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Der Roschützer Sportplatz erhält neues Funktionsgebäude

Als sich 1893 in Gera der Deutsche Arbeitersportbund gründete, gab es in Roschütz wie in vielen anderen Orten und Städten bereits einen Turnverein, der der "Deutschen Turnerschaft" angeschlossen war.
Die mit der Neugründung der Arbeitersportbewegung gebildete "Freie Turnerschaft" fand in Roschütz anfangs wenig Unterstützung, und so mußte sie sich damals sogar in Tinz, in Ernst Eschkens Gaststätte treffen, um ihr Vereinsleben zu organisieren und durchzuführen. Ein Aufenthalt in Roschützer Gaststätten war ihr verboten und auf dem bürgerlichen Turnplatz nahe der ehemaligen Mühle durfte sie sich auch nicht betätigen.
Um aber ungestörte Übungsstunden abhalten zu können, kauften sich die "Freien Turner" aus Roschütz am Kommunikationsweg nach Tinz, nahe der Brahme, eine Wiese für 1.600 Mark, zäunten sie ein und errichteten darin eine Holzbaracke. 1904 lösten sie sich vom Deutschen Turnerbund und führten danach über 20 Jahre als "Freie Turnerschaft Roschütz" auf ihrem eigenen Sport- und Spielplatz auch mit gleichgesinnten Tinzern ihre sportlichen Aktivitäten durch. Zu ihnen gehörten auch vor dem 1. Weltkrieg eine große Schar von Sängern, die die stets stark besuchten Veranstaltungen musikalisch umrahmten.
Nach dem 1. Weltkrieg kamen dann die massensportlichen Spiele wie Faustball, Handball und vor allem Fußball auf. Nun erwies sich der Sport- und Spielplatz an der Brahme als zu klein und man suchte nach einem neuen Gelände. Man fand es schließlich am Roschützer Steig. Der Bauer Gottwald Löffler verkaufte hier 13.000 m2 abschüssiges Land, daß die Sportler in einen neuen Spielplatz umwandelten. Das Gelände mußte in Waage gebracht werden, d. h. ca. 2000 m3 Erdmassen wurden abgetragen und an anderer Stelle wieder eingebaut. Schließlich war es am 11. Juni 1932 so weit, daß der neue Sportplatz mit einem Ziegelsteinbau zur Einlagerung von Gerätschaften und einem betonierten Waschbeckenbrunnen unterhalb des Hauptspielfeldes mit einem Turnfest eingeweiht werden konnte.

Große Verdienste beim Neubau erwarb sich damals der Vereinsvorsitzende Erich Stephan, der später leider nicht aus dem 2. Weltkrieg zurückkehrte.
Nach einem Jahr, im Mai 1933, verboten die Nationalsozialisten die Aktivitäten des Roschützer Sportvereins, wie auch anderswo die Freie Turnerschaft verboten wurde, und es gibt keine Nachweise über Sport-Betätigungen bis 1945 auf diesem neuen Platz.
(An dieser Stelle sei an Paul Schaller, letzter Bürgermeister von Roschütz, für seine historischen Aufzeichnungen zur Sportgeschichte erinnert.)
Nach dem 2. Weltkrieg wurde die sportliche Betätigung allmählich wieder belebt, vor allem nachdem man hier eine große hölzerne Baracke, sie diente während der NS-Zeit wohl in Pößneck dem Arbeitsdienst (?), für die Sportler aufstellte. Gleichzeitig entdeckte man den Sportplatz für den Schulsport der Roschützer und Tinzer Schule. Neben Ballspielen, selbstverständlich Fußball an erster Stelle, übte man hier Ausdauerlauf, sprintete 75 m, warf den Schlagball, machte Hoch- und Weitsprung und manche andere Übungen. Die Holzbaracke diente dabei in den Anfangsjahren (bis etwa 1960) dieser Bewegung als Umkleideanlage, Geräteraum und für die Älteren war sogar eine Kegelbahn eingebaut worden, die das ganze Jahr über betrieben werden konnte. Danach setzte die Baufälligkeit ein.

Diese Baracke, bis 2003 aber ohne die erforderliche Pflege und Wartung geblieben, war nun schon viele Jahre kaum noch nutzbar, alles verfiel. Schließlich sperrte man sie sogar baupolizeilich. Die Vereinsleitung tagte wie um 1955 bei Badstübners im "Zum Reußischen Hof" nun jüngst auch wieder zu notwendigen Sitzungen in Kochs Gaststätte ("Die Reihe"), für die Sportler eine inakzeptable Dauerlösung. Es schien so, als hätte man die Roschützer Sportler, in der Stadt-Sportgeschichte immer mit präsent, während der DDR-Zeit völlig vergessen.
Nun ist es aber so weit, dass staatliche Fördergelder den Bau eines neuen Funktionsgebäudes am Sportplatz ermöglichen. Auf ca. 300 m2 Grundfläche sollen Umkleidekabinen mit Duschanlagen, Geräteräume für Haus- und Platztechnik und ein großer Gesellschaftsraum eingerichtet werden. Auf den Außenanlagen sind auch über 20 Pkw-Parkplätze vorgesehen. Das Regenwasser soll separat aufgefangen werden und eventuell zur Rasensprengung Verwendung finden.
Im Oktober 2003 erfolgte der erste Spatenstich und Ende Juni 2004 soll das Vorhaben abgeschlossen sein. Dann hat der Bauherr, die Zentrale Grundstücks- und Gebäudeverwaltung Gera ca. 350.000 Euro investiert, und die Sportler haben für die Außenanlagen am Trainingsplatz für ca. 35.000 Euro Eigenleistungen erbracht.
Hoffen wir für die fleißigen Vorstandsmitglieder unter Volker Seidel des "SV Gera- Roschütz e. V" und ihre ca. 165 Mitglieder auf ein gutes Gelingen des Vorhabens, das so lange auf sich warten ließ. Der damit aufgewertete Roschützer Sportplatz wird dann wohl auch für die Bevölkerung des Stadtteil Bieblach/Ost wieder attraktiver und läßt auf eine weitere steigende Mitgliederzahl hoffen.

( Bernd Böhme, 05.03.2004 )

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