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Von der Sprache zur Kultur zum Alltag

Beim „Freundeskreis für Flüchtlinge” ist der Name Programm. Denn wie es unter Freunden so üblich ist, hilft man sich, steht sich mit Rat und Tat zur Seite, verbringt – sofern es der Alltag erlaubt – die Freizeit miteinander und sagt sich eben manchmal auch ein kritisches Wort. „Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe”, formuliert Ines Bauer das Motto des Freundeskreises. Seit vielen Jahren sind sie als loser Zusammenschluss in Gera aktiv gewesen, bevor sie sich im Mai 2015 eine rechtliche Form gegeben haben. Das „e.V.” am Ende des Namens war geboren. Auf die Unterstützung von 25 Mitgliedern und noch einmal 20 Aktiven können die Hilfesuchenden hoffen. „Na klar, freuen wir uns über jeden weiteren Freund, der sich uns anschließen will”, weiß Ines Bauer, dass seit der Gründung die ehrenamtliche Arbeit nicht abreißt. Allen voran gilt es natürlich erst einmal die deutsche Sprache zu vermitteln. Hierfür werden jederzeit Sprachpaten gesucht. Wer über die Sprache hinaus Hilfe leisten möchte, der ist als Familienpate willkommen. „Sie betreuen die Hausaufgaben der Kinder, begleiten die Eltern zu den Elternabenden, bei Arztbesuchen oder anderen organisatorischen Angelegenheiten, geben Deutschkurse und vor allem wichtiger als alles andere, sie lassen sie am Alltag der hier Lebenden teilhaben. Denn Integration beginnt bei der Sprache und endet bei Freundschaften”, spricht Ines Bauer aus Überzeugung. „Gleichermaßen helfen wir bei der Wohnungsausstattung. Viele bekommen eine leere Unterkunft, die weder über Möbel noch Licht verfügt. Mit wenig Deutschkenntnissen und noch weniger Ahnung über die deutsche Bürokratie sind wir eine wesentliche Anlaufstelle. Wir haben ein Lager in dem wir Haushalts-Spenden jeglicher Art entgegennehmen. Küchen und Betten sind stets gesucht”, davon kann Karsten Herkenberg ein Liedchen singen, allein in den letzten Monaten hat er gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen über 30 Küchen auf- und abgebaut. Diese ehrenamtliche Arbeit – neben ihrer Hauptarbeit – in Stunden aufzurechnen, dafür fehlt beiden die Zeit. Ines Bauer und Karsten Herkenberg sind im Mai 2015 zum Verein gekommen. Ein Zeitungsartikel hat ihr Interesse geweckt. Damals wurde ein Webdesigner für die neu zu errichtende Homepage gesucht. Karsten Herkenberg fühlte sch angesprochen, denn von Haus aus ist er Webdesigner und Dozent in Jena.

Viele Ideen sind seit der Vereinsgründung geboren worden, einige haben die Freunde des Kreises umgesetzt, einige als nicht realisierbar bei Seite gelegt. „Wir wollen und können nur Projekte starten, die wir stemmen können. So gibt es seit gut eineinhalb Jahren die Arbeitsgruppe ‚Zabiff‘ (zentrale Anlaufstelle für Begegnung und Interkulturelle Förderung für Frauen und Familien). Kurzum: Es handelt sich um ein Treffen für deutsche und ausländische Mütter, die in diesem Zeitraum sowohl Sprachförderung als auch Frühförderung für ihre Kinder erhalten”, erklärt Karsten Herkenberg, dass von Freundeskreismitglied Karolin Zinkeisen entwickelte Angebot. Dieses findet jeden Mittwoch, 9 bis 12 Uhr, in den Räumlichkeiten des CVJM, Nicolaiberg 5, statt und ist offen für Jederfrau.

Seit Januar gibt es nun auch einen Fitnesskurs für Frauen, montags von 16.30 bis 18 Uhr, in der Ostschule.

Ein weiteres Projekt, welche die Agenda des Freundeskreises füllt, nennt sich „Radfahren für Frauen”. „Gemeinsam mit der Geraer Verkehrspolizei bereiten wir einen Fahrrad- und Verkehrsschulungskurs für Migrantinnen in der Verkehrsschule in Lusan vor. Dafür werden noch verkehrstüchtige Damenfahrräder benötigt”, kurbelt Ines Bauer noch einmal die Werbetrommel dafür, alte aber noch flotte Drahtesel aus dem Keller an die frische Luft zu holen und dem Freundeskreis zur Verfügung zu stellen.

Es könnte eigentlich schon genug sein, aber der Freundeskreis hat eben viele ideenreiche Anhänger. So auch die Geraer Goethe-Gesellschaft, allen voran Bernd Kemter. Gemeinsam mit den Dichtern und Denkern dieser Stadt und darüber hinaus, soll eine Anthologie über die letzten zwei Jahre Flüchtlingsarbeit entstehen. Dazu hat Neues Gera bereits aufgerufen. Angesprochen sollen sich all jene fühlen, die in der Flüchtlingshilfe aktiv sind und Geschichten, Episoden, Kurioses, Alltägliches oder auch Tragisches zu erzählen wissen. Gerade für letzteres will der Freundeskreis auch ein Seminar unter dem Thema „Wie gehe ich mit traumatisierten Menschen um” anbieten. Dieses soll am Sonnabend, 13. Mai, 9 bis 14.30 Uhr, in der Volkshochschule stattfinden. Wer sich nun angesprochen fühlt, dem Freundeskreis unter die Arme greifen zu wollen, als Sprachpate, Familienpate, Spender von Möbeln, Elektrogeräten oder Fahrrädern einzuspringen oder Interesse am Seminar hat, der sollte über info@willkommen-gera.de mit den Ehrenamtlichen in Kontakt treten.

Wer einfach einmal vorbeikommen möchte, der kann jeden zweiten Dienstag im Monat, 16.30 Uhr, zum Freundeskreistreffen in die G26 gehen (nächster Termin: 9. Mai), oder einen Sprachkurs besuchen: Dienstag- und Mittwochnachmittag, 14.30 bis 16 Uhr, im Café Global in der G26 oder Mittwochvormittag, 10 bis 12 Uhr, im Gemeindezentrum, Talstraße 30.

( vorstufe, 29.04.2017 )

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