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„Hallo – Salam – Willkommen”

Wer möchte schon gern seine eigene Kultur vernachlässigen, seine Wurzeln verlieren, seine Heimat vergessen? Es ist ein scheinbar natürlicher Prozess, dass Migranten oder Auswanderer, Geflüchetete oder Vertriebene immer ein Stück Ursprung in sich tragen werden und es in der neuen Heimat auch leben wollen. So gibt es deutsche Dörfer überall auf dieser Welt, genauso wie es hier z.B. holländische, polnische und amerkanische Viertel gibt. Unserer deutschen strukturierten Natur ist es zudem zu verdanken, dass uns eine bunte Vereinskultur bereichert.

So fungiert hier der Interkulturelle Verein (IKV) als Dach und vereint unter sich u.a. den vietnamesischen Verein, der sich vor rund 15 Jahren gründete, um vorrangig den eigenen Kindern die Muttersprache zu unterrichten, damit Kultur und Sprache nicht verloren gehen. Nachdem Zusammenschluss mit dem Interkulturellen Verein nahmen die Vietnamesen zunehmend an kulturellen Veranstaltung teil und tragen heute zu einem bunten Leben in Gera bei.

Ähnlich denken es sich Olga Lange und Manuela Prautsch auch für den arabischen Kulturtreff Jasmin. „Sie sollen selbst etwas tun, ist der Ansatz dahinter”, erklärt Olga Lange, Vorsitzendes des IKV.

Es ist der klassische Ansatz von „Hilfe zur Selbsthilfe”. Arabische Menschen sollen den Kulturtreff mit Leben füllen. „Die Migranten selbst sollen hier aktiv werden. Eigene Ideen einbringen, Feste organisieren und Projekte stemmen. Das wird nicht leicht, weil sie es so in der Form nicht kennen. Für ihr Vorankommen, akzeptiert und verstanden zu werden, ist es jedoch notwendig, denn nur wer seine eigene Kultur bewahrt, kann fremde Kulturen schätzen und respektieren”, ist sich Olga Lange sicher.

Mit dem diesjährigen Zuckerfest – dem offiziellen Fastenbrechen nach dem 30tägigen Ramadan – trat der Kulturtreff erstmals in die Öffentlichkeit. Rund 500 Menschen kamen und nahmen am 25. Juni daran teil. Es fand im Garten des Soziokulturellen Zentrums in Lusan statt. „Es ist unser Ziel das kommende Opferfest bereits selbst zu organiseren”, haben es sich Reta Ismael und Nawwar Nweader vorgenommen. Sie beide kommen aus Syrien. Reta Ismael ist Lehrerin für Arabisch, Nawwar Nweader Rechtsanwalt. Seit Mai absolvieren sie beide den Bundesfreiwilligendienst im IKV. Sie wollen den Kulturtreff aufbauen, begleiten und etablieren. „Das Opferfest findet zweieinhalb Monate nach dem Zuckerfest statt und ist auch ein am Mondkalender orientiertes Fest”, erklärt Reta Ismael ihr Vorhaben bereits das viertägige Opferfest vom 1. bis 5. September in Eigenregie zu organiseren. Ganz allein und ohne deutsche Hilfe wird das wohl nichts werden. Schließlich stolpert der ein oder andere Einheimische sogar über die Hürden der Bürokratie. Und so ist Manuela Prautsch, offiziell seit wenigen Monaten die rechte Hand von Olga Lange, der direkte Draht für Reta Ismael und Nawwar Nweader.

Der ein oder andere wird Manuela Prautsch bereits als Akteurin von „mini-decki” kennen, andere aus der Volkshochschule als Englischlehrerin. Ihr Vater ist Bulgare. Auch sie weiß, was es bedeutet mit Migrationshintergrund und zwei Kulturen aufzuwachsen und zu leben, und sich auch immer irgendwie ein bisschen fremd zu fühlen, in der einen als auch in der anderen Heimat.

Natürlich sollen nicht nur die Feste gefeiert werden, wie sie fallen. Regelmäßig – jetzt in den Ferien zwei Mal wöchentlich – unterrichtet Reta Ismael insgesamt 24 Kinder und Jugendliche. „Sie alle beherrschen die deutsche Sprache, verlieren aber zunehmend die arabsiche Sprache, vor allem das Schreiben”, erklärt Nawwar Nweader. Neben dem Arabischsprachkurs für Muttersprachler sollen Möglichkeiten des kulturellen Austausches und zur Förderung der Integration geschaffen werden. „Alle Angebote, die wir hier in unseren Räumlichkeiten anbieten, können auch von den arabischen Migranten genutzt werden, u.a. Kinderchor, Musikunterricht und Sportangebote”, zählt Olga lange auf. „Ab 17. August wird auch jeden Donnerstag von 10 bis 13 Uhr zum Nähtreff geladen, hier sind vorrangig Syrerinnen angesprochen”, ergänzt Manuela Prautsch.

Gefördert wird das Projekt „Hallo - Salam - Willkommen” vom Land Thüringen und ist auf drei Jahre angelegt. 

( Fanny Zölsmann, 08.07.2017 )

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