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70 Jahre für die Gleichberechtigung

Siegrun Fischer ist ein Paradebeispiel für Geras unermüdliche Frauen, die nicht aufgeben. Es war, wie so oft, in der jüngsten Historie die Wendezeit, die auch in Siegrun Fischers Geschichte einen existenzbedrohenden Einschnitt vollzog. „Es war 1989 als 13 der 16 Kreisvorstände die Hände hoben. Es gab einfach nichts mehr, um die Menschen zum Dableiben zu begeistern”, erinnert sich die heute 77 Jährige zurück.

Siegrun Fischer ist 1940 geboren, lernte Erzieherin, heiratete einen Polizisten und bekam mit ihm drei Töchter. 1968, mit 28 Jahren, trat sie in den Demokratischen Frauenbund Deutschlands (DFD) ein, sechs Jahre zuvor wurde sie Mitglied bei der Volkssolidarität. Bis 1979 nahm Siegrun Fischer an den regelmäßigen Versammlungen teil, bevor sie nach ihrer Delegation zur Parteischule nach Berlin, mit einem Diplom der Gesellschaftswissenschaften zurückkehrte und die hauptamtliche Stelle als Sekretär für Organisation und Kaderfragen im DFD übernahm. „Schon immer hat sich der DFD für die Gleichberechtigung der Frau eingesetzt, für Lohnangleichungen und frauengerechte Arbeitsrahmenbedingungen. Wir haben auch Nachtschichtkontrollen durchgeführt, um die Versorgung der Frauen zu kontrollieren”, erinnert sich die rüstige Rentnerin an ihre Schaffenszeit zurück. „Auch Alleinerziehenden haben wir geholfen”, führt die dreifache Mutter weiter, die selbst in ihrem Familienleben viel auf sich allein gestellt war. „Mein Mann war viel unterwegs, Haushalt, Organisation der Familie, Kohlen schippen – all diese Aufgaben oblagen mir.”

Der DFD mauserte sich zu einem starken und auch gehörten Organ in der DDR. Zu dieser Zeit gab es ihn in der Bundesrepublik schon lange nicht mehr. „1957 im Westen verboten, hatten wir Sorge, dass dieses Schicksal auch uns mit der Wiedervereinigung heimsuchen würde. Und in der Tat, immer mehr Frauen wanderten ab, gaben ihre Karteikarten ab, zweifelten am System. Doch ich gab nicht auf.”

Allein auf weiter Flur blieb Siegrun Fischer nach der Wende als DFD-Angehörige zurück. Mit ihrem privaten Geld und ohne Rückendeckung machte sie sich auf den Weg auch über Geras Stadtgrenzen hinaus, um für den DFD zu werben und selbigen zu erhalten. „Es war eine harte Zeit für mich. Denn viele der Frauen, die einst beim DFD gearbeitet hatten, zeigten mir die kalte Schulter. Sie gaben mir die Schuld an ihrer Arbeitslosigkeit.” An zwölf Gerichtsverfahren ehemaliger Mitarbeiterinnen, die auf Abfindung geklagt hatten, musste sie teilnehmen.

„Siegrun Fischer hat für den DFD gekämpft, ihr ist es zu verdanken, dass das heutige Frauenkommunikationszentrum des dfb mit einer hauptamtlichen Leiterin sich in Gera noch immer für die Rechte und Belange der Frau einsetzt”, würdigt die heutige Leiterin Petra Meyenberg das beharrliche Engagement von Siegrun Fischer. Sie selbst hat nach der Wende nie wieder einen festen Fuß in den Demokratischen Frauenbund (dfb) bekommen. „Von Maßnahme zu Maßnahme mit langen Zeiten der Arbeitslosigkeit hangelte ich mich, bis zu meinem Renteneintritt vor 17 Jahren.”

Siegrun Fischer sorgte dafür, dass sich der dfb trotz chronischer finanzieller Unterversorgung auf eigenen Füßen halten konnte. „Wir, Heidi Künast und ich, waren über die ABM finanziert, hatten damals überlegt, wie wir zu Geld kommen können. Schnell war die Idee der Schneiderstube für Bedürftige geboren. Hier haben wir für kleines Geld Änderungen, Kürzungen und Reparaturen vorgenommen. Von Firmen und Privatpersonen erhielten wir die materiellen Spenden, wie Kurzwaren, Stoffe und Reste. So konnten wir diesen Dienst anbieten und zugleich neue Dinge schaffen, u.a. Decken und Kissen.”

Noch heute gibt es die Nähstübe und sie ist rege besucht. Doch dies allein macht den Frauenbund nicht zu einem Zentrum für Frauen.

Seit nunmehr 70 Jahren gibt es den Demokratischen Frauenbund, mit u.a. einem Frauenkommunikationszentrum in Gera. Das Anliegen ist bis heute weitgehend gleich geblieben, wobei sich die Aufgaben heute eher im sozialen als im politischen Bereich bewegen. „Wir sind für unsere Frauen da, sind Ratgeber, Zuhörer, Ideengeber, Vermittler und Berater”, bringt es Petra Meyenberg auf den Punkt. Anlass für sie genug, das Jubiläum würdig zu begehen. Monatliche Erzählcafés von den Anfängen bis heute sollen den Geraern einen Einblick in das Wirken und Handeln des dfb geben. Moderatorin Elke Lier führt die Gäste mit jeweils einem Gesprächspartner durch den Nachmittag. Aufgenommen vom labor14 des Medienbildungszentrums Gera, flimmert das Erzählcafé nun ab dieser Woche regelmäßig über den Kanal des Bürgerfernsehens.

Die zweite Veranstaltung ist für Montag, 4. Dezember, ab 14 Uhr, in der Heinrichstraße 38, geplant. Dann wird Elke Lier mit Brigitte Triems, Bundeshauptvorstand des dfb, Berlin, sprechen.

Neues Gera wird in den kommenden Monaten das Erzählcafé begleiten. Bis zum Abschluss im April nächsten Jahres, wenn Petra Meyenberg zur Konzertlesung mit Gisela Steineckert, Ehrenvorsitzendes des dfb, und Dirk Michaelis in die Kulturfeierhalle an der Himmelsleiter einlädt. Diese Abschlussveranstaltung am 19. April, 18 Uhr, wird von GBG Bestattungen mitfinanziert. 

( Fanny Zölsmann, 18.11.2017 )

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