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„Der heiße Monat” –Zwischen Himmel und Hölle

Ab Montag werden sie 30 Tage lang so lange die Sonne scheint nichts essen, nichts trinken, nicht rauchen, keinen Sex haben. „Erst wenn die Nacht angebrochen ist und bevor der Tag beginnt, ist es uns erlaubt zu essen”, erklärt Hussein al Assaad. Nach dem islamischen Glauben begehen die Moslems einmal im Jahr für einen Monat Ramadan. Jährlich verschiebt sich dieser Zeitraum, da sich der islamische Kalender nach dem Mond richtet. Das muslimische Jahr ist elf Tage kürzer als das Sonnenjahr. Der Beginn eines Mondmonats ist der Neumond. Der Fastenmonat Ramadan findet im neunten Monat statt. Kurz gesagt: Jedes Jahr ist Ramadan zehn Tage früher. Vom 6. Juni bis 5. Juli werden die Muslime in Deutschland fasten. 

Sie werden frühestens halb Zehn am Abend und spätestens halb Vier am Morgen essen und trinken. Traditionell wird das tägliche Fasten mit einem gemeinschaftlichen Mahl am Abend, namens Iftar, gebrochen. „Es ist euch erlaubt, euch in der Nacht des Fastens euren Frauen zu nähern; sie sind Geborgenheit für euch und ihr seid Geborgenheit für sie. Allah weiß, daß ihr gegen euch selbst trügerisch gehandelt habt, und Er wandte euch Seine Gnade wieder zu und vergab euch. Und esset und trinkt, bis der weiße Faden von dem schwarzen Faden der Morgendämmerung für euch erkennbar wird. Danach vollendet das Fasten bis zur Nacht. Und pflegt keinen Verkehr mit ihnen, während ihr euch in die Moscheen zurückgezogen habt. Dies sind die Schranken Allahs, so kommt ihnen nicht nahe! So erklärt Allah den Menschen Seine Zeichen.” (Koran, Sura al-Baqara (2), Verse 183-187).

Ausgenommen beim Fasten sind Kinder, Schwangere, ältere Menschen, Reisende, Kranke und alle Frauen pausieren aufgrund ihres Zyklus‘ für drei bis fünf Tage. Diese Zeit holen sie im Laufe des Jahres individuell nach. „Es wird ein schwerer Monat für uns, da hier in Deutschland die Sonne erst recht spät untergeht”, erklärt der junge Moslem. Gerade der Juni ist der längste Monat im Jahr. Am 21. Juni, wenn hier in Gera die dritte Fete de la Musique die Gassen zum Beben bringen wird, ist Mitsommernacht – der längste Tag im Jahr. „Es ist eine unserer Hauptpflichten und neben Bekenntnis, Gebet, Almosen und der Pilgerreise die fünfte Säule im Islam”, erklärt er. Nach dem 30tägigen Fasten folgt das dreitägige Ramadanfest (Id Al-Fitr). Es wird allerlei Speisen und Geschenke für die Kinder geben.  Nicht nur für ihn ist Ramadan ein Monat, dessen Anfang Barmherzigkeit, dessen Mitte Vergebung und dessen Ende die Errettung vor dem Höllenfeuer bedeutet. Es ist ein Monat der Besinnung auf sich selbst, um Solidarität mit den Armen zu zeigen und die Beziehung zu Gott (Allah) zu vertiefen. „Genau darum geht es in der Fastenzeit”, bestätigt auch Katholiken Elisabeth Aust. Es sind 40 Tage und 40 Nächte, die es laut Bibel zu Fasten gilt. Beginnend mit dem Aschermittwoch und endend mit dem Karfreitag haben sich die Christen Verzicht auferlegt. „Dieser wird jedoch nicht so streng wie im islamischen Glauben vollzogen”, erklärt Elisabeth Aust und weiter: „Wir verzichten auf eine Sache, sei es zum Beispiel Fleisch, Süßes, Alkohol oder auch übermäßiger Fernsehkonsum u.ä., jeder Gläubige ist mündig und entscheidet selbst, welchen Verzicht oder welche Änderung in seinem Leben er einüben möchte.” „Aschermittwoch und Karfreitag sind gebotene Fast- und Abstinenztage. Die Gläubigen begnügen sich an diesen zwei Tagen mit nur einer vollen Mahlzeit und verzichten auf Fleischgenuss”, steht es in der Bußordnung des Bistums Dresden-Meißen geschrieben. „Dazu sind alle vom vollendeten 18. bis zum Beginn des 60. Lebensjahres verpflichtet”, heißt es weiter. Einen kompletten Verzicht, wie es im Islam die Tradition ist, sieht Gott in der Bibel ab. „Zu oft konzentriert man sich beim Fasten an den Mangel von Essen. Vielmehr sollte der Zweck des Fastens sein, unsere Augen von den weltlichen Dingen abzuwenden und sich stattdessen auf Gott zu konzentrieren. Fasten ist ein Weg, Gott und sich selbst zu demonstrieren, dass wir es ernst mit der Beziehung zu Ihm meinen. Fasten hilft uns, einen neuen Blickwinkel und ein erneuertes Vertrauen in Gott zu erhalten.“ Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ (Mt 4, 1-4).  Die Fastenzeit endet mit dem festlichen Ostergottesdienst am Samstagabend bzw. am Ostersonntag. Es ist das wichtigste Kirchenfest im Jahr: die Auferstehung Christi. 

Übrigens: Laut Bibel sollte jeden Freitag, außer feiertags, gefastet werden. Gleichwohl welcher Religion, die Fastenzeit ist eine Zeit der Besinnung. Eine Zeit, in der wir unsere Beziehung zu unseren Mitmenschen überdenken, unsere Gewohnheiten und Verhaltensweisen verändern können. Vielleicht eine Zeit, in der sich neue Wege ermöglichen. Der Kölner Kardinal Woelki sagte einst: „Ihr (der Flüchtlinge) Schrei nach Gerechtigkeit, Ihr Schrei nach Würde und Frieden ist Gottes Schrei.“

( Fanny Zölsmann, 04.06.2016 )

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