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„Name tanzen” steht nicht im Schulplan

Um Waldorfschulen ranken sich viele Mythen und Vorurteile. Vielleicht gehört auch wirklich ein wenig Trallala zum Schulleben, aber seinen Namen tanzen muss hier niemand und der stetig steigende Erfolg des Modells zeigt, dass die Schulform alles andere als Unsinn ist. Auch in Gera ist die Schule mittlerweile fest verwurzelt und wächst von Jahr zu Jahr weiter. So hat man 2006 mit 21 Schülern angefangen, zählt heute elf Klassen mit 187 Schülern. „Es ist toll zu sehen, was sich in über zehn Jahren entwickelt hat und von Lehrern, Schülern und Eltern stetig weiter entwickelt und ausgebaut wird. Im neuen Schuljahr werden wir noch weiter wachsen und ca. 210 Kinder im Haus unterrichten“, weiß Schulleiter Thomas Bisinger stolz zu berichten.

Dabei war es nicht ganz einfach die Schule in Gera zu eröffnen und zu etablieren. Angefangen hat alles mit dem Waldorfkindergarten, der seit 1992 in Gera ansässig ist und aus dem sich eine Elterninitiative gründete, die die Waldorfschule in Gera als Ziel hatte. Dies dauerte aber noch einige Jahre bevor man 2006 an den Start gehen konnte. Heute sprechen die Verantwortlichen von glücklichen Umständen, die dazu führten, dass der heutige Verein für Waldorfpädagogik e.V. die Trägerschaft übernahm, es Lehrer gab, die das Konzept mittrugen und die Stadt ein Angebot zu einer leer stehenden Realschule, die im Volksmund als „Rote Schule“ bekannt war, machte und das Gebäude dem Träger überlies. So entschied man sich dazu, dass ziemlich heruntergekommene Haus im laufenden Betrieb grundhaft zu sanieren. „Wir haben mit zwei Klassen angefangen und das Gebäude mit Hilfe von Firmen und Eltern saniert. Insgesamt wurden dabei über drei Millionen Euro investiert, wovon allein die Eltern ca. 300.000 Euro durch Eigenleistungen wie Arbeitszeit und Material dazu beisteuerten“, so Bisinger weiter. „Zu unserem zwanzigsten Geburtstag, also in knapp zehn Jahren wollen wir nicht nur Schule sein, sondern ein kulturelles Zentrum für die Stadt. In diesem soll es, initiiert von den Schülern, Konzerte, Theater sowie Chor- und Musikprojekte geben“, berichtet Bisinger weiter, der auf das bisher Erreichte sehr stolz ist und die Schule mit den Ideen aller Beteiligten jetzt für die Zukunft ausrichten will.

Doch neben dem Zuspruch hat man noch immer mit Vorurteilen zu kämpfen. „Es gibt in unserer Ganztagsschule ganz normalen Unterricht. Jedoch sind nicht alle Kinder gleich, lernen nicht gleich und wollen nicht immer das Gleiche. Darauf achtet man hier mit vielen kreativen Angeboten, die in den Schulalltag eingebunden werden. So können die Kids handwerklich oder künstlerisch tätig werden, um herauszufinden, was zu ihnen passt“, weiß Burkhard Schlothauer aus Gera zu berichten, der sich für die Schule engagiert und dessen Töchter hier zur Schule gehen. Zeugnisse gibt es auch, jedoch ohne Noten. Hier setzt man auf Beurteilungen, die das Positive voran stellen, aber auch Kritik aufzeigen, jedoch auch gleich einen Lösungsvorschlag anbieten. „Wir versuchen eine Entwicklung zu beschreiben. Die Kinder sind immer daran interessiert eine positive Bewertung zu bekommen und sind noch motivierter, wenn mal etwas nicht gleich funktioniert. Noten stecken uns sofort in eine Schublade. Bin ich schlecht oder gut. Das ist bei uns nicht der Fall, denn auch die Eltern, die zu uns kommen haben keine Schwierigkeiten mit dem Leistungsdruck, sondern mit der Selektierung. Jeder lernt anders und das beachten wir hier. Bei uns ist alles unter einem Dach und es gibt Bindungen zu den Lehrern, da die Kids nicht selten über den gesamten Schulzeitraum von diesem Lehrer begleitet werden“, fügt Thomas Bisinger hinzu.

Wie der Unterschied im Leben aussieht weiß Kathrin Probst, Mutter zweier Kinder ganz genau. Ihr Sohn besuchte die staatliche Grundschule, was für ihn vier Jahre lang ein Horror war. Die Angst wollte sie ihrem Sohn nehmen, informierte sie sich über Alternativen und kam so zum Konzept der Waldorfschule. „Wir standen dem Ganzen anfangs kritisch gegenüber, aber unser Sohn hat sich schnell eingelebt und für ihn ist es jetzt eher der Horror, wenn er nicht in die Schule kann“, schmunzelt Mama Probst, die jetzt sieht, wie ihr Kind wieder glücklich im Alltag agieren kann.

Zum Vergleich hat sie den Schulalltag ihrer Tochter, die auch heute noch auf eine staatliche Schule geht. Sie lehnt diese nicht ab, jedoch sieht sie hier, mit welchem Druck die Kinder klarkommen müssen. „Unsere Tochter lernt von Thema zu Thema, egal ob sie es interessiert oder nicht. Das hat zur Folge, dass am Ende nichts hängen bleibt, wenn es vom Tisch ist. In der Waldorfschule lernen die Kinder aus Interesse und bekommen Hilfe, wenn der ein oder andere es nicht gleich versteht. In anderen Schulen wird der Lehrplan gepredigt und es spielt immer weniger eine Rolle, ob jemand dabei mitkommt oder nicht. Dies zeigen dann die Unterteilungen in Haupt-, Realschule oder Gymnasium“, so Kathrin Probst weiter. Der heutige Schultag in staatlichen Schulen steht schon seit Jahren in der Kritik. Welche Schulform die Richtige ist, müssen wohl die Eltern für ihre Kinder entscheiden. In jedem Fall zeigen verschiedene Studien, dass einiges überdacht werden muss. Diese zeigen auch, dass Waldorfschüler begeisterter, individueller und mit weniger Leistungsdruck lernen. Ob Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmung auch gut für die Noten sind, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Dann kommen immer mehr Waldorfschüler zum Ende ihrer Schulzeit und somit den staatlichen Prüfungen näher.

Wer mehr über die Geraer Waldorfschule erfahren möchte, kann sich im Internet unter www.waldorfschule-gera.de informieren. 

( Lars Werner, 15.07.2017 )

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