Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Nicht zu helfen, darf nicht zur Debatte stehen

Seitdem darüber informiert wurde, dass in Gera eine Außenstelle der Thüringer Landesaufnahmestelle entstehen soll, sind die Gemüter erhitzt. Eine schwierige Lage, bei der Bundes- und Landespolitik gefragt sind, um zu vermitteln und aufzuklären. Doch diese ist hier nicht gerade Vorbild und nur selten vor Ort und so lodert die Gerüchteküche weiter. Gründe genug, so dass sich Neues Gera auf den Weg gemacht hat, um aufzuklären und zu zeigen, wie das Ganze in Eisenberg läuft wo sich die Erstaufnahmestelle seit 2004 befindet und bis zu 520 Asylsuchende untergebracht sind.
Eisenberg, 11.000 Einwohner und 500 Asylsuchende
Seit dem Jahr 2000 ist Ingo Lippert Bürgermeister (SPD) in Eisenberg. Wie der Ort und die Einwohner mit der Erstaufnahmestelle umgehen, verrät er im Gespräch. Seit wann gibt es die Erstaufnahmestelle und wie kam es dazu? 
Seit 2004 befindet sich die Thüringer Aufnahmestelle bei uns. Für die Einwohner war das alles ziemlich unspektakulär, da das Gelände davor als Aufnahmestelle für Spätaussiedler diente, zu DDR-Zeiten eine von drei Aufnahmestellen war, die Flüchtlinge aus der damaligen BRD aufnahm, die in die DDR wollten und davor als Schwesternwohnheim diente. Das Gelände gehört dem Land und dieses hat eben eine solche Nutzung dafür vorgesehen, was völlig legitim ist.
Es gibt immer wieder Aussagen, dass die Kriminalität in Eisenberg gestiegen ist und die Asylsuchenden in Geschäften stehlen. Dies soll jedoch nicht angezeigt werden, sondern den Betreibern ersetzt werden. Was trifft zu? Ja, diese Mythen kenne ich auch, aber ich kann sagen, dass diese Gerüchte aus der Luft gegriffen sind. Natürlich gibt es auch hier verschiedene Delikte, aber diese sind nicht anders als in einem Ort ohne Asylsuchende und auch nicht höher als in anderen Städten. Für die Flüchtlinge gelten die gleichen Regeln, wie für jeden anderen. Natürlich muss man den Leuten die Gesetze erklären, was in der Erstaufnahme auch bestens umgesetzt wird.
Entstehen der Stadt Kosten durch die Erstaufnahmestelle? Ja, wir haben Mehraufwendungen im Einwohnermeldeamt und deshalb eine Person eingestellt. Die Asylsuchenden werden bei uns angemeldet und wenn sie zum Beispiel zwecks des Asylantrages für zwei Tage in einen anderen Ort kommen, werden diese wieder abgemeldet und bei Rückkehr wieder angemeldet. Dies wird gemacht, damit man immer weiß, wo die jeweilige Person sich gerade aufhält, was ein Mehraufwand für uns ist. Auf der anderen Seite bekommen wir höhere Schlüsselzuweisungen vom Land. 
Werden die Flüchtlinge in der kurzen Zeit des Aufenthaltes in Eisenberg auch in das soziale Leben der Stadt integriert? Ja. Zum einen gibt es bei uns zahlreiche Vereine, die mit der Aufnahmestelle zusammenarbeiten und gerade für die Kinder einiges anbieten. Zum anderen gibt es ein Jugendzentrum, in welchem Jugendliche aus dem Ort und aus der Aufnahmestelle zusammenkommen. Es gibt ein Internationales Cafe, das jährliche interkulturelle Malfest sowie einige Kinder- und Jugendaktionstage. 
Was können Sie den Geraer Bürgern mit auf den Weg geben, damit sich diese ohne Ängste auf die Außenstelle der Erstaufnahmestelle einlassen? Wichtig ist zu wissen, dass da Menschen zu uns kommen, die eben genau so sind wie jeder andere Bürger in Deutschland. Die meisten sind hoch gebildet, sprechen mehrere Sprachen und haben ihre Heimat nur ungern verlassen. Sie haben auch gut verdient und eventuell Haus und Hof gehabt, aber Krieg und Verfolgung haben sie dazu gezwungen, mit der Familie zu fliehen. Kommunikation mit ihnen ist dabei das wichtigste. Man muss ins Gespräch kommen und den Menschen auch zeigen, wie das Leben mit all seinen Rechten und Pflichten funktioniert. 
Statistiken der Polizei
Die Landespolizeidirektion hat Neues Gera die Kriminalitätszahlen zu den Delikten Diebstahl, besonders schwerer Fall des Diebstahls und Körperverletzung für Eisenberg für die Jahre 2011 bis 2013 zur Verfügung gestellt. Diese zeigt, dass im Jahr 2011 zu den drei genannten Deliktarten 325 Fälle aufgenommen wurden und sich unter den 193 Tatverdächtigen 19 nichtdeutsche Tatverdächtige befanden. Im Jahr 2013 ist die Anzahl der Delikte auf 483 gestiegen, wobei es insgesamt 204 Tatverdächtige gab und davon 32 Personen nichtdeutscher Herkunft sind. 
Zahlreiche Nationalitäten, 
wenig Platz - funktioniert das?
Das Medieninteresse an der Unterkunft in Eisenberg ist in den vergangenen Monaten wieder gestiegen weiß Anke Blumentritt, die stellvertretende Dienststellenleiterin des Hauses, zu berichten. Dies ist nicht erst seit Gera so und sie versteht, dass manche Ängste äußern und Fragen zur Unterbringung haben, doch sie hat kein Verständnis für fremdenfeindliche Äußerungen oder wilde haltlose Behauptungen. 
Seit 1991 arbeitet sie hier und das mit Leib, Seele und Herz, wie sie selbst sagt. Gerade führt sie eine Gruppe der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Erfurt über das Gelände, die Asylsuchenden nach den drei Monaten in der Erstaufnahmestelle ein neues Zuhause bieten. „Nach der Ankunft bei uns durchlaufen die Flüchtlinge die Aufnahme, die Feststellung von Identität und Herkunft, jeder wird mit Kleidung, Hygieneartikeln und Bettwäsche ausgestattet und es erfolgt eine medizinische Erstuntersuchung bei der jede Person durchgecheckt wird, Blut genommen wird und jeder einzelne auch geröntgt wird. Erst wenn hier alles in Ordnung ist, geht es weiter“, so Blumentritt, die damit das Argument entkräftet, dass Flüchtlinge Krankheiten einschleppen und verbreiten. „Nachdem das Asyl beantragt wurde, gibt es eine Erstanhörung in der die Antragsteller befragt werden. Sie erhalten dann eine Aufenthaltsgestattung bis zur Entscheidung“, erklärt sie weiter. Eigentlich sollte dies innerhalb der ersten drei Monate abgeschlossen werden, doch dies ist bei der Anzahl der derzeitigen Anträge nicht möglich. Ist der Anfang gemacht, kann sich jeder im Ort frei bewegen, wobei es eine Schleuse am Eingang des Geländes gibt, durch die jeder muss der raus oder ein will, welche aber sehr abschreckend wirkt und einen eher an ein Gefängnis erinnert. Doch bei 500 Menschen auf engstem Raum gibt es auch Auseinandersetzungen untereinander. „Ja, das will keiner verleugnen. Aber man muss bedenken, dass die Menschen hier unterschiedlichster Herkunft sind und im Grunde drei Monate nichts weiter tun dürfen als warten. Das es da zu einzelnen Auseinandersetzungen kommt ist verständlich, aber diese sind nicht anders als bei jedem anderen in unserer Kultur und auch nicht an der Tagesordnung. Der größte Teil ist vernünftig und hält sich an die Regeln. Aber wir verwalten die Personen hier nicht nur, sondern tun auch etwas damit kein Lagerkoller ausbricht“, so Blumentritt weiter. Dazu gehören freiwilliger Deutschunterricht, ein Kindergarten auf dem Gelände und Zusammenarbeit mit Vereinen. Das miteinander ist wichtig und nur wenn die Menschen aufeinander zugehen funktioniert das Ganze. Gut 100 Fachkräfte wurden geschaffen, um von der Verwaltung bis zur Hygiene alles am Laufen zu halten.
Bürgermeister, Stadträte 
und Bürger zu Besuch
Michael Schleicher, der Ortsteilbürgermeister von Liebschwitz, einige Mitglieder des Stadtrates und interessierte Bürger haben das Erstaufnahmestelle besucht um sich selbst ein Bild machen zu können. „Das Haus ist stark sanierungsbedürftig und man kann bei 500 Personen wohl kaum von einer menschenwürdigen und lebenswerten Unterbringung sprechen. Wir sind immer gegen die Unterbringung von 500 Personen. Das Wohnheim in Gera war für 150 Personen ausgelegt und mit dieser Zahl wären wir einverstanden. Wir werden uns für eine dezentrale Unterbringung in kleineren Gruppen stark machen. Warum sollte man in Thüringen nicht Vorreiter für ein solches Projekt sein”, bringt es Michael Schleicher auf den Punkt.
Doch auch wenn in Eisenberg alles rosig scheint, sind die Befürchtungen der Bürger vielleicht nicht von der Hand zu weisen? So stand einst in der Welt vom 2. März 2013: „Polizeigewerkschaften fordern, daß die regierungsfreundliche Polizei-Statistik nicht länger ‚manipuliert‘ wird. Das Ergebnis wäre erschreckend. Es gibt wohl viel mehr Gewalttäter als bisher bekannt. […] Nachdem aus Berlin bekannt geworden war, daß dort 81 Prozent der jungen Intensivtäter Zuwanderungsgeschichte besitzen (fast ausnahmslos türkische oder arabische), forderten CDU und Polizeiverbände, auch in NRW die Zuwanderungsgeschichte zu erfassen, weil man Probleme nur lösen könne, wenn man ihr Ausmaß kenne.”


( Lars Werer, 14.03.2015 )

zurück