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Noch mehr Sparen geht nicht

Schon seit Jahren gibt es immer weniger Geld für die Kinder- und Jugendarbeit. In Gera kommt hinzu, dass die Stadt durch das Haushaltssicherungskonzept dazu gezwungen ist, zu sparen und somit nur den Pflichtteil für den Nachwuchs finanzieren kann. Zu sehen ist dies an den maroden Schulen und Spielplätzen, an immer weniger werdenden Freizeitangeboten für die Kids und an der ewigen Diskussion um die Erhöhung der Kitagebühren. Doch leider verschließt die Politik des Landes die Augen vor den immer größer werdenden Problemen und erhöht weder die jährlichen Pauschalen, noch wird frisches Geld zur Hand genommen und in die Zukunft der Kids investiert. Wie unter diesen Umständen gearbeitet werden kann, hat Neues Gera den Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses, Daniel Reinhardt gefragt. Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Nichts tun und meckern bringt uns nicht weiter, sondern man sollte selbst etwas bewegen oder ändern. Daher habe ich mir Gedanken darum gemacht, wo dies am besten funktioniert und bin in die heutige Linke eingetreten und engagiere mich seitdem hier.

Als Vorsitzender des Ausschusses dreht sich bei Ihnen alles um Kinder und Jugendliche. War das so gewollt oder sind Sie durch das Engagement im Stadtrat eher reingerutscht?

Je nach Plätzen im Stadtrat darf man für die Ausschüsse auch den Vorsitzenden stellen. Da ich selbst Sozialpädagoge bin und Theorie und Praxis kenne, habe ich die Aufgabe gern übernommen. Für mich ist es keine lästige Pflichtaufgabe, sondern eher eine Herzensangelegenheit, denn ich freue mich etwas für den Nachwuchs tun zu können, auch wenn dies in der jetzigen Situation nicht immer einfach ist.

Welche Aufgaben hat der Ausschuss generell und können diese in Gera überhaupt umgesetzt werden?

Grundsätzlich unterliegt die Arbeit des Jugendhilfeausschusses der fachlichen Vorgabe des SGB VIII. Danach hat jeder junge Mensch ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. Dieses Ziel zu erreichen, ist die unterstützende Aufgabe der Jugendhilfe. Das heißt Förderung der freien Jugendhilfe, aktuelle Probleme von Kindern und Eltern besprechen und ausräumen, Jugendhilfeplanung und auch die Kita Bedarfsplanung. Eigentlich beschäftigen wir uns mit allem, was Kinder- und Jugendliche betrifft. Natürlich wollen wir etwas bewegen, jedoch ist dies bei der finanziellen Lage der Stadt schwierig. Aber egal ob Fachdienste, Träger, Mitarbeiter oder Ehrenamtliche, alle geben ihr bestes. Gut ist, dass wir mittlerweile eine gute Kita-Infrastruktur haben, schlecht ist, dass ein immer größer werdender Fachkräftemangel in allen Bereichen der Kinder- und Jugendarbeit besteht und hier ständig weniger Mittel zur Verfügung stehen.

Gera muss auch weiterhin sparen. Wie wirkt sich das auf die Arbeit im Ausschuss aus und wird trotzdem genug für die Kinder getan?

Im Grunde wird der Mangel verwaltet, welcher sich aber nicht erst seit den Sparmaßnahmen auswirkt. Alle Gelder wurden gekürzt und Gera zahlt nur die gesetzlich festgeschriebene Pauschale. Damit bewegen wir uns auf dem niedrigsten Level. Mehr kann man nicht kürzen, denn dann kann die Arbeit eingestellt werden.

15 Spielplätze sollen abgerissen werden. Wie erklären Sie das und was passiert mit den restlichen, bei denen ein Teil stark sanierungsbedürftig ist?

Jeder Spielplatz wurde begutachtet und die, die es betrifft werden nicht mehr bespielt. Sind diese weg gibt es aber noch immer ca. 70 Plätze. Hier hält die Grünflächenpflege der Stadt sehr viel in Ordnung und ein Teil gehört den Wohnungsbaugenossenschaften, die sich hervorragend darum kümmern. Zudem gibt es eine Prioritätenliste zur Sanierung der Plätze. Hier gibt es 2016 eine Pauschale von knapp 22.000 Euro, die sich nach der Geburtenrate des Ortes richtet. Mit dem Geld wird der Spielplatz in der Straße des Bergmanns saniert. Zudem gibt es die Planung einen neuen an der Puppenbühne zu schaffen. Wann dies allerdings passiert, weiß keiner.

Welche Angebote können Kinder und Jugendliche in Gera nutzen, wie werden dies unterstützt und gibt es Ideen und Projekte für 2016?

Mehr kann es immer geben, aber Gera ist auch nicht ganz schlecht aufgestellt. Es gibt den Hofwiesenpark, der vielseitig nutzbar ist. Zudem gibt es zahlreiche Jugendclubs und Projekte wie „Jumpers“ in Lusan, welches hier seit Herbst 2015 ansässig ist und großen Zuspruch findet. Weiterhin gib es einige Förderprogramme, um die Jugend zu stärken. Jedoch wird alles wieder dezentraler, denn wichtig ist da zu agieren, wo sich die Kinder und Jugendlichen aufhalten. Hier sind alle daran interessiert neues Angebote zu entwickeln.

Nicht nur in Gera wird bei der Kinder- und Jugendarbeit gespart. Warum fließt nicht mehr Geld in diesen Sektor?

Weil man wohl keinen Mehrwert sieht. Kinder bringen schließlich keine Rendite. Also ist es leider nur eine Kostenstelle. Egal ob Bildung, Erziehung oder Freizeit, unser Nachwuchs hat keine Priorität. Doch dafür bekommt man so langsam die Quittung. Wir haben einen Fachkräftemangel, welcher nicht allein am Geburtenrückgang der vergangenen Jahre liegt. Vielmehr entwickelt sich auch hier alles zu einer Mehrklassengesellschaft. Nicht jeder bekommt die gleiche Chance.

Da sind wir beim Thema Schulen. Wie sieht es hier mit den Sanierungen aus die an so manchem Ort mehr als notwendig sind?

Es gibt einen sehr großen Investitionsstau, der noch größer wird, wenn man nicht reagiert. Das wird ja derzeit versucht. Alles was Gera einnimmt fließt per Gesetz in die Schuldentilgung. Einerseits richtig, aber wie immer auf dem Rücken von Kindern, Familien und sozial Schwachen. Hier soll es eine Ausnahmeregelung für die Schulen geben. Doch ob diese kommt und in welchem Umfang ist noch nicht geklärt.

Die Geburtenrate steigt und es gibt auch wieder Familienzuzug. Gibt es hierfür genügend Kitaplätze und auch Angebote für Familien mit Kleinkindern?

Gera ist in diesem Bereich gut aufgestellt. Jedoch fehlen im Zentrum fast 200 Plätze. Damit diese Zahl sinkt, soll in der Innenstadt eine neue Kita gebaut werden. Es gab einen Realisierungswettbewerb an dem sich vier Interessenten beteiligten. Zwei kamen in die Auswahl und favorisiert ist jetzt die Variante des DRK, welcher in der Innenstadt ein Gebäude sanieren und 100 Plätze schaffen will. (Mehr dazu in der kommenden Ausgabe)

Das Gespräch führte Lars Werner.

( Neues Gera, 13.02.2016 )

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