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Ferbersches Haus an Investor verkauft?!

Vor 25 Jahren wurde der Förderverein „Freunde des Ferberschen Hauses“ gegründet. Dieser unterstützt das Haus und das sich darin befindende Museum für Angewandte Kunst (MaK) nicht nur finanziell. Wie die Mitglieder selbst sagen, sei ein laufender Museumsbetrieb ohne den Förderverein und die vielen ehrenamtlichen Helfer schon lange nicht mehr gegeben. „Dieser Umstand betrifft aber nicht nur das MaK, sondern viele Museen in Thüringen. Gäbe es keine ehrenamtlichen Helfer und Fördervereine wäre die Kulturwelt um einiges ärmer. Doch das interessiert leider nur wenige und die Stadtverwaltung Gera anscheinend überhaupt nicht“, sagt Sigrid Müller, die Vorsitzende des Fördervereins. Grund für die schlechte Stimmung kurz vor dem 25jährigen Bestehen, welches man in diesem Monat feiert, gegenüber der Stadt sind die Gerüchte rund um das Ferbersche Haus.

Dieses wurde allem Anschein nach in einer Nacht- und Nebelaktion verkauft. Ob dieser Vorgang hundertprozentig stimmt weiß keiner so genau. Doch Anfragen des Vereins an Stadt und die GWB Elstertal blieben bisher unbeantwortet. „Man hüllt sich in Schweigen. Eine Kommunikation mit uns findet nicht statt und auch der Stadtrat wusste wohl nichts von dieser Aktion. Mit dem Verkauf verliert Gera ein weiteres Stück Identität und Historie“, erklärt Mirko Albrecht, stellvertretender Vorstand des Fördervereins. Früher gehörte das Haus der Stadt Gera, wurde später aber an die GWB Elstertal übertragen. Diese gehörte bis zur Stadtwerke Insolvenz ebenfalls der Stadt. Jedoch ging ein Großteil an die britische Investorengesellschaft Benson Elliot. 25,1 Prozent der Anteile blieben in den Händen der Stadt. Daher hat man beim Verkauf von Gebäuden ein Vorkaufsrecht, welches auch beim Verkauf des Ferberschen Hauses zutreffen würde. Jedoch nahm die Stadt dieses nach bisherigen Erkenntnissen nicht wahr und so scheint ein Verkauf an einen bisher unbekannten Investor besiegelt zu sein. Als dies bekannt wurde, war der Aufschrei groß, doch die Stadt bevorzugt es auch weiterhin den Mantel des Schweigens über den Verkauf zu legen, da Anfragen von Verein und Stadtratsmitgliedern unbeantwortet blieben. „Ein wertvolles Gebäude wird einfach verschachert, ohne das es jemand wusste und man darüber diskutieren konnte“, so Albrecht weiter.

Doch nicht nur das ist der Grund für den Aufschrei des Vereins. So befürchtet man, dass das Haus zu einem Spekulationsobjekt für den Investor wird, am Haus selbst nichts mehr gemacht wird, die Miete angehoben wird und daraus resultiert, dass die Stadt irgendwann nicht mehr dazu bereit ist, diese Miete zu zahlen. Zwar war jetzt zu hören, dass die Stadt das Museum nicht im Stich lässt und sich an den jetzigen Bestimmungen nichts ändern werde, dem man im Förderverein aber keinen Glauben schenken möchte. „Die Stadt hat in den vergangenen Jahren viel versprochen, aber nichts davon umgesetzt. Es wird auch hier so kommen, dass das Todschlagargument mit der Verschuldung der Stadt zum Tragen kommt und es keinen anderen Weg geben würde. Das scheint in Gera für alles die Lösung zu sein. Jedoch gibt es keinerlei Ideen und Lösungsansätze dies zu ändern. Im Gegenteil, es läuft immer darauf hinaus, dass gespart werden muss und man eben das Tafelsilber einer Stadt verscherbelt. Als erstes wird dann bei Museen gespart. Das ist leider nichts Neues, aber der falsche Weg und es wird durch die finanzielle Schieflage der Stadt gern genutzt, denn es dient ja nur der Haushaltskonsolidierung“, erklärt Müller weiter.

So wolle man eigentlich einen sozialen und musealen Treffpunkt im Ferberschen Haus schaffen und hat bereits vor längerer Zeit ein selbsttragendes Konzept vorgelegt. Jedoch war diesbezüglich von Seiten der Stadt nichts zu hören. Dies sollte dem Stadtrat vorgelegt werden, doch stattdessen kam von Uwe Müller, dem Fachdienstleiter Presse, Marketing, Kultur und Sport, eine lapidare und unbegründete Antwort: Das Konzept sei so nicht tragbar. „Es wurde einfach vom Tisch gewischt ohne jegliche Erklärung. Es ist eine Frechheit wie man von Seiten der Stadt mit dem bürgerlichen und ehrenamtlichen Engagement umgeht“, so Albrecht weiter.

Noch ist der Verkauf nicht besiegelt. Wie die GWB Elstertal jetzt mitteilt, sei es gelungen einen Käufer zu finden, der mit der Stadt zusammenarbeiten wolle. Nach Unterzeichnung der Unterlagen wurde jetzt alles zur notariellen und urkundlichen Prüfung weitergegeben, so dass man noch in diesem Jahr zu einem Abschluss kommen könnte. Für den Förderverein ist dies keine Option und so will man für den Verbleib des Hauses in städtischer Hand kämpfen.

Am Nikolaustag, 6. Dezember, 17 Uhr, wird es unter dem Motto „Zukunft und Chancen der Kultur in Gera“ eine Podiumsdiskussion im Ferberschen Haus geben. „Anlass für die Veranstaltung ist in erster Linie der Verkauf des Hauses. Doch wir sind kein Einzelfall in Thüringen und wollen das nicht nur die Stadt, sondern auch Land und Bund Verantwortung für die Kultur übernehmen. Derzeit schert keiner aus und prangert den Umgang mit der Kultur an. Dies wollen wir ändern“, erklären Müller und Albrecht kämpferisch.

An diesem Abend werden unter anderem der Präsident des Thüringer Kulturrates, der Thüringer Museumsverband, und Vertreter der Thüringer Staatskanzlei an der Diskussion teilnehmen. Eine Einladung erhielt auch das Büro der Oberbürgermeisterin, wobei es hier bisher keine Zusage gab. Der Verein will zudem den Schwung des Wahlkampfes zur Bürgermeisterwahl nutzen und hat die beiden bisher feststehenden Kandidaten ebenfalls als Gäste eingeladen. Unterstützt wird der Verein durch einen Einwohnerantrag, welcher von Ernst Dietrich Färber und Joachim B. Schulze gestellt wurde. Im Wortlaut will man mit diesem folgendes erreichen: „Ausübung des Vorkaufsrechts der Stadt Gera gemäß § 30 Thüringer Denkmalschutzgesetz für das „Ferbersche Haus“, Greizer Straße 37-39, zum Erhalt als öffentliches Kulturgut und zur Bestandsicherung des „Museums für angewandte Kunst“ in der Trägerschaft seines Fördervereins“.

Der Verein freut sich zudem über jegliche Unterstützung der Anwohner der Stadt Gera und freut sich auf zahlreiche Gäste zur öffentlichen Diskussion am 6. Dezember.

( Lars Werner, 18.11.2017 )

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