Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Für sein Lebenswerk ausgezeichnet

Dieser Tage führte mich mein Terminkalender erneut in die Maler-Reinhold-Straße. Im Sommer war ich das letzte Mal hier, damals wie heute stieg mir sofort der Duft frischer Brötchen in die Nase. Ich frage mich, wie die Anreiner hier wohnen können ohne diesem leckeren Geruch stets und ständig zu verfallen. Ich habe bei frischem Brot, am besten noch dick geschnitten mit krosser Kante, immer sofort Appetit.

Ja, wohl dem. Mein Anlass galt natürlich nicht dem Gebäck allein, sondern jenen, die es täglich für uns backen. Allen voran: Wolfgang Laudenbach. Ein wahres Urgestein des Backhandwerks. War er doch 24 Jahre lang in zahlreichen Gremien und Organisationen Vorsitzender und Mitglied. „Vor zwei Jahren habe ich den Staffelstab abgegeben. Es war an der Zeit. Junge Leute sollten die Arbeit fortführen und anders machen”, so der passionierte Bäckermeister.

Wolfgang Laudenbach war 24 Jahre lang Mitglied in der Meisterprüfungskommission, sowie Gesellenprüfungskommission, organisierte den Landesleistungsvergleich der Jugend in Erfurt, war Vorsitzender des Ausschusses für Lebensmittelrecht im Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e.V., Obermeister der Bäckerinnung und Landesinnungsmeister, zudem nicht zu vergessen natürlich auch Geschäftsmann seines eigenen Betriebes. Für dieses Vierteljahrhundert wurde er jüngst von Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow mit dem Verdienstorden für praktisches und politisches Engagement für das einheimische Bäckerhandwerk ausgezeichnet. „Wolfgang Laudenbach gehört zu den Menschen in Thüringen, die persönliche Interessen zurückstellen, um sich für das Gemeinwohl zu engagieren. Er versteht seine eigenen Gaben als Aufgabe und sieht im eigenen Vermögen – dem geistigen wie dem materiellen – eine Verpflichtung. Was er in und für Thüringen erreicht, dafür empfinde ich großen Respekt.“

Es ist Wolfgang Laudenbach wichtig, jungen Menschen in Ostthüringen eine Lebensperspektive zu eröffnen. Sein Betrieb bildet seit vielen Jahrzehnten aus und gibt auf diese Weise zugleich die uralten handwerklichen Traditionen an die nächste Generation weiter. „Seit 1992 haben wir über 50 Lehrlinge ausgebildet, die meisten von ihnen konnten wir übernehmen. Fünf Lehrlinge, die 1992 bei uns angefangen haben, sind heute noch da und u.a. Backstubenmeister und Leiterin der Konditorei”, zeigt er sich zufrieden mit der eigenen Entwicklung und zugleich unzufrieden mit der generellen: „Früher konnten wir allein in Gera drei Klassen mit Lehrlingen füllen, heute gerade mal eine mit neun Gesellen.” Insgesamt drei Einrichtungen thüringenweit bieten diese Berufsrichtung an.

Auch wenn er seine Ämter niedergelegt hat, sorgt er sich noch im Familienbetrieb um den Nachwuchs. „Es war gleich nach der Wende mein Anliegen den Beruf hochzuhalten und stets Nachwuchs für selbigen zu gewinnen.”

Er weiß, dass das wichtigste Credo dieses Berufs – eines jeden Handwerksberufes – Zeit und eben die Fähigkeit ist. „Wir brauchen keine Backmittel, wie die Industrie. Wir brauchen nur Zeit. Zeit, die immer knapper wird. Indes sie unser Geheimnis für leckere Brötchen ist. Wir nutzen die Zeit, in der Teig und Gebäckstück reifen können. Denn erst während des Reifeprozesses – mitunter bis zu 24 Stunden – entwickelt sich der Geschmack”, erklärt der Fachmann.

Hmm, ähnlich wie bei Käse und Wein.

Und so gibt der Profi auch gleich den Hausfrauentipp (gegendert: Hausmannstipp) mit auf den Weg: „Ein gutes Brötchen sieht, hört und riecht man.”

„Ein weiteres Beispiel für das herausragende ehrenamtliche Engagement von Wolfgang Laudenbach ist sein selbstloser Einsatz beim schweren Hochwasser vor drei Jahren. Er und seine Mitarbeiter sicherten die Versorgung einer überfluteten Siedlung. Über mehrere Tage stellte er kostenlose Speisen und Getränke zur Verfügung und sorgte so dafür, dass die Flutopfer in Momenten der größten Krise auch Zeichen aufrichtiger Anteilnahme und Menschlichkeit erlebten”, heißt es weiter in der Laudatio aus Erfurt.

Gemeinsam mit elf Gästen, Familie, Freunde und Mitarbeitern, nahm er an der Auszeichnungsveranstaltung in der Staatskanzlei teil. „Ich danke vor allem meiner Frau, die mir all die Jahre den Rücken freigehalten hat, damit ich meine ehrenamtlichen Aufgaben erfüllen kann. Meinen Söhnen und den Bäckern und Konditoren, die zum Erfolg unseres Unternehmens maßgeblich beigetragen haben.”

Wer Wolfgang Laudenbach kennt, der weiß, dass er trotz alledem noch Zeit für seine Hobbys fand. So ist er seit Jahren im Schützenverein Aga und im Vogelzuchtverein Eisenberg Mitglied. Vor 20 Jahren entdeckte er seine Leidenschaft am australischen Prachtfinken, den er seitdem züchtet und letztes Jahr sogar den Titel „bester Vogel” mit nach Hause nahm.

Übrigens, wer es sich schon einmal vormerken möchte: Am Sonnabend, 19. November, wird wieder zum Tag der offenen Weihnachtsbackstube geladen. Von 9 bis 20 Uhr sind die Türen im Stammhaus, Maler-Reinhold-Straße 7, geöffnet. 

( Fanny Zölsmann, 12.11.2016 )

zurück