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Erfolgreicher Startschuss für GIDA

Wenn so mancher glaubt, über Gera lasse sich nicht viel Positives berichten, dann möchten wir auf ein Vorhaben aufmerksam machen, bei dem die Handwerkskammer zurecht Lorbeer erworben hat. Soeben erfolgte in ihrer Agaer Bildungsstätte der offizielle Startschuss für ein nachahmenswertes Modellprojekt. Es nennt sich GIDA. Die Abkürzung steht für „Gemeinsam in die Ausbildung“. Träger ist vor allem die Bonner Otto Benecke Stiftung. Die Geraer Handwerkskammer ist mit ihren Bildungsstätten in Aga, Rudolstadt und Zeulenroda einer von bundesweit drei Projektpartnern und der einzige in Ostdeutschland.

Der Hausherr der Kammer, Präsident Klaus Nützel, dem die Freude über den Beitrag zum Gelingen von GIDA anzusehen war, und der Vorstandsvorsitzende der Benecke-Stiftung Lothar Theodor Lemper erläuterten vor den Teilnehmern und Gästen der Auftaktveranstaltung Sinn und Zweck des Vorhabens. Über Integration werde von vielen Politikern geredet. Hier aber nehme ein praxisnahes konkretes Projekt Gestalt an. Die schon recht gut Deutsch sprechenden Teilnehmer aus Afghanistan Aref Nayemi, Ali Jahid Hosseini und Zahra Ghulani konnten aus eigenem Erleben in der Bildungsstätte darüber berichten.

Mit dem Projekt sollen Geflüchtete sowie benachteiligte junge Leute aus Deutschland und Europa ohne abgeschlossene Erstausbildung gemeinsam auf eine Lehrzeit im Handwerk vorbereitet werden. Dabei erhalten sie in Vollzeit individuell sprachliche, allgemeinbildende und fachbezogene Kenntnisse und Fertigkeiten für ihre berufliche Zukunft. Ziel ist es, sie bereits im September dieses Jahres in eine Ausbildung zu bringen.

Insgesamt 37 junge Frauen und Männer, unter anderem aus Syrien, Eritrea und Afghanistan, nehmen derzeit an dem Projekt in den drei Bildungsstätten teil, zehn davon in Aga. Nach einer Kompetenzfeststellung und einem fünfwöchigen Praxistest in verschiedenen Berufsfeldern haben die Teilnehmer zu Beginn entsprechend ihren Neigungen und Fähigkeiten die gezielte praktische Ausbildungsvorbereitung begonnen, so in den Bereichen Holz, Elektro, Friseur und Kosmetik sowie Kfz-Technik. Das Besondere dabei ist, dass sie während dieser Praxisphase direkten Kontakt haben zu den Auszubildenden, die in den Bildungsstätten ihre überbetriebliche Ausbildung absolvieren als auch mit Schülern, die im Rahmen ihrer Berufsorientierung die Bildungsstätten besuchen.

Die Geraer Handwerkskammer gehörte bereits vor anderthalb Jahren bundesweit zu den ersten Kammern, die sich des Themas Integration von Flüchtlingen annahmen. So konnten bisher in unterschiedlichen Projekten rund 270 Teilnehmer durch Sprachkurse, Praktika sowie praktische und theoeretische Wissensvermittlung in den Bildungsstätten die ersten Schritte zu Beschäftigung und Ausbildung im Handwerk gehen.

Dass diese Arbeit Erfolg zeigt, dokumentieren diese Zahlen: 59 Flüchtlinge wurden für Praktika in Handwerksbetriebe vermittelt. Sechs Projektteilnehmer haben eine Ausbildung begonnen oder eine reguläre Arbeit aufgenommen. Hinzu kommen 62 Vermittlungen für Hospitationen in Unternehmen sowie 24 Vermittlungen zu anderen Projektträgern.

Doch das alles wäre nicht ohne die Bereitschaft vieler hiesiger Handwerksunternehmen möglich, bedankt sich Klaus Nützel. So gibt es laut einer Umfrage der Kammer derzeit 482 Handwerksbetriebe, die sich diesbezüglich engagieren wollen. „Zugleich wissen wir, dass die Deckung des dringend benötigten Fachkräftebedarfs (derzeit mehr als 1.000 offene Stellen) allein über Flüchtlinge nicht gelingen wird. Das ist noch ein weiter Weg“, unterstreicht der Kammerpräsident. Dennoch sei es eine Möglichkeit, zum Erfolg der Integration durch Beschäftigung und Ausbildung beizutragen.

( Harald Baumann, 15.04.2017 )

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