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Gera schwört auf Familienfreundlichkeit

Gera (gw). Der Stadtrat hat am 21. Mai mit großer Mehrheit die Zielvereinbarung zum Audit „Familienfreundliche Kommune“ beschlossen. Wir befragten die Oberbürgermeisterin und die Fraktionen des Stadtrates, was sie sich von diesem Qualitätssiegel für die Stadt versprechen. „Familienfreundlichkeit ist ein wichtiger Standortfaktor für unsere Stadt. Da geht es mir um die Menschen – sie sollen sich in Gera wohlfühlen. Das macht uns stark – und für die Wirtschaft interessant. Und das nützt wieder den Einwohnern“, erklärt Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn. Sie erinnert an den vor einem Jahr in der Ostthüringer Zeitung erschienenen Städtevergleich, der auf die positiven Potenziale aufmerksam machte. Die Tageszeitung hatte getitelt: Gera – die unterschätzte Stadt. „Familienfreundlichkeit bedeutet, für alle Generationen unsere Stadt attraktiv zu gestalten – und ganz besonders an die jungen Familien zu denken. In den letzten zwei Jahren konnten wir uns über 752 bzw. 744 Geburten freuen. Noch vor wenigen Jahren wurden nur 698 bzw. 683 vorhergesagt. Junge Familien ziehen nach Gera. Das zeugt von der Attraktivität unserer Stadt“, betont OB Dr. Hahn. „Darauf müssen wir uns einstellen – um so unverständlicher ist es, wenn nur eine Woche nach der Entscheidung zum Audit ‚Familienfreundliche Kommune‘ eine knappe Stadtratsmehrheit die Schließung der Agaer Grundschule besiegelt hat“, bedauert Dr. Hahn.

Auf dem Weg Geras zu einer noch familienfreundlicheren Kommune ist der Beschluss der Zielvereinbarung ein weiterer wichtiger Schritt. Das angestrebte Siegel sei nicht nur als sogenannter weicher Standortfaktor von großer Bedeutung, sondern vor allem auch für unsere Bürgerinnen und Bürger: Familienpolitik bekomme einen neuen Stellenwert in unserer Stadt, betont die Fraktion Die Linke im Stadtrat. Die Zielvereinbarung sei Basis für ein vernetztes und integriertes Handeln aller Akteure. Konkrete Maßnahmen wurden vereinbart, die in den kommenden drei Jahren umgesetzt werden müssen, so sollen beispielsweise familienunterstützende Beratungsangebote bekannter gemacht werden und ein Unterstützungsangebot für an Demenz erkrankte Menschen und ihre Angehörigen entstehen.

 „Wir begrüßen es ausdrücklich, dass Gera die Auditierung als familiengerechte Kommune anstrebt, denn dadurch wird die Bedeutung der Familiengerechtigkeit auch im Verwaltungshandeln gestärkt“, erklärt Andreas Schubert, Fraktionsvorsitzender DIE LINKE.

Das Audit „Familienfreundliche Kommune“ ist für die CDU-Fraktion eine Chance, positiv auf Gera aufmerksam zu machen. „Deshalb haben wir der Beschlussvorlage im Stadtrat auch zugestimmt“, betont Fraktionsvize Andreas Kinder. „Wenn aber nur eine Woche später eine knappe Mehrheit aus Linken, Bürgerschaft und SPD entscheidet, dass die Grundschule Aga geschlossen wird, dann ist das ein Schlag ins Gesicht der Familien. Die Sozialdezernentin sollte darauf verzichten, am 12. Juni nach Berlin zu fahren, um sich dort für das Audit feiern zu lassen“, erklärt Andreas Kinder. Für die CDU zählen nicht Papiere mit wohlklingenden Absichtserklärungen, sondern Taten. „Und da ist die Schließung der Grundschule Aga wahrlich kein Ruhmesblatt. Wir sollten froh sein, dass die Geburtenzahlen in unserer Stadt wieder steigen. Schon jetzt ist absehbar, dass wir mehr Grundschulkapazitäten benötigen. Doch statt in die Zukunft zu investieren, hat eine Stadtratsmehrheit eine Grundschule geschlossen“, erklärt Kinder.

Die SPD-Fraktion sieht das Qualitätssiegel „Familiengerechte Kommune“ als wichtigen Standortfaktor. „Wir begrüßen es, dass sich Gera erfolgreich auf diesen Weg begeben hat“, sagt dazu die Fraktionsvorsitzende Monika Hofmann. Den Anstoß habe noch die frühere Sozialministerin Heike Taubert gegeben. „Nun sind wir alle gefordert, diesen Anspruch mit Leben zu füllen und in den nächsten Jahren konsequent an der Umsetzung der vereinbarten Ziele zu arbeiten“. Ein wichtiges Ziel sei der Aufbau einer zentralen Anlaufstelle. Dort sollen sich alle Menschen über die Beratungsangebote und Leistungen informieren können, mit denen in Gera Familien unterstützt werden. „Wenn junge Menschen oder Unternehmen sich bewusst dafür entscheiden, in die ‚familienfreundliche Kommune‘ Gera zu ziehen oder deswegen hier zu bleiben, ist das ein großer Gewinn für uns alle“, unterstreicht Hofmann die Bedeutung dieses Projektes.

Das Audit zur familienfreundlichen Kommune ist ein Pluspunkt für Gera, um junge Leute und Eltern, aber auch aktive Großeltern in Gera zu halten oder für einen Zuzug nach Gera zu begeistern, so die Fraktion Wählervereinigung „Arbeit für Gera”. Es ist für die Fraktion ein Bestandteil des Stadtmarketings, der von allen Einwohnern gelebt werden muss. Die Stadtverwaltung und der Stadtrat können hier nur Motor und Organisator sein. Für AfG gehören aber nicht nur die im Audit genannten Stadtteile und Programmpunkte zu einer familienfreundlichen Stadt. „Eine familienfreundliche Stadt beinhaltet für uns das gesamte Spektrum des städtischen Lebens von guter Bildung für jedes Alter über sichere, auskömmliche Arbeitsplätze und ein qualifiziertes soziokulturelles Angebot bis hin zu passgenauem Wohnraum für Familien“, sagt Kerstin Pudig, Fraktionsvorsitzende der Wählervereinigung „Arbeit für Gera“.

Für Bündnis 90/Die Grünen erklärt Ines Wegner, dass es klar von Vorteil sei, den Beinamen „Familienfreundliche Kommune“ zu führen, schließlich erinnere dieses Qualitätssiegel an die gemeinsame politische und gesellschaftliche Aufgabe. Diese bestehe in den nächsten Jahren darin, Qualitätsstandards für Familienfreundlichkeit in allen Bereichen von Politik, Verwaltung und institutioneller Zusammenarbeit zu entwickeln. „Wir können damit den Stellenwert von Familie stärken“, so Wegner. „Und ja: wir werden mit unseren gemeinsamen Zielen auf dem Weg zur familienfreundlichen Kommune ressourcen-, bedarfs- und beteiligungsorientierter handeln können“. Dazu gehöre auch, dass mit dem Siegel endlich ein „Masterplan“ Inklusion vorliege, obwohl es dafür eines Siegels eigentlich nicht bedürfe. Wozu aber eine zentrale Anlaufstelle mit Lotsenfunktion als Informationsangebot für alle Generationen und Familien benötigt würde, erschließe sich ihr nicht, so Wegner. Das habe nur wenig mit der praktischen Arbeit vor Ort und mit den Familien in den Lebensräumen und den bestehenden Netzwerken zu tun.

Die Fraktion „Bürgerschaft Gera“ äußerte sich nicht zum Thema.

( Gera (gw), 06.06.2015 )

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