirchenboden, keine Kirchenbänke, das Dach und Gebälk im maroden Zustand, die Stufen der Treppe und die Dielen auf den Emporen in unsäglichem Zustand.

( Reinhard Schulze, 25.11.2017 )

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