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„Wo wir sind, da ist oben”

Die Gilde der Dachdecker neigt zu Späßen. So behauptet sie von sich: „Wo wir sind, da ist oben”. Und ihre ehrenwerte Tätigkeit, damit wir alle ein Dach übern Kopf haben, bezeichnet sie selbstbewusst als „Handwerk in Wolken und Wind”. Noch heute ist ihr Logo ein Ziegelhammer, ein Schieferhammer und ein die Bauzeichnung symbolisierender Zirkel.

Die ehrbare Zunft der Geraer Dachdecker begeht in diesen Tagen ein geradezu einzigartiges Jubiläum. Die Innung, April 1831 gegründet, kann auf ein 185-jähriges Bestehen zurückblicken! Sie gehört zu den ältesten deutschen Dachdeckerinnungen, wenn sie nicht sogar die älteste ist. Etwa 200 solcher Innungen gibt es im Bundesgebiet, in denen rund 7.500 Betriebe vereint sind. Zur Innung in Gera und dem Umland gehören 23 Betriebe mit über 160 Beschäftigten.

Wie der Innungsobermeister Rolf Heckert und der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Stefan Haase vor der Presse erläuterten, findet auf der Leitungsebene der Innung gerade ein Wechsel statt. 13 Jahre lang führte Rolf Heckert erfolgreich die Geschäfte als Obermeister. Der 69-Jährige bleibt der Innung zum Glück als erfahrener Berater erhalten. Den Staffelstab übernahm der 52-jährige Maik Witzel. Rolf Heckert hat mit seinem Unternehmen Heckert Bedachung in Gera eine bemerkenswerte Spur der (Beton-)Steine hinterlassen. Er erwarb 1984 den Meisterbrief. Die Heckerts haltens überhaupt mit der so wichtigen Meisterausbildung, denn vier Meister entstammen dem traditionsreichen Familienunternehmen. Auch Schwiegersohn Ingo Balster (sogar mit zwei Meisterbriefen), der seit zwei Jahren den Betrieb des Schwiegervaters als Inhaber führt.

Ziegeldächer, Flachdächer, Schieferdächer in bester Qualität bezeugen an vielen Stellen in Gera das handwerkliche Können der Innungsbetriebe, sei es am Christlichen Jugenddorfwerk, bei den Häusern im Reuss-Park und in Lusan, bei Eigenheimsiedlungen, an der Untermhäuser Kirche usw.

Die Innung betrachtet sich als dienstleistender Interessenvertreter. Mitgliedsunternehmen sind „geschulte Betriebe”. Sie erfahren z.B. schnell von der ständigen Aktualisierung des komplizierten deutschen Regelwerks. Ihnen stehen Wege zur Bildung und Weiterbildung offen, nicht zuletzt die Qualifizierung zum Meister. Denn nur ein Meisterbetrieb darf Lehrlinge ausbilden. Über die Kreishandwerkerschaft ist die Teilnahme an Schulungen möglich. Sie hat zum Beispiel 20 bis 25 Vorträge (so zu Steuerfragen) auf dem Programm. Nichtmitgliedsbetrieben fehlt das aktuelle Wissen.

Die Dachdeckergilde ist nicht auf Rosen gebettet. Die klamme öffentliche Hand vergibt kaum Aufträge. Auch die Industrie hält sich zurück. Es dominieren private Aufträge. Ein bedenkliches Problem ist die Nachwuchsgewinnung. Dachdecken ist noch immer anstrengende Handarbeit, und sie wird es bleiben. Maschinelles Dachdecken gibt es nicht. Jedes Dach ist ein Unikat, Haltbarkeitsgarantie 50 bis 60 Jahre.

Interessiert sich ein Jugendlicher für den Job, erhält er in dreijähriger Lehrzeit eine fundierte Ausbildung. Dabei steht in Lehesten auch die älteste deutsche Dachdeckerschule zur Verfügung. Leider erweisen sich viele Schulabgänger als wenig geeignet. Dabei ist das Dachdecken ein Beruf mit Zukunft, denn das Leistungsangebot ist breiter geworden, so mit Maßnahmen der Wärmedämmung, mit der Installation von Solartechnik und Photovoltaik.

Der neue Obermeister der Innung wird sich über mangelnde Aufgaben nicht beklagen können. Dackdeckermeister Maik Witzel ist seit 22 Jahren selbstständiger Handwerker und öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger des Dachdeckerhandwerks. Also, auf zum Start in die nächsten 185 Jahre!

( Harald Baumann, 09.04.2016 )

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