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Ein richtiger Maler ist ein Kind, was nie aufgehört hat, zu malen

„Ein Maler, ein richtiger Maler, ist ein Kind, was nie aufgehört hat zu malen”, dies sind die Worte eines Mannes, der zu jenen Künstlern gehört, denen internationaler Ruhm zu Lebzeiten verwehrt blieb.

Karl Weschke wurde am 7. Juni 1925 in Taubenpreskeln bei Gera geboren. Als Sohn einer Dirne und eines Anarchisten geboren, war er „das Kind einer Bedeutungslosigkeit“. Sein Vater soll dies zu ihm gesagt haben, als er ihn das erste und einzige Mal sah.

Mit zwei Jahren kam Weschke in ein Kinderheim. Fünf Jahre später holte ihn seine Mutter zurück. Gehaust in einer Kneipe, zusammen mit anderen in einem Raum, der nur durch Wolldecken abgegrenzt war, verbrachte er die meiste Zeit seiner Kindheit auf der Straße. Schon früh war der junge Weschke auf sich allein gestellt. „Aber die eigentlichen Entbehrungen und tiefgreifende Erfahrung seiner ‚unbequemen Kindheit‘, wie er es selbst bezeichnete, war die Tatsache - allein gelassen zu werden, keine Familie zu haben, keinen noch so kleinen Hort der Wärme und Güte, nach dem er sich damals sehnte. Nur gelegentlich, wenn er in den Ferien zu seiner Schwester nach Hasla fahren konnte, erlebte er glückliche und unbeschwerte Tage”, erzählt Holger Peter Saupe, Leiter der Kunstsammlung zur kürzlich stattgefundenen Matinee anlässlich 90 Jahre Karl Weschke. „Ich wollte immer anders sein. Das Kind, was ich war, wollte ich nicht sein. Ich dachte immer meine Mutter wäre eine böse Hebamme, die das Kind einer Königin gestohlen hatte”, waren die Worte eines Mannes, der immer von einem besseren Leben träumte – zu hören im Film „Karl Weschke – Mythos eines Lebens“ von Thomas Grube, der im Jahr 2010 von Boomtown Media im Zusammenarbeit mit NDR/arte gedreht worden ist.

Geprägt durch seine schwere und raue Kindheit, schloss er sich mit 14 der Hitlerjugend an. Hier hoffte er, den nötigen Halt zu finden. Mit 16 zog er in den Krieg. 1945 kam er als Kriegsgefangener nach England in Gefangenenlager und Umerziehungscamps. Anfangs zählte er zu den Starrköpfigen, die sich mit der Tatsache, das Deutschland den Krieg verloren hatte, nicht abfinden wollten. „Die Gefangenschaft führte zum gravierenden Wendepunkt in seinem Leben. Hier traf er auf Menschen, die völlig anders waren und die dafür sorgten, dass sein deutsches Heldenideal zerbrach. Diese andere Welt, die er kennenlernte, war eine Welt, die ihm einen bislang nicht gekannten Grad an Freiheit, Akzeptanz und Demokratie vermittelte, die Selbstbestimmung aber auch Selbstverantwortung bedeutete”, erzählt Saupe, wie er den Zugang zur Literatur Thomas Manns und Poesie Rilkes fand und seine Malerei wiederaufleben ließ. Die Briten erkannten sein Talent und förderten es. Er durfte Kunstgeschichtskurse an der Universität Cambridge besuchen.

1948 kehrte er erstmals nach Deutschland und Gera zurück. Hier gab es niemanden, der auf ihn gewartet hatte. Er kehrte um und war fortan in der Welt zu Hause. Schottland, Spanien, Schweden, Cornwall – angekommen. In seiner Wahlheimat an den schroffen Küsten des Lebens. Hier blieb er. Mehr als 40 Jahre lebte er isoliert in einem Haus, nahe den Küsten, fernab jeglichen Trubels.

„Viele sind berufen, aber nur wenige erwählt. Wenn man aus einer guten Familie kommt, dann ist es leichter zu sein, das zu sein, was man ist. Ich habe mich nie als Opfer gefühlt, sondern als Angegriffener. Es war Ärger aber nie Opfergefühl”, spricht Weschke über sein Leben. Einzig am Leben gehalten, haben ihm die Bücher von Karl May. „Es war das Noble und Edle, von dem er geredet hat.” 1994 machte Karl Weschke seinen Traum war – er reiste auf den Spuren seiner Helden von Karl May nach Ägypten.

Bisher war stets das Dunkle, Begleiter seiner Bilder. „Ob Gelb oder Blau, die Kraft, die Gewalt, die Furcht erzeugt, ist immer in meinen Bildern.” Doch das Kind, welches einst von Karl May träumte, war nicht mehr der gleiche Mensch, der Ägypten besuchte. Das strahlende Hell hält Einzug in seinen Bildern. Diese Reise verändert sein Leben. „Als Karl Weschke das erste Mal nach Ägypten reiste, ging für ihn ein Kindheitsraum in Erfüllung. Für ihn war es nicht nur die Begegnung mit einem Land, das er aus den Büchern von Karl May kannte, sondern er empfand es als eine Ankunft an der ‚Wiege der Zivilisation‘. Er war fasziniert von der monumentalen Baukunst der Ägypter. In seiner Kunst wurde das Landschaftliche um das Architektonische erweitert und die kurze Farbpalette hellte sich auf, ließ leuchtende Blau- und Ockertöne zu, die seitdem auch in den Cornwall-Motiven, von der Gelöstheit des Lebens künden”, beschreibt Kunstexperte Saupe.

Doch es wird noch viele Jahre dauern, bis Weschke im Hafen seiner Heimat freudig erwartet wird. Und hier den Hort der Wärme und Güte findet, welchen er Jahre lang ersehnte.

2001 rückt die Kunstsammlung Gera unter dem Titel „Die deutsche Retrospektive“ den Künstler Karl Weschke in den Mittelpunkt einer Ausstellung. 2003 verlieh der Bundespräsident dem Künstler das Bundesverdienstkreuz. Am 27. Mai 2004 erhielt Karl Weschke die Ehrenbürgerwürde der Stadt Gera. Wenige Monate später verstarb er in seiner Wahlheimat Hayle.

So scheint es, als konnte er angekommen am Ende seines Lebens, mit offenen Armen empfangen, friedlich und fertig aus dem selbigen scheiden.

„Der Maler oder der schaffende Mensch will doch gern in der Zeit festgehalten werden, weil er sich einbildet, der arme Kerl, eine Mitteilung für die Nachwelt zu hinterlassen. Die einzige Ewigkeit, die man hat, ist die, welche man hinterlässt. Die Kinder, auch wenn sie eine eigene Persönlichkeit haben, sind dein Erbe”, sind die Worte eines Mannes, der weit mehr als eine Tochter der Nachwelt schenkte. Er schenkt Einblicke in ein gezeichnetes Leben, welchem er mit dicken Pinselstrichen in bewegenden Bildern Ausdruck verlieh.

Karl Weschke – ein Mensch, der sich stets an den rauen Klippen des Lebens messen musste.

Bis Freitag, 26. Juni, kann die aktuelle Ausstellung Weschkes anlässlich seines Jubiläums, er wäre am 7. Juni 90 Jahre alt geworden, in der Orangerie für die museumspädagogische Bildungsarbeit der Schulen (mit Voranmeldung) genutzt werden. Eine Führung ist am Donnerstag, 25. Juni, 15 Uhr, geplant. Die kleine Schau zeigt die drei Gemälde, die sich im Bestand der Kunstsammlung befinden sowie Zeichnungen und Grafiken aus Geraer Privatbesitz. 

( Fanny Zölsmann, 20.06.2015 )

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