Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Tschador, Burka oder Kopftuch?

Die TV-Talk Sendereihe des Thüringer Landesmedienzentrums Gera (TMBZ) „Töten im Namen Gottes“ geht am Donnerstag, 3. November, in die vierte Runde. Eine Arbeitsgruppe aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen beschäftigt sich seit über einem Jahr damit, allseits interessierende Themen über den Islam durch das Medium Fernsehen in die Öffentlichkeit zu bringen. Die aktuelle Sendung steht unter den Titel: „Schleierfreiheit – Schleierhaft? – Geschlechterrollen im Islam“. Wie bei den vorigen Veranstaltungen werden Experten über dieses Thema unterschiedliche Herangehensweisen und Meinungen diskutieren. Im Anschluss erhalten die Besucher der öffentlichen Diskussionsrunde die Möglichkeit mit den Gästen ins Gespräch zu kommen, Fragen und Statements loszuwerden.

„Die Geschlechtsrollen im Islam, ob gesellschaftlich rituell oder wie es konkret im Koran beschrieben steht, gehen weit auseinander“, weiß Ute Reinhöfer, Leiterin des TMBZ. „Selbst in der gleichen Quelle, dem Koran, gibt es unterschiedliche Aussagen. Zum einem heißt es, die Frau sei dem Mann Untertan, an anderen Stellen werden die Geschlechter als durchaus gleichberechtigt und mit ähnlichen Pflichten beschrieben. Insbesondere möchten auch wir, die Medienveranstalter aus der Diskussion erfahren, wie man mit Kopftuch und Ganzkörperverhüllung umgehen kann. Wir möchten fragen, wie weit muss oder kann eine Anpassung gehen und was muss eine säkulare oder christlich geprägte Gesellschaft aushalten können.“

„Ziel ist es“, ergänzt Pfarrer Michael Kleim, „in der Sendereihe die für uns fremde Welt des Islam verständlicher, bekannter, anschaulicher und präsenter zu machen, aber auch kritisch zu hinterfragen. Spannungen und Konflikte gilt es zu benennen und zu beurteilen, wie man mit ihnen umgeht, damit es trotzdem kommunikativ bleibt.“

Dabei zielt der Blick der Veranstalter auch auf die Bürger unserer Stadt. Wie können, wie wollen wir hier zusammenleben? Welche unmittelbaren Probleme stehen an und wie lassen sich diese lösen?

Die Experten können Anregungen geben. Seyran Ates ist in der Türkei geboren, lebt in Berlin und kämpft als Autorin und Frauenrechtlerin gegen das Kopftuch, gegen Zwangsheirat und Ehrenmorde. Khola Maryam Hübsch ist Mitglied der Ahmadiyya Gemeinde in Deutschland, freie Journalistin und gilt heute als das Gesicht der muslimischen Frauen Deutschlands. Prof. Dr. phil. Wolfgang Frindte ist Kommunikationswissenschaftler an der Uni Jena und untersucht seit 2009 die Lebensumstände junger Muslime in Deutschland. Moderiert wird der Fernseh-Talk von Ramon Seliger. Der Theologe hat in Gera die Anfänge der interreligiösen Dialoge kennengelernt und arbeitet jetzt an der Uni Jena.

Eingeladen wird diesmal in das Gemeindehaus Talstraße 30 der Evangelisch-Lutherischen Stadtkirchengemeinde Gera. Zu Beginn um 18 Uhr erwartet die Gäste ein musikalischer Einstieg mit der Gruppe Yalla Deluxe. Deutsche und syrische Musiker verbinden orientalische und osteuropäische musikalische Traditionen mit der europäischen Klassik und spannen mit ihren Liedern den Bogen vom Orient zum Okzident. Umrahmt wird das Ganze von Fotos, die Menschen auf der Flucht zeigen, aufgenommen von dem Moskauer Fotograf Roman Mordashev. Die Veranstaltung ist kostenfrei und wird gefördert im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“.

Verschleierung, ja oder nein?

Maha, Mutter aus Syrien: Das ist eine freie persönliche Entscheidung, die Frauen sind frei die Art der Verschleierung zu wählen, In Deutschland ist die Ganzkörperverschleierung nicht gut, die Leute denken schlecht darüber, daher wäre es nicht gut.

Maria Goldgruber: Ich persönlich finde es wichtig, dass man das Gesicht sieht. Ansonsten bin ich offen und tolerant. Ich finde die Kopftücher richtig chic. Das gehört auch ein bisschen zur Mode. Viele muslimische Frauen sind sehr modebewusst, das finde ich gut.

Katrin Höhn-Henschelmann: Verschleierung stört mich überhaupt nicht. Da bin ich tolerant. Sobald aber das Gesicht verdeckt ist, macht es mir Angst, Ich brauche das Gesicht, ich brauche die Mimik, da ich viel nonverbal kommuniziere. Ich toleriere die Vollverschleierung als Ausdruck der Kultur.

Jens Höhler: Ich denke, das soll jede muslimische Familie selbst überlassen werden, was die Frau für eine Verschleierung trägt. Das liegt auch in der religiösen Tradition der Eltern der Ehepartner. Ich habe aus meinen persönlichen Erfahrungen noch nie erlebt, dass die Frauen gezwungen wurden, sich zu verschleiern, bei Türken, Afghanen und Syriern. Ich sehe keinen Grund, warum die nach Deutschland gekommenen Muslime ihre Kultur komplett aufgeben sollten. Im Rahmen der Glaubensfreiheit hat jede Religion ihre eigenen Kultur- und Wertevorstellungen. 

( Wolfgang Hesse, 29.10.2016 )

zurück