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„Richard Haberlandt und der Geraer Künstlerkreis“: Malerei, Zeichnung, Grafik

Die Kunstsammlung Gera präsentiert in den Räumen des Museums für Angewandte Kunst bis zum 22. Januar 2017 eine neue Sonderausstellung unter dem Titel „Richard Haberlandt und der Geraer Künstlerkreis“. Der heute fast vergessene Künstler Richard Haberlandt verbrachte wichtige Jahre seines Lebens in Gera. 1890 in Graz geboren absolvierte er an der dortigen steiermärkischen Landeskunstschule sein Studium, welches er ab 1910 in Berlin an der Königlichen Kunstschule fortsetzte. Mit seinem Abschluss erwarb er die Lehrbefugnis als Zeichenlehrer für Gymnasien. Die darauffolgende dreieinhalbjährige Militärzeit beendete vorerst alle beruflichen Pläne. Er war sowohl an der Ostfront in Polen als auch an der Westfront in Frankreich eingesetzt und nahm unter anderem an der Schlacht von Verdun teil. Er überlebte mehrere Gasangriffe und war drei Tage lang verschüttet.

Schwertraumatisiert kehrt er 1918 aus dem Krieg zurück. Unmittelbar nach seiner Entlassung bemühte sich Haberlandt um eine Zeichenlehrerstelle. Seine Bewerbung am Realgymnasium Gera (heute Zabelgymnasium) hatte Erfolg und er trat die Stelle am 24. April 1919 an. Für Richard Haberlandts künstlerische Entwicklung beginnt eine fruchtbare Zeit. Schnell knüpft er Kontakt zu ortsansässigen Künstlern und nimmt regen Anteil an den Aktivitäten des Geraer Kunstvereins sowie des Künstlerbundes Ostthüringen. Er verfasst zahlreiche Zeitungsrezensionen für Ausstellungen und beteiligt sich an insgesamt vier Präsentationen des Kunstvereins zusammen mit Alfred Ahner, Hermann Paschold, Alexander Wolfgang und Johanna Maria Schwenker. Vor allem mit Kurt Günther verbindet ihn eine besondere Künstlerfreundschaft. Hingegen ist eine Bekanntschaft mit Otto Dix nicht nachweisbar.

Ein wichtiger Fokus der Ausstellung liegt auf der kurzen Zwischenkriegsepoche. Trotz seiner psychischen Erkrankung ist für Haberlandt der Aufenthalt in Gera wohl die produktivste und fruchtbarste Phase seines Lebens. Neben den Themen Landschaft, Porträt und Stillleben spielt im Oeuvre von Richard Haberlandt das Selbstbildnis eine besondere Rolle - in großer Anzahl entstanden, sind es Konfrontationen mit seinen seelischen Befindlichkeiten, die der schwertraumatisierte Kriegsheimkehrer fortwährend zu bewältigen versuchte. Sein markantes von Schwermut geprägtes Konterfei war für Alfred Ahner und Kurt Günther sogar mehrfach Bildgegenstand.

Die bislang umfangreichste Exposition des Künstlers in Gera zeigt über hundert Werke aus den Bereichen Malerei, Zeichnung und Grafik. Die frühesten Arbeiten sind in das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zu datieren und zeigen einen impressiven, akademischen Stil des jungen Künstlers. Die während des Ersten Weltkrieges entstandenen Skizzenbücher sind bedauerlicherweise nicht verfügbar. Haberlandt beginnt die erneute Auseinandersetzung mit dem Thema erst wieder in den 1920er Jahren und dann auch singulär. Zwei großformatige Arbeiten nehmen das Thema noch einmal auf. Das Gemälde „Es ist vollbracht“ (1921) konnte als Leihgabe nach Gera geholt werden. In symbolistisch-expressiver Malweise stellt der Künstler eine Kreuzigungsszene dar, in der Verlust und Tod in visionärer Aura erscheinen. In dem heute verschollenen Werk „Die unbekannten Opfer“ (um 1930) widerspiegelt sich in besonderer Dramatik und mit der Genauigkeit des Zeichenstils der Neuen Sachlichkeit das Grauen des Erlebten. Mit großer Sicherheit kannte Haberlandt zu diesem Zeitpunkt bereits die Werke des bedeutenden Künstlersohns der Stadt Gera Otto Dix und ließ sich von der 1924 von Dix geschaffenen Radierfolge „Der Krieg“ anregen. Im Gegensatz zu Dix, der in aller Schärfe das Ereignis protokolliert, wendet sich Haberlandt dem Resultat - dem Tod zu. Während der Jahre in Gera entsteht eine Vielzahl an Porträts seiner Schüler am hiesigen Realgymnasium. Die humorvoll-ironischen Zeichnungen, meist in Bleistift oder Kohle ausgeführt, sind Charakterstudien, die durch genaue Beobachtungsgabe das markant Individuelle festhalten. In spontanen Haltungsstudien wiedergegeben, zeigen sie die Eleven in ihrem hin und wieder recht ermüdenden Schulalltag.

Prägend für Haberlandt in dieser Zeit war sicherlich die Freundschaft zu Kurt Günther, der ihn mehrfach porträtierte. Eines der wichtigsten Bildnisse entstand am Ende der Geraer Zeit 1937 im Atelier von Günther in Kaltenborn. Das Porträt gibt tiefen Einblick in die aufgewühlte Seelenlandschaft des schwer angeschlagenen Künstlers. Die Jahre in Gera waren für Richard Haberlandt nach den bedrückenden Kriegserlebnissen Aufbruch und Neubeginn und wurden zu einer wichtigen Station im Leben des Malers. Seine künstlerische Entwicklung erhielt hier wichtige Impulse und tendierte zum Stil der Neuen Sachlichkeit.

Die Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst widmet sich ebenso der Zeit des Künstlers in Bad Urach. Ab 1937 ist Richard Haberlandt im baden-württembergischen Luftkurort ansässig. Hier entstehen vorwiegend Stillleben, Stadt- und Landschaftsbilder der neuen Heimat, die gleichzeitig als innere Schau visionär aufgeladen sind.

Ein Teil des Werkes von Richard Haberlandt ist bis heute verschollen oder der Verbleib noch ungeklärt, nur durch die Unterstützung vieler privater Leihgeber sowie dem Stadtmuseum Bad Urach wurde diese Ausstellung erst möglich.

Besonders danken möchte die Kunstsammlung Gera Prof. Dr. Karlheinz Haberlandt, der wesentlich zum Gelingen des Ausstellungsprojektes beigetragen hat.

Veranstaltungen

Besucherführungen: Sonntag, 13. November; Sonntag, 18. Dezember; Sonntag, 22. Januar, jeweils 14 Uhr.

Begegnung Kunst: Dienstag, 15. November, 14 Uhr; Dienstag, 20. Dezember, 14 Uhr.

Tea-Time mit Kunst: Dienstag, 8. November, 16 Uhr; Dienstag, 13. Dezember, 16 Uhr; Dienstag, 10. Januar, 16 Uhr.

( Gera (gw), 29.10.2016 )

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