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Stühlerücken geht weiter

Wie kam es zu diesem Wechsel?

Die Zusammenarbeit mit den Grünen lief pragmatisch, aber ich war insbesondere von unserer Fraktionsgeschäftsführung immer wieder enttäuscht. Inhaltlich kam hier viel zu wenig an fachlicher Zuarbeit. Wirklich entsetzt war ich, als ich im November im Stadtrat damit konfrontiert wurde, dass der gesamte rot-rot-grüne-„Block“ die Stadtratssitzung verlassen sollte. Da ich an diesem Tage alleine für die grüne Fraktion anwesend war, blieb ich alleine auf meinem Platz sitzen, dies löste Gefühle zwischen Peinlichkeit und Demütigung aus. Dennoch versuchten mehrere Stadtratsmitglieder mich dazu zu überreden, bei diesem „Schwachsinn“ mit zu machen. Diesen Politikstil lehne ich eindeutig ab. Solche „Spielchen“ gehören in den Kindergarten, aber nicht ins Rathaus. In der Folge war eigentlich klar, dass es für mich keine Zukunft bei den Bündnis-Grünen geben wird.

Gleich nach der Wahl wechselten Sie von der SPD zu den Grünen. Damals die Entscheidung aufgrund persönlicher Unstimmigkeiten unter den gewählten Mitgliedern. Jetzt dieser erneute Wechsel. Warum?

Ich wurde als Person zum dritten Mal in den Stadtrat gewählt. Auch vor zwölf Jahren war ich parteilos auf der Liste der Sozialdemokraten. Ich sehe in der neuen Allianz eine Chance wieder aktiver Kommunalpolitik zu gestalten, als mir dies im Moment in der Grünen-Fraktion möglich ist. Ich sehe in der Allianz die Möglichkeit verhärtetes „Lager“- bzw. „Block“-denken zu überwinden und eine an der Sache orientierte Politik umzusetzen. Ich will nicht die nächsten dreieinhalb Jahre still in der letzten Reihe sitzen und den Mund halten. Wenn dies alles positiv verläuft, kann ich mir sogar vorstellen im Jahr 2019 für eine weitere Legislatur als Mitglied des Stadtrates anzutreten. Aber es muss irgendeinen Sinn ergeben, ansonsten ist die investierte Freizeit einfach vergeudet. Schließlich habe ich auch noch einen anspruchsvollen Job als Professor für Gesundheits- und Sozialmanagement auszuführen.

Was erhoffen Sie sich nun mit einem Sitz bei der Liberalen Allianz?

Wir haben bereits jetzt erreicht, dass CDU und LINKE keine eigene Mehrheit mehr im Geraer Stadtrat haben. Dies ist wichtig für den demokratischen Meinungsbildungsprozess. Damit werden festgefahrene Machtstrukturen zumindest angetastet. Mir ist es ein Rätsel, warum weder der Fraktionsvorsitzende noch der Kreisvorsitzende aus der Tatsache persönliche Konsequenzen gezogen haben, dass der CDU ein Drittel der Fraktion abhandengekommen ist. Man wird in jedem Fall mehr miteinander kommunizieren müssen.

Was wollen Sie persönlich für Gera erreichen?

Ich persönlich habe mich im Stadtrat immer wieder in verschiedenen Positionen (z.B. Stellv. Stadtratsvorsitzender) und Funktionen (u.a. Vorsitz des Bildungsausschuss und Vorstandsvorsitz der Heimbetriebsgesellschaft) für das Wohl unserer Bürger eingesetzt. Insbesondere die Arbeit für die Heimbetriebsgesellschaft war mir eine Herzensangelegenheit. Ich bin gerne bereit meine Kompetenzen wiederum dort einzubringen, wo ich gebraucht werde. Ich bin selbstbewusst zu sagen, dass mein Potential bisher nicht wirklich hinreichend genutzt wurde. Gera ist meine Wahlheimat und ich will dazu beitragen, dass diese Stadt lebenswert bleibt.

Glauben Sie der Bürger kann dem Stadtrat noch vertrauen, wenn so viele Stühle gerückt werden?

Selbstverständlich! Ich glaube sogar, dass man diesen Stadträten mehr Glauben schenken darf, als zuvor. Die Mitglieder der Allianz sind ja zum Teil frustriert aus den alten Fraktionszwängen ausgebrochen. Das finde ich zunächst einmal mutig und sehr ehrlich. Hier will sich niemand persönlich bereichern oder profitieren. Über die Gremienverteilung haben wir noch gar nicht gesprochen. Ich selbst habe gar keinen so großen Schritt getan: ich setze gewissermaßen die Gremiengemeinschaft mit der AfG unter verbesserten Vorzeichen fort. Die Bürger, welche mich in den Stadtrat gewählt haben, sind über diesen Schritt sicherlich eher erfreut, als enttäuscht. Ich bin ja im ständigen Gespräch mit den Menschen, insbesondere in Hain-Wachholderbaum bzw. in unserem Feuerwehrverein. Diese Entscheidung ist doch auch in diesen vielen Gesprächen mit Menschen in den letzten Monaten gewachsen und keineswegs „aus einer Laune heraus“  spontan getroffen worden.

Interview: Fanny Zölsmann 

( Neues Gera, 13.02.2016 )

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