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Drei Frauen aus dem Osten wagten es sich - sie kauften die „Lunge”

Mit 53 Jahren wagte Kristine Schmidt den Schritt in die Selbstständigkeit. „Nach der Wende war alles anders”, mit diesen einfachen Worten erklärt Kristine Schmidt ihre damalige weitreichende Entscheidung.

36 Jahre lang war sie als Fachschwester für Anästhesie zuerst im Wismutkrankenhaus dann in der Bezirksklinik tätig. „Die Intensivstation war schon ein harter Job”, spricht sie aus Erfahrung. Doch es war nicht die Suche nach etwas Neuem, sondern das Finden einer Möglichkeit, Patienten weiterhin so zu pflegen, wie sie es verdient haben.

Das ist auch das, was sie in all den kommenden 20 Jahren nie verloren haben wird: Sich die Zeit für den Menschen hinter dem Patienten zu nehmen.

Gemeinsam mit ihrer jüngsten Tochter Katja und zwei weiteren Angestellten begann sie am 1. Juli 1995 ihren ersten Patienten als private Unternehmerin zu pflegen. „Viele haben damals an meiner Entscheidung gezweifelt, sie in Frage gestellt und dem ganzen kein Jahr gegeben”, erinnert sie sich an das Gerede damaliger Weggefährten zurück. „Meine Mutter und ich sind keine Kopfmenschen. Ostern 1995 hatten wir die Idee und im Juli haben wir unseren ambulanten Pflegedienst damals noch in der Gessentalstraße 4 eröffnet”, beschreibt Katja Koppe den Werdegang. Trotz ihrer Spontaneität mussten sie viele Tippelschritte gehen, bevor ihnen die Bürokratie den Weg frei machte. Doch dass ihnen ihr Bauchgefühl Recht gab, bewiesen die Zahlen bereits wenige Monate später. Ende 1995 zählte ihr kleines Unternehmen zwölf Mitarbeiter, die sich um rund 40 Patienten kümmerten.

Bereits ein Jahr später wagten sie sich einen Schritt weiter. „Wir waren die Ersten thüringenweit, die Beatmungspatienten in deren eigenen Häuslichkeit betreut haben. „Damals war das noch spektakulär, wenn wir eine Intensivpflege übernommen haben. Mit sieben Feuerwehrmännern und wir im Rettungswagen wurde der Patient nach Hause transportiert”, erinnert sich die Geschäftsfrau Kristine Schmidt zurück.

Heute leisten sie bis Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt ihren wertvollen Beitrag, damit auch ein Intensivpatient zu Hause gepflegt werden kann.

Bereits nun in der Karl-Marx-Allee sesshaft, 70 Patienten zählend und 50 Mitarbeiter stark, galt es neue Ufer zu erkunden. „1997/98 dachten wir über eine Erweiterung unseres Pflegedienstes nach. Warum nicht, Menschen eine Wohnform bieten, die je nach Lebenssituation unterschiedliche Formen der Hilfe benötigen”, erklärte Katja Koppe den Werdegang. Es galt ein geeignetes Objekt zu finden, um es zum betreuten Wohnen um- und auszubauen. Die alte Lungenklinik stand zum Verkauf und wir sind hier im Wohngebiet Scheibe groß geworden. Für uns war dieses Objekt der ideale Standort”, war sich die Geschäftsfrau sicher. Zwei Jahre lang sind sie sämtliche Wege gegangen, bis sie den Zuschlag für den Kauf erhielten. „Das war schon was. Drei Frauen aus dem Osten haben es sich gewagt, mit einen Kredit in Höhe von zwölf Millionen Euro die ‚Lunge‘ zum betreuten Wohnen umzubauen”, reflektiert Kristine Schmidt.

Die dritte Frau im Bunde ist die älteste Tochter, Simone Schmidt. Sie hat BWL studiert, lebte 17 Jahre lang in Berlin und kehrte vor 15 Jahren in die Heimat zurück. „Sie ist eher der rationale Typ und hat die Zahlen im Blick”, zollt Katja Koppe ihrer Schwester den Respekt. Katja Koppe war zu DDR-Zeiten Hygieneinspektor und lernte nach der Wende den Beruf der Zahnarzthelferin. „Doch hier konnte ich mich nicht weiterentwickeln. Daher bot sich in der Selbstständigkeit gemeinsam mit meiner Mutter eine ideale Chance.” Heute ist sie für Personal und Qualitätsmanagement zuständig. Ihre Schwester Simone zeichnet für Buchhaltung und Vertragsverhandlungen verantwortlich.

Alle drei Frauen haben ihren Schritt in die Selbstständigkeit nie bereut, auch wenn die Anfangsjahre hart waren. „In den ersten vier Jahren habe ich keinen Tag Urlaub gemacht”, erinnert sich Kristine Schmidt an die schwierigste Zeit. Doch sie weiß auch, ohne diesen Schritt hätte sie nie wieder Patienten mit dieser, ihrer, Qualität pflegen und zur Genesung oder Lebenserhaltung beitragen können. Ans Aufhören denkt die heute 73-Jährige noch lange nicht. „Was soll ich denn zu Hause. Das ist mein Leben”, schnellt es über ihre Lippen.

20 Jahre Pflegedienst Schmidt steht für Qualität, Niveau und Familiensinn. „Wir sind eine große Familie. Meine Mutter ist das Oberhaupt.” Erst vor zwei Jahren wurde der Pflegedienst Schmidt eine GmbH. Alle drei Frauen führen seitdem die Geschicke des Unternehmens gemeinsam. Neben dem Pflegedienst, gehört zum Familienunternehmen eine GrundstücksKG für die Vermietung und der Betreuungsservice, zu dem u.a. eine hauseigene Wäscherei, Küche, ein Friseur und Fahrdienst gehört.

( 27.06.2015 )

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