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Jugend – Baumeister der DDR

Es klingt wie in einem Krimi. Am 30. Juni 2017 in den späten Nachmittagsstunden klingelte das Telefon und ein unbekannter männlicher Anrufer bot Manfred Taubert eine als verschollen registrierte Bronzeplastik an. Als Vermittler wolle er diese Plastik an die Stadt zurückgeben. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass keine Polizei ins Spiel kommt und keine Namen genannt werden. Die als „Jugend – Baumeister der DDR“ von Walter Arnold bekannte Plastik stand einst vor der BBS Bau in der Schenkendorfstraße und verschwand Anfang der 1990er Jahre. Neues Gera berichtete dazu am 20. August 2016. Strafrechtlich gesehen ist die damalige Wegnahme mittlerweile verjährt. Nach der Zusage, die Anonymität zu wahren, erfolgte am 6. Juli 2017 die Übergabe und Einlagerung der Plastik. Im Gespräch mit dem Vermittler stellte sich heraus, dass (wie vermutet) die Plastik beim Abriss der BBS Bau vorsorglich eingelagert wurde. Durch Bekannte wurde die jetzt realisierte Übergabe angeregt. Ausgangspunkt waren letztlich auch die Veröffentlichungen in der Presse zu den Aktivitäten des Verfassers des Buches „Plastiken und Skulpturen in Gera“ hinsichtlich der Bewahrung und Wiederaufstellung von derartigen Kunstwerken in der Stadt Gera. 
Am 13. Juli 2017 erfolgte die Übergabe der Plastik an Herr Schleicher und Herr Fröhlich vom Fachdienst Stadtgrün der Stadt Gera. Diese werden die Bronzeplastik sicher einlagern. Nun gilt es einen neuen Standort für das Werk zu finden. Denkbar wäre möglicherweise die Staatliche Berufsbildende Schule 2 oder die Berufsschule Technik in Gera. Vielleicht zeigen sich die Verantwortlichen dieser Bildungseinrichtungen daran interessiert. Auch wenn diese Plastik dem Titel nach der ehemaligen DDR zugeordnet ist, so sollte daran kein Anstoß genommen werden. An einem anderen Standort in Gera steht letztlich auch noch die Plastik eines jungen Bauarbeiters.      
Walter Arnold schuf die Darstellung einer jungen und durchaus selbstbewussten Frau im Jahr 1951. Sie war das Ergebnis seiner Teilnahme an einem Wettbewerb für die „Darstellung der Veränderungen auf dem Land“. Die 1950er Jahre waren in der DDR-Zeit die Jahre der Kollektivierung der Landwirtschaft. Der Zusammenschluss der Bauern zur LPG erfolgte mit mehr oder weniger Zwang. Bekannt aus dieser Zeit ist die mehrteilige DEFA-Produktion „Wege übers Land“ mit Manfred Krug und Ursula Karusseit. Die idealisierte Darstellung der jungen Landarbeiterin war bereits zur damaligen Zeit nicht unumstritten. Warum die Plastik den Titel „Jugend – Baumeister der DDR“ erhielt, ist nicht bekannt. Sicher wollte man damit die Jugend ansprechen, die den sozialistischen Aufbau in Zukunft zu bewältigen hat. Die Bekleidung der dargestellten jungen Frau mit Kopftuch sollte die Arbeitswelt symbolisieren, aber man fragte sich – welche Arbeitswelt. Kritiker stellten eine formale Kluft zwischen dem Können des Bildhauers und einem kulturpolitischen Anspruch fest. Man darf dabei jedoch nicht vergessen, dass es sich letztlich um ein Auftragswerk handelt. Arnold schuf noch andere Plastiken zum Thema Arbeit und es zeigte sich, dass er ein Bildhauer der verhaltenen Gesten war. Man sagte ihm nach, dass er lieber Holz statt Bronze bevorzugte. Seine weiblichen Akte und Porträts überzeugten am meisten, wenn sie sich selbst genügten und nicht kulturpolitischen Forderungen nachkamen. Biografische Angaben zu Walter Arnold sind im Beitrag von „Neues Gera“ (20.08.2016) nachzulesen, dieser Beitrag kann auch in der E-Paper-Ausgabe unter www.neuesgera.de/e-paper.html abgerufen werden. 
Zu den verschwundenen Plastiken und Skulpturen aus dem Gelände des sogenannten Hofgutes gibt es keine wesentlichen neuen Erkenntnisse. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass die Stadt Gera Anzeige gegen Unbekannt erstattet hat. Vielleicht geht der Dieb oder Hehler einmal in sich und gibt die Kunstwerke zurück. 
Hinweise und Meinungen an gera-skulpturen@gmx.de.

( Manfred Taubert, 29.07.2017 )

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