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Über dem Ballhaus schwebt Erinnerung

Ein Ballsaal mit kristallenen Lüstern, ein Tresen mit Barhockern, eine kleine Empore mit einem Musikquartett, ein Cocktail mixender Kellner und drei schwarz gekleidete tief verschleierte Damen – in all das verwandelt sich die Bühne am Park und nimmt ihre Zuschauer mit in die „Sommernacht im Wintergarten“. Es ist ein Spiel des Puppentheaters mit Marcella von Jan, Sabine Schramm, Lys Schubert und Lutz Großmann in der Regie von Frank Soehnle, ein Spiel ohne Worte. Ist das außer Ballett und Pantomime überhaupt möglich? Die Akteure beweisen es, unterstützt von der Musik, die vom Ensemble „Freiraum Syndikat“, das sich eigens für dieses Theaterstück zusammengefunden hat, live dargeboten wird. In ungewöhnlicher Besetzung lassen Lukas Dreyer (Violoncello), Friederike Vollert und Elisabeth Neuser (Blockflöte) sowie Markus Fleischer (Jazzgitarre) Melodien von Uccellini bis Bach, von Vivaldi bis Michael Jackson erklingen und animieren die Gäste des Ballhauses zum Tanz.

Die Sommernacht ist eine Nacht der Erinnerungen. Und obwohl keine Worte fließen, kann sich der Zuschauer schon durch die äußere Verwandlung der Damen z. B. in die erotische, einem Bildnis von Otto Dix sehr ähnliche, ganz in rot gekleidete Diva (Lys Schubert), in die kühle scheinbar Distanzierte (Marcella von Jan) und die elegante Zurückhaltende (Sabine Schramm) in das Geschehen hinein versetzen. Dazu der anfänglich gelangweilte Kellner (Lutz Großmann), der sich ebenfalls verwandelt und die Erinnerungen immer wieder anschiebt. Er dirigiert das rote Teufelchen, das den Damen, die Vergangenem nachtrauern, Hoffnungen, Sehnsüchte und vielleicht auch Versprechungen ins Ohr haucht.

Das Faszinierende an dieser Inszenierung ist das Miteinander der Mimen, Marionetten und Musik. Der international bekannte Regisseur Frank Soehnle, der auch selbst Darsteller und Figurenspieler ist, hat die zauberhaften Marionetten gestaltet (Bühnenbild: Jan Hofmann). In wunderschönen Kostümen – den Damen gleichgetan – bewegen sie sich (von den Spielern auf gekonnte Weise gesteuert) grazil und elegant. Auffallend die Hände mit den beweglichen Fingern, die die kleinsten Bewegungen und Annäherungen erlauben. Geniale Ideen kommen in Aktion: Blumensträuße, in denen sich Gesichter verbergen, Uniformmäntel, die zum Tanzpartner werden und den Verlust des Ehemanns oder Geliebten durch den Weltkrieg symbolisieren, ein Hochzeitskleid, das vom Bühnenhimmel schwebt und nie benutzt werden konnte. Die Flowerpower-Zeit wird lebendig mit dem sorglosen in den Tag-hinein-leben und bunten blumigen Outfits. Es ist eine Zeitreise, die Gedanken an Vergangenes lebendig werden lässt und den Zuschauer in eine Sommernacht mitnimmt, von der er bestimmt so noch nicht geträumt hat.

Nächste Vorstellungen sind am: 9., 10. und 12. Juli, 19.30 Uhr sowie am 11. Juli, 21 Uhr.

( Helga Schubert, 04.07.2015 )

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