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Kriegerdenkmal Untermhaus

Bis zum Totensonntag 1919 fanden in der Untermhäuser Kirche dreizehn einzelne Gedächtnisfeiern für die im 1. Weltkrieg gefallenen Einwohner der Gemeinde Untermhaus statt. Schon sehr zeitig gab es den Gedanken, ein eigenes Ehrenmal für die Gefallenen zu schaffen. Dies erwies sich in der Folgezeit jedoch als schwieriges Unternehmen. Jahrelang schwelte ein Streit um dieses Projekt. 1919 wurde die Gemeinde Untermhaus nach Gera eingemeindet. 1922 beschloss der Ortsausschuss für die Errichtung des Ehrenmales die Bildhauer Otto Oettel (Gera), Richard Wagner (Berlin, geborener Geraer) und den Architekt Werner Buschendorf (Gera) erneut mit Entwürfen für ein geeignetes Ehrenmal zu beauftragen. Letztlich wurde der zweite Entwurf des Geraer Bildhauers Otto Oettel befürwortet. Allerdings kam es oft zu heftigen Auseinandersetzungen, da teilweise die Meinung vertreten wurde, der Entwurf von Oettel sei begünstigt worden. Auch die Geraer Bildhauerin Lisa Simcik-Kroemer meldete sich zu Wort und erklärte, dass sie sich nicht an dem Wettbewerb beteiligt hat, da sie ihrerseits das Preisrichterkollegium ablehnen musste.

Nach all den Querelen war es dann am 8. Juli 1923 soweit, das Denkmal konnte endlich eingeweiht werden. Der Sockel und die Einfassung bestanden aus Jenaer Muschelkalk, die Skulptur und die Platten aus Lichtenfelser Marmor. Die auf dem Sockel ruhende Figur stellte eine trauernde Mutter dar, mit einer Hand den Stahlhelm ihres gefallenen Sohnes berührend, drückt sie mit der anderen Hand ihr jüngstes Kind an ihr Herz. Die Gesichtszüge sind vom Gram gezeichnet, doch nicht hoffnungslos. In stolzer Trauer blickt sie zuversichtlich nach Osten, von wo das Licht kommt: Mutter Germania zeigt ihren Kindern den Weg in die Zukunft. So ist es in der „Geraer Zeitung“ vom 10. Juli 1923 beschrieben. An der Vorderseite des Sockels stand die Inschrift: „Unseren Helden – das dankbare Untermhaus“, die Rückseite zierte das Untermhäuser Wappen. An den beiden Seiten des Sockels waren die Namen der 287 gefallenen Untermhäuser Helden verewigt. Zur Einweihungsfeier erschienen Angehörige der toten Helden, Vertreter der öffentlichen Körperschaften, der Untermhäuser Vereine mit Fahnenabordnungen und Abordnungen der Geraer Regimenter. Fürst Heinrich XXVII. war verhindert und schickte als Vertreter den Kammerherrn Freiherr von Lützow. Das Hornquartett der Reußischen Kapelle eröffnete die Feier und nach einem Gesangsvortrag „Das treue deutsche Herz“ des Untermhäuser Gesangvereins „Orpheus“ nahm Fabrikant E. Teichmann die Enthüllung des Denkmals vor. Oberkirchenrat Auerbach hielt die Weiherede. Es folgten weitere Gesänge und Reden über das deutsche Vaterland. Anschließend legten Frhr. von Lützow im Auftrag des Fürsten und Vertreter der Vereine sowie Bürger der Stadt Kränze und Blumen am Ehrenmal nieder. Am Schluss der Veranstaltung übernahm Oberbürgermeister Dr. Herrfurth das Denkmal in die Verantwortung der Stadt Gera. Die Zeitung vermeldet weiter, dass es am Rand der Veranstaltung Störungen durch „gewisse Kreise“ gegeben hat. Obwohl es im Vorfeld Absprachen mit den kommunistischen Führern gegeben habe, „drängte eine ganze Horde Kommunisten, die durch Kleidung und Gebaren sichtlich ihre politische Gesinnung offenbarten, an das Denkmal heran und versuchten durch Dazwischenreden die feierliche Stimmung zu stören“. Aufgrund eines angemessenen Polizeiaufgebotes sahen die Kommunisten von weiteren Störungen ab. Der Untermhäuser Denkmalausschuss, an der Spitze Hofdekorateur May, erhielt viele Spenden. Zum Schluss vermerkt die Zeitung, dass es trotz aller Opferwilligkeit weitester Kreise infolge der großen Geldentwertung nicht möglich war, die entstandenen Unkosten zu decken. Die Sammlung von Geldern wird deshalb fortgesetzt. Ob diese erfolgreich war, ist nicht bekannt. In den 1960er Jahren erfolgte der Abriss des Denkmals.

Otto Oettel wurde am 8. Juni 1878 in Bürgel geboren. Von 1903 bis 1907 studierte er an der Akademie für Bildende Künste in München und in Carara, der Stadt des weißen Marmors. Er verstarb am 10. Januar 1961 in Greiz. Oettel war Träger der weimarischen und bayrischen Staatsmedaille für Kunst und Wissenschaft. Von Otto Oettel wurden in Gera u.a. die Figur des De Smit (1928), beide Portale am neueren Teil des Rathauses (Badertor, Innen- und Außenseite) sowie der Trinkbrunnen in Langenberg mit der Darstellung des Zwergenkönigs Coryllis, geschaffen. Er wirkte an der Erschaffung des OdF-Denkmals, den Reliefs am „Hotel Viktoria“ (Bahnhofstraße, Dresdner Bank), den Schmuckelementen am Rathaus und den Reliefs an der Handwerkskammer in der Handwerksstraße mit.

Hinweise und Meinungen an gera-skulpturen@gmx.de

Manfred Taubert,

Plastiken und Skulpturen in Gera

( Neues Gera, 08.04.2017 )

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