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Ende für die Schule in Aga

Geras Stadtrat hatte das letzte Wort zu der Frage ob die Schule in Aga geschlossen wird oder als Schulteil der „Astrid-Lindgren-Schule” Langenberg weiter existiert. Vorausgegangen war fast ein Marathon aller beteiligten Gremien: Zur letzten regulären Stadtratssitzung hatte die Oberbürgermeisterin den betreffenden Punkt von der Tagesordnung genommen und eine Woche später – fast genau zum letztmöglichen Termin – eine Sondersitzung des Stadtrates einberufen, weil sie einen neuen Vorschlag machen wollte, der in Richtung Erhalt des Schulstandortes Aga als Teil der Langenberger Schule ging. Der Ortsteilrat stimmte unter dem Motto „Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach”, schließlich zu, der Bildungsausschuss des Stadtrates kam nur wenige Stunden vor der Plenartagung nochmals zusammen, erst dann landete der Vorschlag von Dr. Hahn im Plenum zur Beratung und Abstimmung. Die Entscheidung stand lange auf des Messers Schneide, so dass eine namentliche Abstimmung erfolgen musste. Das Ergebnis: Der Vorschlag der Oberbürgermeisterin wurde mit 18 Stimmen abgelehnt, 16 Stadträte stimmten zu, zwei enthielten sich der Stimme. Der frühere Beschluss vom Sommer 2007 zum Schulnetz bleibt somit bestehen und die Grundschule wird zum Schuljahresende geschlossen. Bereits 2013 hatte man noch auf die Chance gesetzt, dass ein freier Träger die Schule mit ihren rund 120 Kindern übernimmt. Er hat sich aber leider inzwischen von diesem Vorhaben zurück gezogen.

Voller Enttäuschung und Frust mussten die zahlreich anwesenden Agaer Bürger die Tatsachen zur Kenntnis nehmen und verließen demonstrativ den Tagungsraum. Ein Klageverfahren Aga gegen die Stadt Gera ist allerdings noch nicht vom Tisch. Mit der Eingliederung der früher selbstständigen Gemeinde in den Verbund der Stadt Gera am 1. April 1994 war vertraglich vereinbart worden, dass die Stadt Gera die Schule in Aga und auch den Nahverkehr zum jetzigen Ortsteil erhält. Der Agaer Ortsbürgermeister Bernd Müller machte dann auch seinem Ärger Luft: „In Anbetracht der anstehenden Gebietsreform werden ich auch nach anderen Möglichkeiten suchen.”

Oberbürgermeisterin Dr. Hahn hatte vor der Abstimmung nochmals appelliert, auf die Meinung der Betroffenen in Aga zu hören. Nach der letzten Einwohner-Prognose seien in den kommenden Jahren durchschnittlich 120 Kinder zur Einschulung in Aga zu erwarten. Für die gesamte Stadt waren bisher in Jahresdurchschnitt mit 638 Geburten pro Jahr gerechnet worden, diese Zahl müsse aber schon jetzt auf 754 hochgerechnet werden. Außerdem sei eine Schließung des Schulstandortes nie Bestandteil des Haushaltssicherung-Beschusses gewesen.

Nina Wunderlich, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE: „Wir müssen das Wohl der ganzen Stadt im Auge behalten“. Ihre Fraktion sei nicht bereit, ein zweites Mal Geld für eine Schule auszugeben. Schließlich habe die Stadt auch mit einem enormen Investitionsstau an den Schulstandorten zu kämpfen.

Uwe Heimowski, Stadtrat der CDU-Fraktion, schätzte ein, dass sich Gera mit mehr Menschen und vor allem mit mehr Kindern positiv entwickelt. Nur 58.000 Euro Betriebskosten würden im Jahr anfallen. Das entspreche einem finanziellen Aufwand von monatlich 40 Euro. „Wenn wir das nicht haben, woher soll dann das Geld für eine neue Schule im Zentrum kommen?“, meinte der Stadtrat und folgerte: „Wir können es uns nicht leisten, eine Schule in Gera zu schließen.

Für eine Übergangslösung setzte sich Dr.-Ing. Ulrich Porst (Fraktion „Bürgerschaft”) ein und plädierte für einen Kompromiss. Er könnte so aussehen, dass man die Schule zunächst für ein weiteres Jahr betreibt und in diesem Zeitraum von der Stadtverwaltung verlässliche Zahlen vorgelegt bekommt. Von den anderen Fraktionen wurde dieser Vorschlag allerdings nicht aufgegriffen. Grünen-Stadtrat Eugen Weber erinnerte seine Kollegen im Stadtrat sogar daran, dass sie in Gera seien und sprach sich für ein Ende der „Zitterpartie” und damit zur Zustimmung aus.

Heiner Fritzsche (SPD-Faktion) informierte über Auskünfte, die seine Fraktion beim Schulamt Gera und in der Langenberger Schule gesammelt hat. Sein Fazit: Der Referent für Grundschulen hatte das favorisierte „Schulteil-Modell” aus pädagogischer und organisatorischer Sicht als „schlechteste aller Varianten” bezeichnet.

Zustimmung zum OB-Vorschlag signalisierte Kerstin Pudig, Fraktionsvorsitzende „Arbeit für Gera”, stellte aber auch fest: „Gera braucht dringend einen neuen Schulnetzplan.” Das sei schon deshalb notwendig, weil die Stadtverwaltung heute noch mit den Zahlen von 2003 arbeite.

Unterschiedlicher konnten die Meinungen der Stadträte nicht ausfallen. Nach einer kurzen Auszeit von nur zehn Minuten, die der Fraktionsvorsitzende der LINKEN, Andreas Schubert, beantragt hatte, erfolgte die Abstimmung.

( Reinhard Schubert, 06.06.2015 )

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