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Junge unternehmungslustige Leute und die alte Weisheit "Reisen bildet"


Sie waren unlängst in Paris. Wie hat es Ihnen denn im sündigen Vergnügungstempel "Moulin Rouge" gefallen?
Nichts mit Vergnügen! Dafür war gar keine Zeit. Ich musste vom Flughafen schnurstracks ins Zentrum fahren, um an einer - pardon für den geschraubten Ausdruck - "Expertentagung zur transnationalen Mobilität von Jugendlichen in der Berufsbildung" teilzunehmen. Ich war auf der zweitägigen Beratung der einzige ostdeutsche Vertreter. Die westlichen Bundesländer wurden von einem Siemensvertreter repräsentiert.

Und worum ging es den erlauchten Experten?
Um etwas sehr Bedeutsames: nämlich um den Gedanken des europäischen Zusammenwachsens, konkret um den Auslandsaufenthalt von Jugendlichen zwischen 18 und 27 (egal ob männlich oder weiblich). Der Austausch soll intensiviert werden. Das jedenfalls beschlossen die Vertreter aus sieben europäischen Staaten.

Das heißt also, es muss nicht beim Takt Null begonnen werden?
Richtig. Es gibt seit längerem schon solche Austauschprogramme. Auch unsere IHK beteiligt sich seit 1995. Der erste Austausch erfolgte mit Österreich. Es handelte sich um 15 Lehrlinge, vorwiegend Köche sowie Restaurant- und Hotelfachleute des 3. Lehrjahres, die für drei Wochen in Vorarlberger Gaststätten und Hotels arbeiteten. Sie kehrten um viele gute Erfahrungen bereichert zurück. Eine Haupterkenntnis: Dem Service, den Dienstleistungen, der Betreuung der Touristen und Urlauber wird dortzulande weitaus mehr Gewicht beigemessen, als es bei uns vielerorts der Fall ist.
Unsere "Abgesandten" waren aber nicht nur Lernende. Sie konnten im Gegenzug die Einheimischen mit der Thüringer Küche vertraut machen. Klöße und Rostbrätl schmeckten den Österreichern beispielsweise vorzüglich.
Im übrigen war ein Ergebnis des Lehrlingsaustausches, dass die österreichischen Gastgeber Arbeitsplatzangebote machten, die von einigen Jugendlichen auch genutzt wurden.

Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt zugleich?
Nach dem ersten Versuch 1995 haben wir jährlich Austausche organisiert. Etwa 100 Lehrlinge insgesamt wurden bislang ins Alpenland entsendet. Die nächste Bewerbung ist ab sofort möglich, weil es im Februar 2001 erneut losgehen soll.

Ist eine solche Luftveränderung für lernwillige Teenies und Twens auch in anderen Ländern möglich?
Ja, zum Beispiel mit Ungarn. Die Geraer IHK war die erste, die 1998 einen Austausch mit der Kammer in Szolnok vereinbarte. Es ging dabei jeweils um etwa 15 junge Gastronomen und Händler. Die jungen Ungarn arbeiteten u. a. im Best Western Hotel und bei Globus, unsere Jugendlichen in ähnlichen Einrichtungen von Szolnok und Umgebung.

Ihre Kammer hält es mit Leonardo da Vinci. Ein Freund des Hauses?
Wir finden Leonardo sehr sympathisch. Leider ist dieses italienische Universalgenie schon einige Jahrhunderte tot. Aber seinen Namen erhielt ein europäisches Programm zur beruflichen Bildung, das mit EU-Fördermitteln unterstützt wird. Das Programm zielt darauf, es jungen Leuten zu ermöglichen, in anderen Ländern zu lernen, zu arbeiten, zu leben und - sicherlich auch - zu lieben. Das Leonardo-Projekt fördert zudem Vorhaben mit Pilotcharakter, z. B. Ausbilder nach gemeinsamen Richtlinien zu qualifizieren.
Unsere Kammer wird sich voraussichtlich ab dem 2. Halbjahr 2001 mit 10 jungen Leuten am Austausch beteiligen, die u. a. aus Metall- und Elektroberufen stammen.

Sollte man nicht den Blick auch über Europa hinaus richten?
Das tun wir, indem wir bereits zum vierten Mal Abiturienten eine zweijährige Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel in Hongkong anbieten. Die Jugendlichen werden in einem chinesisch-deutschen Unternehmen arbeiten. Die theoretische Ausbildung erfolgt in einer deutsch-schweizerischen Einrichtung. Ab sofort sind die neuen Bewerbungen für 2001 bei uns möglich. Wer diese einzigartige Chance nutzen möchte, sollte allerdings ein gerüttelt Maß Risikobereitschaft aufbringen und vor Schwierigkeiten nicht kapitulieren.

( Das Gespräch führte Harald Baumann, 06.01.2001 )

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