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Spektakulär, grausam und brutal

Ich freue mich immer, wenn ich ihn sehe, obwohl mir oft ein eiskalter Schauer über den Rücken läuft, wenn er spricht. Und dennoch, hänge ich sprichwörtlich an seinen Lippen, wenn er redet. 
Er erzählt aus der Vergangenheit, er berichtet über Erfahrungen, er schildert Erlebtes. Er begegnete dem Tod – mehrfach. Er fand die Opfer. Er traf die Täter. Er schreibt darüber. Er ist Wiederholungstäter.
Am 24. August 2014 erschien sein Erstlingswerk. Mit keiner Silbe hätte er daran gedacht, dass es ein Knüller, wenn nicht sogar ein regionaler Bestseller werden würde.
Der Geraer Kriminalrat a.D. Hans Thiers ließ in seinem ersten Werk mehr als 40 Mörder und deren Opfer wieder auferstehen. Seine Fälle sind echt, authentisch und von Nebenan. „Binnen sechs Wochen war die Erstauflage von 2.500 Stück vergriffen”, zeigt er sich stolz und das zu Recht. Insgesamt sind bisher rund 8.000 Bücher in vier Auflagen über den Ladentisch gegangen. Den Wünschen der Leser und Anfragen der Büchereien konnte er nicht lange Stand halten und so nahm er bereits vier Monate nach Erscheinen der „Mordfälle im Bezirk Gera von 1973 bis 1990” erneut den Stift in die Hand und schrieb an seinem zweiten Band. „Es ist fertig und befindet sich derzeit im Druck”, kündigt Hans Thiers das baldige Erscheinen des zweiten Bandes an. 
Dieses Werk ist anders. Neben 25 Fällen, die es aus seiner Zeit noch zu berichten gibt, widmet er sich auch der Historie. „Ich komme hier den Wünschen meiner Kollegen nach. So schreibe ich auch über historische Wurzeln der Morduntersuchung und stelle Statistiken zu Tötungsverbrechen dar”, erklärt der Autor zum Buch. Aber nicht nur das. Bis 1971 gab es in der DDR die Todesstrafe „bei besonderer Brutalität, zum Beispiel bei sexuellem Missbrauch von Kindern und anschließender Tötung, sprach das Gesetz die Todesstrafe aus. Bis 1967 wurden die Täter mit der Schwertbeilmaschine hingerichtet, ab 1968 mit der Einführung des neuen sozialistischen Gesetzes wurde per Genickschuss dem Leben vorzeitig ein Ende gesetzt”, schildert Thiers. Bei der Beschreibung eines solchen Vorganges bedient er sich eines Autorenkollegen, der dies einst detailgetreu niederschrieb. 
Elmo Becher – „Vom Sexualstraftäter zum Sexualmörder” aus Schmieritz war der letzte durch Genickschuss getötete Mörder. „Sie alle wurden in Leipzig hingerichtet. Leipzig war die Hinrichtungsstätte für die gesamte Republik”, weiß Thiers zu berichten. Ein anderer Fall ist der von Franz Schmidtke. Auch er sollte den Tod durch Genickschuss finden. „Jedoch ist er dem zuvorgekommen. Er brachte sich Tage zuvor im Gefängnis um.” Franz Schmidtke brachte seine Frau, den Stiefsohn und die Schwiegermutter um. „Schmidtke war in dritter Ehe mit Anna Rothe verheiratet. Sie brachte ihren kleinen vierjährigen Sohn Udo in die Ehe mit ein, bevor sie mit Franz eine gemeinsame Tochter zeugte, Nora, zum damaligen Zeitpunkt 16 Monate alt. Die Schwiegermutter des Schmidtke, Auguste Rothe, wohnte ebenfalls mit in diesem Familienverband. Trotz heilen Familienlebens unterhielt der Herr des Hauses ein intimes Verhältnis zu einer Frau aus Könitz. Ob seine Frau von seiner heimlichen Liebesbeziehung Kenntnis besaß, geht aus den Akten nicht hervor. Feststeht, daß Könitz am 22. November 1947 zum Schauplatz eines bestialischen Verbrechens wurde, wie die thüringische Nachkriegsgeschichte kein weiteres kennt. Alles begann damit, daß Anna Rothe, ihre Mutter sowie der kleine Udo von einem Tag auf den anderen als vermißt galten”, heißt es im zweiten Band „Mordfälle im Bezirk Gera”.
Drei Jahre nachdem Schmidtke seine Familie umgebracht hatte, haben die Kriminalisten den Fall gelöst. Verstrickt in zahlreichen Widersprüchen, Lügen und Unklarheiten gestand Schmidtke letztendlich seine Tat. 
Im Buch interviewt Thiers den Zeitzeugen Horst Ruder, der Schmidtke bewachend zur Seite stand, als dieser die Leichenteile aus dem Gartengrundstück ausgraben musste. Neben „klassischen” Beziehungsdramen führt Hans Thiers erneut dem Leser vor Augen wie grausam Mütter ihren eigenen Kindern das Leben nehmen. „Da gab es eine Mutter in Eisenberg und eine hier in Gera, die beide systematisch ihren Kindern die Nahrung entzogen haben und sie verhungern ließen. Die Eisenbergerin bekam lebenslänglich, die Geraerin büßte fünfzehn Jahre”, so Thiers.
Bis zum 95. Geburtstag der Stadt- und Regionalbibliothek, hofft Hans Thiers, soll das Buch in den Regalen stehen. „Mit diesem zweiten Band schließt Hans Thiers sein kriminalistisches Lebenswerk ab. Über 70 Mordfälle sind nun in zwei Bänden dokumentiert, ein einzigartiges publizistisches Werk. Erneut geht Hans Thiers mit uns an grauenvolle Tatorte, auf Spurensuche, beschreibt unglaubliche Mordtaten, lässt uns teilhaben an der Arbeit der K und der Polizei zu DDR-Zeiten, analysiert Tatmotive, zitiert aus psychologischen Gutachten und den erschreckenden Geständnissen der Täter und weist auf die jeweiligen Strafmaße hin”, macht Verleger Michael Kirschschlager neugierig.  
Bereits jetzt, noch weit vor Erscheinen des zweiten Buches, gibt es 23 Termine für Lesungen, die bis nächstes Jahr November reichen. 
Wer Hans Thiers noch kurzfristig erleben möchte, der ist zur heutigen Nacht der Serienmörder im Fliesenschön willkommen. Am Mittwoch, 21. Oktober, 19 Uhr, findet gemeinsam mit Michael Kirschschlager in der Bibliothek die erste Lesung zum zweiten Band statt.

( Fanny Zölsmann, 02.10.2015 )

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