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„Du machst das schon, Schnuppelchen”

Heute sage ich: Schade, dass ich mit dem Traumzauberbaum nicht groß geworden bin. Ich wusste gar nicht, dass es ihn gibt. Aus welchem Grund seine Blätter nicht in mein Kinderzimmer gelandet sind, lässt sich heute nicht mehr zurückverfolgen. Aber zum Glück egal, denn dank meiner Tochter schwirren nun Moosmutzel und Waldwuffel tagtäglich in unserem Auto umher.

Im September 47 wird ein Mädchen in Oßmannstedt geboren. Groß geworden im Thüringer Wald, bezeichnet sie sich selbst als komisches Kind, denn sie liebt den Wald, in dessen Dikicht sie auch allein als Heranwachsende nächtigte. Sie versinkt in unzähligen Büchern, beginnt in ihrem heimlichen Haus im Apfelbaum selbst zu schreiben.

Monika Erhardt hieß das Fräulein, welches durch die Heirat mit Reinhard Lakomy zu dessen Frau wurde. Ganz am Amfang wollte sie Architektur studieren und schlug daher das Abitur mit einer Maurerausbildung ein, doch die Mathematik wurde ihr zum Verhängnis. In der zehnten Klasse schaffte sie dann den Absprung, denn Tanzen war ihre Leidenschaft. Sie begann klassisches Ballett zu studieren. Kürzlich bekam ich sie an die Strippe und sie erzählte mir, dass sie fünf Jahre lang Ballett studierte, insgesamt 17 Jahre lang tanzte und mit ihrer Kompanie um die ganze Welt reiste. Noch während ihrer Zeit als Tänzerin begann sie ein Fernstudium der Kulturwissenschaften. „Ich habe 17 Jahre lang getanzt, aber ich hatte immer Kopfhunger. Ich habe mich für die Sprache und die Poesie interessiert und wollte mehr wissen. Der Schöpfer hat mir diese Gabe geschenkt. Heute weiß ich, sie ist nicht jedem gegeben”, so die 69-Jährige.

Seit 1981 lebt sie als freie Autorin in Berlin. Im verflixten 77. Jahr des 20. Jahrhunderts heiratete sie Reinhard Lakomy. Ein Glücksjahr für beide. Lakomy besaß unzählige Instrumente, spielte Jazz, komponierte Popsongs, elektronische Musik, Film- und Ballett-Musik. Doch der Durchbruch gelang ihm noch nicht, denn Texte schrieb er nie. Seine Idee, Lieder für kleine Hörer zu machen, schlummerte tief in ihm. Von der Muse Monika geküsst, begannen seine Songs zu reden. Denn Monika Ehrhardt schrieb unter anderem Kinderliedtexte. 1978 erscheint das erste Hörspiel „Geschichtenlieder mit Paule Platsch, dem Regentropfen”, zwei weitere Jahre später schlug der Traumzauberbaum seine Wurzeln. „Der Traumzauberbaum musste einfach entstehen. Er ist die Mischung aus meiner Verwurzelung zum Thüringer Wald und den zahlreichen Büchern, die ich selbst gelesen habe”, erzählt Monika Erhardt-Lakomy. Dass der Traumzauberbaum einen solchen Durchbruch erfahren würde und nunmehr schon fast vier Jahrezehnte lang ein Küsschen das Näschen kitzelt, daran haben wohl beide 1980 nicht geglaubt. „Er ist wie ein Kind, welches man irgendwann beginnt loszulassen. Wir haben ihn geboren und nun ist er flügge geworden und geht seinen eigenen Weg”, beschreibt die Autorin und macht deutlich, dass es eine beeindruckende Erfahrung bleibt.

Dass der Traumzauberbaum noch nach 37 Jahren wächst und gedeiht, könnte womöglich auch an dem geheimnis liegen, dass die Texte sowohl für Kinder als auch für Erwachsene geschrieben sind. „Auch die Eltern sollen Spaß haben und sich nicht langweilen. Zudem ist Lacky (Reinhard Lakomy) in der Musik auch nie simpel gewesen”, beschreibt sie und verrät, dass sie all ihre Werke immer für sich selbst geschrieben hat. Auch sie ist gewachsen, reifer geworden und hat dazu gelernt. Die Texte stammen aus einer faccettenreichen Lebensfeder. „Man kann Kindern alles erklären, man muss nur die richtigen Worte finden.”

Für das aktuelle Stück bringen Moosmutzel und Waldwuffel das blaue Ypsilon mit. Sie wollen den Kindern das Alphabet und die Herkunft der Buchstaben näher bringen. Das Musical „blaue Ypsilon” gibt es übrigens schon seit 1998, als Auftragswerk des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst des Bundeslandes Hessen. „Es sollte ein Musical zur Leseförderung geschrieben werden. Naja, eine Geschichte hätte ich sofort zaubert können aber ein Musiktheater? Die Geschichte erzählt, woher die Buchstaben kommen”, bringt es die passionierte Schiftstellerin auf den Punkt. Später erst, fügte das Ehepaar den Traumzauberbaum hinzu. „Er ist zu unserem Markenzeichen geworden. Und er wird noch viele Blätter wachsen lassen”, ist sich Monika Ehrhardt-Lakomy sicher und gesteht, dass sie noch viele Ideen und Konzepte in der Schublade schlummern hat. Lakomys Welt gehört den Kindern und der Musik. Und in des Kindes Welt gehört der Traumzauberbaum. Dass dies kein unbeschriebenes Blatt ist, beweisen drei Generationen und vier Millionen verkaufte Tonträger. Zahlreiche Kitas und Schulen tragen den Traumzauberbaum in ihrem Namen. Und tief in den Wurzeln des Traumzauberbaumes versteckt sich selbst eine Kita. Sie beherbergt zehn Kinder, betreut von zwei Erzieherinnen und ist im Wohnhaus der Lakomys beheimatet. „Es war Lackys letzter Wunsch, sein großes Tonstudio den Kindern zu geben”, erklärt die Witwe. Eine der Erzieherinnen ist Olivia Winter, die bei Liveaufführungen des „Traumzauberbaums“ Moosmutzel spielt – sie wohnt auch im Obergeschoss.

Der Traumzauberbaum ist mehr als nur ein Kinderhörspiel. Es ist ein Zuhause für Große und Kleine. Er bietet Schutz und spendet Schatten, er gibt Hoffnung und vertreibt Sorgen, er lässt Gedanken frei und schenkt Momente. Der Traumzauberbaum ist ein wundersamer Begleiter fürs Leben, der das eigene Kindsein nie vergessen lässt.

Am Sonntag, 7. Mai, 15 Uhr, wird der Traumzauberbaum und das blaue Ypsilon auf den Bühnen der Stadt Gera aufgeführt. Monika Ehrhardt-Lakomy hat eine ganz besondere Beziehung zu Gera. Denn als Kind tanzte sie im Theater in Gera und Greiz. Aus diesem Grund lässt sie es sich auch nicht nehmen, mit dabei zu sein. Bei der anschließenden Autogrammstunde haben die Kinder und Eltern die Möglichkeit, die sicher an diesem Tag auch wieder zu Kindern werden, Monika Ehrhardt-Lakomy hautnah zu erleben. Karten gibt es an der Theaterkasse unter Tel. 8279105.

( Fanny Zölsmann, 29.04.2017 )

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