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In zehn Jahren werden hier Bagger stehen

Bis auf den letzten Platz waren die Stuhlreihen im Rathaussaal besetzt: So viel Interesse hat man bisher nur sehr selten erlebt. Aber schließlich ging es um die Zukunft des Hochwasserschutzes mit dem Schwerpunkt des Gebietes von der Untermhäuser Brücke bis nach Thieschitz. Die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) hat die dazu erforderlichen hydraulischen Untersuchungen bereits abgeschlossen.
Der für den Bau von Hochwasserschutzeinrichtungen zuständige Gebietsreferent Thomas Kleinert und Ingenieur Matthias Köhler konnten dazu feststellen, dass die Vorbereitungsarbeiten weitgehend beendet sind, aber er enttäuschte auch die Hoffnung der Anwohner, dass es kurzfristig Arbeiten in großem Stil geben wird, denn es müssten noch Wirtschaftlichkeitsberechnungen erfolgen, die einen Zeitraum von etwa sieben Jahren in Anspruch nehmen, dann erst folgen zeitraubende europaweite Ausschreibungen und schließlich die Baugenehmigungen. „Erst in etwa zehn Jahren werden hier die Bagger stehen,“ so der Wasserexperte. Das führte zu einem deutlichen Murren der Veranstaltungsteilnehmer, die natürlich wissen wollten, ob sie vielleicht kurzfristig oder doch erst in einigen Jahren gezwungen sein könnten, z. B. ihre Kleingärten aufgeben zu müssen.
Trotzdem wird natürlich auch jetzt schon an einigen Stellen gebaut. Bis zum Jahre 2016 soll z.B. im Bereich der Schafwiesensiedllung der bisherige Zustand wieder hergestellt werden. Weitere Arbeiten gibt es bereits im Bereich der Hohle, des Hofgutes am Faulenzerweg sowie im Bereich der Tschaikowskistraße. Und auch wenn die Elster inzwischen wieder ruhig dahinfließt, müsse man nach Aussage der Wasserexperten auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. 
Die Hydrologen haben ihre Planungen am Wasserstand vom Juni 2013 ausgerichtet und noch einmal fünf Prozent dazu gerechnet. Dabei werde man um Deich-Zurücklegungen zur Schaffung weiterer Retentionsflächen in Kombination mit neuen Hochwasserschutzmauern nicht herumkommen. „Um so mehr Ausweichflächen für das Hochwasser geschaffen werden, um so weniger hohe Mauern müssen errichtet werden,“ so Matthias Köhler. Gleichzeitig brachte er ins Gespräch, dass über eine Ausweitung des Uferbereiches zwischen Cubabrücke und der flussabwärts liegenden Pylonenbrücke nachgedacht werden müsse. Besonders stark in Mitleidenschaft werde auch die Schafwiesensiedlung. Das heißt im Klartext: Eine große Anzahl von Kleingärten wird hier verschwinden. Am Beispiel Kupferhammer wird besonders deutlich, wie Hochwasserschutzmaßnahmen in das gesamte Landschaftsbild eingreifen können. Um das Gebäude des hier ansässigen Lebensmittel-Discounters zu schützen, seien Mauern mit etwa 90 cm Höhe erforderlich. Nachdenken müsse man auch über Flutbrücken an den Autobahnen und sogenannte Bahnbrücken. Sogar die Sorge stand im Raum, dass die Flutmauern höher sein könnten als die Brücken.
Der Ortsteilbürgermeister von Untermhaus Reinhard Schmalwasser brachte die aktuelle Situation und die Perspektive des Hochwasserschutzes in seinem Bereich auf den Punkt: „Wir müssen mit dieser Situation leben und das dürfte noch für lange Zeit gelten.“ Die Sorgenfalten vieler Untermhäuser sind deshalb nicht verschwunden. Erfreut zeigte er sich aber darüber, dass die TLUG angeboten hat, der Stadt ihr neues Simulationsgutachten zur Verfügung zu stellen. Allerdings blieben naturgemäß auch viele Fragen offen, so z.B. ob die Stadt nunmehr einen funktionierenden Plan zum Katastrophenschutz in der Schublade hat oder nicht? 
Einig war man sich darüber, dass sich Hochwasserschutz nicht allein auf die Elster konzentrieren dürfe. Keine Antwort konnte auf die Fragen gegeben werden, warum der Mühlgraben noch immer nicht durchlässig sei, oder ob nicht die Kiesablagerungen an beiden Ufern der Elster erhebliche Stauräume für das Wasser blockieren würden. Schließlich noch der Hinweis: „Talsperren sind Regulierungsanlagen und keine Spaßbäder.“
Die TLUG-Experten haben ihre wissenschaftlichen Erkundungen und Empfehlungen dargelegt, Entscheidungen dazu müssen von der Politik getroffen werden. Und das nicht erst in zehn Jahren!

( Reinhard Schubert, 30.05.2015 )

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