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Berufswunsch „Hartzer werden”

„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.”

„Wie wahr, wie wahr”, werden sicher nun viele Leser des älteren Semesters denken, „so waren wir früher nicht”. Wer es nicht kennt, dieses Zitat stammt von Sokrates, griechischer Philosoph um 400 vor Christi.

Das Geheimnis liegt in der Zauberformel: „Je älter man wird, desto besser war man früher”.

Doch trotz alledem: „Seit Jahren gibt es am Zentralen Platz ein vermeintliches Problem”, weiß auch Andreas Heimerdinger, Vorsitzender des Streetwork GERA e.V.. „Das Chaos war schon da, das machen unsere Jugendlichen ganz allein. Ja, es gab im Sommer Kosovaren und Serben, die den Basketballplatz hinter dem H35, in den sogenannten Hölzern, quasi eingenommen haben. Aber, es gab und gibt keine Probleme, die von Asylsuchenden oder Jugendlichen mit Migrationshintergrund provoziert werden”, bestätigt auch Streetworker Alexander Hartmann.

Schon immer wollten sich Jugendliche öffentlich präsentieren. „Dies ist kein neuzeitliches Phänomen. Kinder schockieren ihre Eltern mit Freunden, die älter, cooler oder einfach nur anders sind. Es ist die Faszination, vorrangig werden Mädchen durch ältere Jugendliche, früher wegen dem Moped und heute wegen Alkohol, Sex und Zigaretten, in deren Bann gezogen”, spricht Heimerdinger aus jahrelanger Erfahrung. „Früher trafen sich die Jugendlichen in ihren jeweiligen Vierteln in den dortigen Jugendtreffs. Heute gibt es kaum noch Clubs. Sie werden aus ihrem öffentlichen Raum vertrieben und suchen sich neue Orte, an denen sie auffallen und Gehör finden.”

Es sind Kinder und Jugendliche, auch junge Erwachsene und teilweise auch Exklienten des Streetwork GERA e.V., die sich am Zentralen Platz tummeln. Sie kommen aus allen Bildungsschichten, manche verbringen den ganzen Tag dort, manche bleiben zwei Stunden und gehen dann brav nach Hause und machen ihre Schularbeiten. Platzverbote verpuffen, da in einem derartig öffentlichen Raum Verweise lediglich für einen Tag ausgesprochen werden können. Es ist das Ziel der Streetworker, nicht nur präsent sondern in den Köpfen der Jugendlichen verankert zu sein. Mit ihrem seit Sommer vergangenen Jahres umgebauten Wohnmobil sind sie bis November zweimal in der Woche vor Ort gewesen. „Das war unsere Probephase, inwieweit die Jugendlichen uns wahrnehmen und annehmen”, erklärt Hartmann. Ab Februar sind die Streetworker dann mittwochs und freitags in den Nachmittagsstunden mit ihrem Beratungsmobil vor Ort. „Hier können die Jugendlichen bei einem Becher Tee mit uns ins Gespräch kommen”, hofft Hartmann wieder auf regen Zuspruch, wie die Monate im vergangenen Jahr gezeigt haben. „Wir wollen und müssen den Jugendlichen wieder Perspektiven aufzeigen, dass ein Schulabschluss, eine Ausbildung und ein anständiger Job, viel erstrebenswerter ist, als Hartzer zu werden. Auch wenn es doch bequem ist 400 Euro Taschengeld zu haben, es ist unzufriedenstellend auch für jene Jugendliche, weil sie desillusioniert sind und den Schritt verpasst haben für sich selbst Verantwortung zu übernehmen. Da ist es auch ein leichtes, sich über die aktuelle Situation aufzuregen, dass den Flüchtlingen alles auf dem Silbertablett serviert wird. Fakt ist, die Probleme sind hausgemacht und es muss uns gelingen, dass die Jugendlichen wieder ihr Selbstbewusstsein, ihren Mut und ihre Zuversicht zurückgewinnen.”   

( Fanny Zölsmann, 23.01.2016 )

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