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Mit Herz und Verstand fürs Handwerk

Kaum zu glauben: Sie sollen der bundesweit dienstälteste Präsident einer Handwerkskammer sein. Stimmt das?

 Das ist richtig. Von den Präsidenten der insgesamt 55 Handwerkskammern in Deutschland bin ich am längsten im Amt. Doch für mich ist nicht die Zahl der Jahre im Ehrenamt entscheidend. Vielmehr kommt es mir darauf an, was ich fürs Handwerk in Ostthüringen bewegen kann. Da sind wir doch  in den zurückliegenden 25 Jahren meiner Amtszeit ein ganzes Stück vorangekommen. Systematisch schufen wir demokratische Strukturen im ostdeutschen Handwerk. Bildungszentren wurden errichtet, um unsere Mitgliedsbetriebe auf die Herausforderungen der Marktwirtschaft vorzubereiten. Bis heute ist es mein besonderes Anliegen, für alle Handwerkerinnen und Handwerker Ansprechpartner und Sprachrohr zu sein.

Sie feiern in diesen Tagen Ihren 70. Geburtstag. Wie fühlen Sie sich? Von Amtsmüdigkeit kann ja wohl nicht die Rede sein…

Im fortgeschrittenen Alter ist es das wichtigste, täglich aufs Neue fit zu sein. Ich bin froh, dass ich sowohl in meinem Handwerksbetrieb als auch in der ehrenamtlichen Arbeit für die Handwerkskammer noch die nötige Energie habe.  Nach meiner Tischlerlehre im Jahr 1963 und anschließendem Fernstudium an der Ingenieurschule für Holztechnik in Dresden übernahm ich 1976 den Betrieb meines Vaters. Bis heute führe ich diese – und ich denke mit Erfolg. Doch dies geht nicht ohne die Familie. Hier gebührt meiner Frau, meiner Tochter und meinem Schwiegersohn besonderer Dank, die sich seit vielen Jahren im Unternehmen engagieren und mir so manches Mal den Rücken für mein Ehrenamt freihalten. Da meine Enkeltochter nach ihrem Studium seit Oktober 2014 auch im Betrieb arbeitet, ist auf lange Sicht für die Nachfolge gesorgt.

Worauf glauben Sie nach den vielen Jahren als HWK-Präsident besonders stolz sein zu können?

Wir haben es geschafft, dass sich die Handwerkskammer nach der Wende zu einem modernen Dienstleister und Interessenvertreter für die derzeit rund 9600 Mitgliedsbetriebe in Ostthüringen mit ca. 43.000 Beschäftigten entwickelt hat. Egal ob Betriebsberatung, Ausbildungsberatung, Rechtsberatung oder vieles mehr – wir sind Ansprechpartner für unsere Betriebe in allen Fragen. Besonders stolz bin ich jedoch auf unser Berufsbildungs- und Technologiezentrum mit seinen drei Bildungsstätten in Gera-Aga, Rudolstadt und Zeulenroda. Hier haben wir über die Jahre beste Voraussetzungen geschaffen, um eine fundierte Aus- und Weiterbildung auf hohem Niveau zu gewährleisten. Gerade in der heutigen Zeit des Fachkräftemangels kommt diesen Bildungseinrichtungen ein hoher Stellenwert zu.         

  Sie haben sich mehrfach dafür ausgesprochen, junge Leute frühzeitig für einen Handwerksberuf zu interessieren. Wie weit ist das Vorhaben gediehen?

Gerade für das Handwerk wird es wichtiger denn je, frühzeitig auf Nachwuchssuche zu gehen, um mit den Industrieunternehmen Schritt halten zu können, die immer früher mit der Lehrlingsakquise beginnen. Wie dringend notwendig der Bedarf im Handwerk ist, offenbart ein Blick in unsere Lehrstellenbörse, in der derzeit knapp 440 freie Lehrstellen unserer Mitgliedsbertriebe für den Ausbildungsbeginn im September 2015 aufgelistet sind – so viele wie noch nie. Seit vielen Jahren haben wir deshalb in unseren Bildungsstätten über verschiedene Projekte sowohl Regel- und Förderschüler als auch Gymnasiasten zu Gast, die Einblicke in die Vielfalt der handwerklichen Berufe erhalten und sich so rechtzeitig ein Bild von ihrem möglichen Berufswunsch machen können. Mit Blick auf die Gymnasien machen wir uns stark, dem derzeitigen Akademisierungswahn entgegenzuwirken. Nur mit einer starken dualen Berufsausbildung oder aber einem dualen Studium kann in der Zukunft die Fachkräfteproblematik auch im Handwerk gelöst werden.

 Interview: Harald Baumann 

( Harald Baumann, 27.06.2015 )

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