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Giftiger Schlamm endlich gebannt

„Eigentlich klingt es recht harmlos, IAA oder Industrielle Absetzanlage“, erklärt Wismut-Geschäftsführer Dr. Stefan Mann. „Doch was sich dahinter verbarg, war ne tüchtige Umweltschweinerei.“ Hier lagern 155 Millionen Kubikmeter giftige Schlämme (Tailings), das Überbleibsel von jahrzehntelanger Urangewinnung. Das in einer Gesamtfläche von 158 Hektar und bis zu 70 Metern tief. Die Anlage Culmitzsch ist die größte von insgesamt vier Absetzanlagen, die in der Sanierungsverantwortung der Wismut GmbH liegen. „Knapp 166 Millionen Kubikmeter hat die Wismut geerbt und der größte Haufen ist der hier in Culmitzsch“, sagt Dr. Mann. Doch wie entstanden diese gewaltigen Überreste in den Absetzanlagen? Im Laufe des Urangewinnungsprozesses wurde das fein gemahlene Gestein mit Laugen oder Säuren versetzt, um damit alle Metallbestandteile herauszuwaschen. Zurück blieb taubes Gestein, das gelangte in den Schlammteich. Aus der Lauge mit allen möglichen Metallen wurde dann das Uran selektiert und zum sogenannten „Yellow Cake“ verarbeitet. Alle anderen Schwermetalle verblieben in der Lauge. Diese belasteten sehr dünnen Schlämme mit Uranresten, Arsen und anderen Chemikalien wurden in die Absetzbecken gepumpt.

Mit der Einstellung der Uranproduktion 1990 wurden sofort erste Maßnahmen eingeleitet, die unmittelbaren Gefahren einzudämmen. Alle freiliegenden Strände der Anlagen wurden mit Haldenmaterial bedeckt, um das Abwehen radioaktiven Staubes zu verhindern. In einem jahrelangen, fast Jahrzehnte dauernden Prozess mussten die Tailings stabilisiert und die oberen Schichten trocken gelegt werden. Durch mehrere Drainageschichten, bestehend aus Kies, sauberem Feldmaterial, vertikalen textilen Entwässerungsdochten und Textilgittern (Geovlies) wurde immer mehr Wasser aus der „Puddingmasse“ herausgepresst.

Mit dem Abschluss der Zwischenabdeckung wurden rund 260 Hektar textile Materialien verlegt und mehr als 7000 Kilometer textile Dochte in die Anlagen eingebracht. Etwa 18 Millionen Kubikmeter mineralische Abdeckmaterialien wurden eingebaut. Während bei Becken B bereits die Endabdeckung aufgebracht wird, ist jetzt durch diese Zwischenabdeckung bei Becken A eine sichere Arbeitsbasis für die nachfolgende Konturierung und Endabdeckung geschaffen worden. Damit ist die Gefahr, die von einer Gesamtfläche von rund 250 Hektar Schlamm ausging, gebannt. Während des Tages der Umwelt 2017 in Ronneburg und Seelingstädt konnten sich die Besucher mit Busrundfahrten und Hubschrauberrundflügen vom aktuellen Sanierungsstand überzeugen. „Man muss auch nach der Sanierung und Rekultivierung der Landschaft immer noch davon ausgehen, dass hier Wasser austritt, das nachbehandelt werden muss“, gibt der Wismut-Geschäftsführer zu bedenken. „Die Drainagebrunnen, und die Wasseraufbereitung werden wir wohl auf Dauer betreiben müssen.“

Herauskommen soll eine begrünte und aufgeforstete Landschaft, die touristisch nutzbar sein wird. Ähnlich eines „Urwaldes“ wird weitestgehend unberührte Natur entstehen. „Pflanzen, Insekten und Tiere werden sich, ähnlich wie auf den Lichtenberger Kanten, diese sanierten Flächen schnell zurückholen“, ist sich Dr. Stefan Mann sicher.

Bis das jedoch überall der Fall ist, wird noch geraume Zeit vergehen und es ist noch viel Sanierungsarbeit notwendig. Während in Trünzig schon 2001 die Arbeiten beendet waren, rechnet man für Helmsdorf und Dränkritz bis 2019 mit der Fertigstellung. Die Absetzanlage Culmitzsch ist das am längsten dauernde Großprojekt der Wismut GmbH. Hier werden die Arbeiten nach derzeitiger Planung 2028 beendet sein. 

( Wolfgang Hesse, 01.07.2017 )

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