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Der junge Held

„... der junge Held war eine Mücke/Hört meines Helden Taten an“ – so heißt es in einer Fabel von Gotthold Ephrahim Lessing. Fußend auf den Traditionen antiker Fabeldichter wie Äsop und Phaedrus, schärfte Lessing seine Pfeile gegen die Torheiten und Laster seiner Zeit, ja selbst gegen den friderizianischen Despotismus. Gerade letzteres erforderte viel Mut. Gekleidet in die Tierfabel, vermochte die Zensur jedoch wenig gegen diese dichterische Konterbande auszurichten; das Publikum verstand die Anspielungen mit stillem Schmunzeln oder schallendem Gelächter. In der alten Fabel von der Wasserschlange gibt der allmächtige Zeus den Fröschen einen anderen König: statt eines friedlichen Klotzes eine Wasserschlange. Die Frösche empören sich, weil die Schlange sie nacheinander verschlingt. Einer begehrt auf und wird erst recht gefressen, weil er um das Kommen des Reptils nicht gebeten hat. Gemeint ist der absolute Herrscher, den das Wohl und Wehe seiner Landeskinder nicht interessiert. Ihm ist nur an seinem Vorteil gelegen. Lessing nimmt auch spießige, kleinbürgerliche Verhaltensweisen aufs Korn – eine köstliche Lektüre, mitunter von verblüffender Aktualität.

Das bürgerliche Lustspiel fristete indes nur ein Schattendasein. „Unsere Lustspiele bestanden in Verkleidungen und Zaubereien; und Prügeleien waren die witzigsten Einfälle derselben“, schrieb der große Dichter in seinen „Briefen, die neueste Literatur betreffend“. Aus französischen Komödien, wie sie bis ins 19. Jahrhundert hinein vorherrschend waren, ragen nur zwei von jenem Genre zu unterscheidende „deutsche Lustspiele“ heraus, die auch heute noch gespielt werden: Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“ und Lessings „Minna von Barnhelm oder Das Soldatenglück“. Es entstand vor dem Hintergrund des Siebenjährigen Krieges und ist eine leidenschaftliche Absage an preußischem Despotismus und seiner Kriegsverherrlichung. Tellheim, einer der Hauptfiguren, sind die „Großen sehr entbehrlich“; er handelt für die „Großen aus Neigung wenig, aus Pflicht nicht viel mehr, sondern alles der eigenen Ehre wegen“. Zugleich ahnt er, wie fragwürdig es ist, „Soldat zu sein um des Soldatentums willen“.

Bernd Kemter von der Geraer Goethe-Gesellschaft stellt am Mittwoch, 9. November, 19 Uhr, in der Buchhandlung Schmitt, Szenen aus diesem Drama sowie einige Fabeln vor, beleuchtet ebenso kurz Leben und Werk dieses bedeutenden Dichters. Anmeldung: ( 8005974.

( NG, 05.11.2016 )

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