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Weißig, Gorlitzsch, Schafspreskeln: Dörfer mit Zukunft

„Wir haben Zukunft”, ist sich Ortsteilbürgermeisterin Martina Schmidt sicher, denn „wir sind an der Peripherie einer Großstadt und genießen ländliche Strukturen mit ruhigem Umfeld und viel Natur, mit den Annehmlichkeiten einer guten Infrastruktur, stündlichen Busanbindungen und mobilen Händlern, die unsere Bewohner fast täglich frisch beliefern”, zählt sie die Vorzüge auf, die für ein Dorf mit Zukunft sprechen können. Und es gibt in der Tat noch viele weitere, darunter den nicht ganz unerheblichen Fakt, dass die Gemeinde, bestehend aus Weißig, Gorlitzsch und Schafspreskeln, auf drei Hügeln, verbunden durch zwei Täler, liegt. „Heimatverbundenheit, Traditionspflege, dörfliche Gemeinschaft und Innovation gehören in Weißig zusammen”, bringt es die Ortsteilbürgermeisterin auf den Punkt.

1950 wurden Gorlitzsch und Schafspreskeln eingemeindet. Im Rahmen der Gebietsstrukturreform Anfang der neunziger Jahre wurde die Gemeinde vor die Alternative gestellt, nach Gera oder Münchenbernsdorf eingemeindet zu werden; die Bevölkerung entschied sich mehrheitlich für Gera. Seit dem 1. Juli 1994 gehören Weißig mit Gorlitzsch und Schafspreskeln zur Stadt Gera. Aktuell leben hier 197 Einwohner.

Der Startschuss für den 26. Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft” fiel mit der Ausschreibung im Staatsanzeiger Nr. 3/2017 im Januar 2017.

Ausgeschrieben vom Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, betreut von der Akademie Ländlicher Raum Thüringen, bewertet von einer Fachjury, steht der Wettbewerb unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten. Bis zum Anmeldeschluss am 28. April hatten sich 60 Dörfer aus den drei Thüringer Regionen beworben. „Mit 28 Dörfern ist der ostthüringische Raum am häufigsten vertreten”, bilanziert Juryvorsitzender für Ostthüringen, Jens Lüdtke. Hauptberuflich leitet er das Amt für Landesentwicklung und Flurneuordnung Gera. Gemeinsam mit sechs weiteren Experten, Friedmar Müller, Edgar Dally, Hans-Joachim Petzold, Birgit Henn, Klaus Schirmer, Dr. Siegfried Stenzel und Maximilian Hünich, bereist er an neun Tagen die 28 teilnehmenden Dörfer. Da Jens Lüdtke selbst Bewohner eines teilnehmendes Dorfes ist, wird er an dieser Abstimmung nicht teilnehmen. „Der Wettbewerb heißt ‚Unser Dorf hat Zukunft‘ und genau darauf schauen wir auch. Wie zukunftsfähig ist der Ort, die Gemeinde, das Leben. Das Schlagwort heißt ‚Initiative‘. Wie viel zeigen die Bewohner selbst, wie stolz sind sie auf ihr Dorf, wie viel leisten sie selbst und wirken daran mit, dass aus diesem Fleckchen Erde ihr Stückchen Heimat wird. Wir wollen sehen, fühlen, erleben, dass die Menschen, die hier leben, gern und mit Willenskraft ihren Ort zu etwas Lebenswertem machen”, erklärt Jens Lüdtke.

In Weißig, Gorlitzsch und Schafspreskeln überzeugte sich die Bewertungskommission am vergangenen Freitag. Auch Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn ließ es sich nehmen, an der Veranstaltung teilzunehmen, die Jury willkommen zu heißen und gleichzeitig das Engagement der Bürger, im Besonderen der Ortsteilbürgermeisterin Martina Schmidt und dem Ortschaftsrat zu würdigen.

Regina Nowatzek ist ein echtes Weißiger Urgestein, geboren im elterlichen Haus auf dem Dorfplatz, wuchs sie mit dem Wunsch einmal in eine große Stadt ziehen zu wollen auf. „Ich wollte immer nach Dresden, Berlin oder Rostock”, erinnert sie sich zurück. Doch ihr Mann, kommend von der Stadt Gera, wollte immer aufs Land. Und so fiel die Entscheidung im Dorf wohnen zu bleiben. „Anfangs hatten wir im Neubau gewohnt, die Wohnung bekamen wir von Kaisers Frida, zuvor wohnte dort Vogels Helga mit ihren sechs Kindern. Sie kauften dann ein Haus ebenfalls auf dem Dorfplatz und wir zogen mit unserem erstgeborenen Sohn in die Wohnung mit Blick auf Gorlitzsch”, erzählt Regina Nowatzek aus ihrer eigenen ganz persönlichen Geschichte. Ihr Wunsch in die Stadt ziehen zu wollen, änderte sich nachdem sie sich ein paar Wohnungen in Gera – oftmals im Hinterhof – angeschaut hatte. „Die haben mir alle nicht gefallen, im grauen Hinterhof wollte ich auch nicht leben.” Von 1974 bis 1985 lebte sie also mit ihrer kleinen Familie im Neubau in Weißig. Mit der Geburt der Tochter folgte auch der Umzug ins elterliche Haus. Die Partei habe damals über Wohnraum und dessen Anrecht entschieden. „So war das damals eben”, sagt sie.

Seit Mitte der 80er lebt Regina Nowatzek wieder auf dem Dorfplatz, wieder im Haus in dem sie geboren und aufgewachsen ist. „Ich genieße meine schöne Aussicht, die habe ich in der Stadt nicht. Ich kann über Lusan bis nach Ronneburg schauen. Diese sichtbare Freiheit ist wunderbar”, schwärmt die Weißigerin und weiß die Freundschaften und Verbindungen zu schätzen. „Weißig ist gemütlich, vertraut und gesellschaftlich, vor allem auch neue Bewohner werden herzlich in die Gemeinschaft aufgenommen und fühlen sich schnell zu Hause.”

Der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ soll die Menschen auf dem Lande motivieren, mit Kreativität, Leidenschaft und Einfallsreichtum Zukunftsperspektiven für ihr Dorf zu entwickeln und aktiv an der wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und ökologischen Gestaltung ihres Dorfes mitzuwirken. Und genau das war auch der Grund, warum Martina Schmidt gemeinsam mit Herbert Zölsmann bei der Jury darum geworben hat, sich alle drei Ortschaften anzuschauen. „Alle drei zusammen bilden erst diese Gemeinde”, weiß Martina Schmidt, die ebenfalls mit engagierten Bürgern seit ihrer Amtszeit darum bemüht ist, dass Zusammengehörigkeitsgefühl der Bewohner aller drei Ortsteile zu stärken.

Bis Montag, 3. Juli, ist die Bewertungskommisssion noch auf Reisen. Es gibt vier Bewertungsbereiche die auch beim späteren Bundeswettbewerb relevant sind: Die Entwicklungskonzepte und wirtschaftlichen Initiativen, Soziale und kulturelle Aktivitäten, die Baugestaltung und Siedlungsentwicklung, sowie die Grüngestaltung und das Dorf in der Landschaft. Zusätzlich zu den Fachbewertungsbereichen werden der Gesamteindruck und das Engagement der Dorfgemeinschaft hinsichtlich Inhalt und Zielen des Wettbewerbs beurteilt.

Aus jeder der drei Thüringer Regionen gehen drei Sieger hervor, diese können am Landeswettbewerb 2018 teilnehmen. Die Regionalsieger werden im Oktober öffentlich bekannt gegeben. Darüber hinaus winken Sonderpreise.

Die Regionalsieger werden dann zum Landeswettbewerb 2018 beim Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft bis zum 1. Dezember angemeldet.

Weitere Informationen auf:

www.thueringen.de/dorfwettbewerb

( Fanny Zölsmann, 01.07.2017 )

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