Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

„Die Zeit läuft uns weg!“ Stadtsportbund schlägt Alarm

Den Sportvereinen läuft die Zeit davon. Keiner ist gegen Naturkatastrophen gefeit, anders verhält es sich aber mit der Beseitigung der Schäden. Und hier ist neben Eigenengagement vor allem kommunale Unterstützung gefordert. Neben den Turnhallen in Debschwitz und Untermhaus, waren und sind noch neun Sportstätten betroffen. Mit einem beispielhaften Enthusiasmus waren die Mitglieder der Geraer Sportgemeinschaft, egal ob betroffen oder nicht, darangegangen, in ihrer Freizeit, im Ehrenamt, die Sportstätten von Schlamm und Schutt zu beräumen. 
Es ist der Stadtsportbund, der mit großer Unterstützung das Landessportbundes Thüringen sehr schnell und unkompliziert mit finanziellen Mitteln geholfen hat. Nur wenige Tage nach der Katastrophe wurde vom SSB-Geschäftsführer Norbert Kietzmann eine Auflistung der durch das Hochwasser verursachten Schäden vorgelegt, eine Bestandsaufnahme,  für die  die Stadt noch Monate brauchen sollte. 
Jeder im Stadtsportbund begrüßt, dass es zeitnah gelungen war, das Hofwiesenbad wie auch die Panndorfhalle für den Sport- und Freizeitbetrieb wieder freizugeben. Gut voran geht es auch beim Tennisverein und im Reitstadion, wobei es hier aber die Maßnahmen betrifft, die in Eigenregie des  Vereins  liegen und nicht den Teil, der in der Verantwortung der Stadtverwaltung  liegt. 
Völlig unbefriedigend ist dagegen der aktuelle Stand des Wiederaufbaus aller anderen Sportstätten, wie auch das Fortschreiten der geplanten Verlagerungsmaßnahmen aus dem Sportkomplex Vollersdorfer Straße. 
Als Dienstleister der Vereine wurde seitens des SSB regelmäßig auf die bestehenden Probleme hingewiesen. „Wir sind um eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Verwaltung im Interesse unserer Sportvereine stets bemüht, wobei es uns nicht um Schuldzuweisungen geht, sondern darum, nach konstruktiven Lösungen zu suchen. Wenn es seitens der fachlich zuständigen Vertreter der Stadt heißt, die Maßnahmepläne seien mit dem Stadtsportbund besprochen worden, dann ist dies nur die halbe Wahrheit und dient nur als Alibi dieser Mitarbeiter“, so SSB-Präsident Markus Morbach. 
Mit der Zuordnung des Fachgebiets Sport zum  Baudezernat und zum Fachdienst Liegenschaften, die Zuweisung einer Hochbauingenieurin dem FD Liegenschaften, dem Aufbau eines Fachgebietes Hochbau sowie der Übertragung  des Wiederaufbaus an eine private Projektsteuergruppe und deren Finanzierung im Rahmen der Wiederaufbauhilfen des Landes, also ohne zusätzliche finanzielle Belastung der Stadt, wurden seitens der Oberbürgermeisterin und des Stadtrates entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen. Diese gilt es nun effektiv zu nutzen, um ein rascheres Voranschreiten beim Wiederaufbau zu gewährleisten, wenn man nur will. 
Statt den Finger in die Wunde zu legen, und alle zur Verfügung stehenden Kräfte zu mobilisieren, um beim Wiederaufbau rasch voranzukommen, setzt man auf Beschwichtigung und versteckt sich hinter den Anfangserfolgen. So seien ja schon Fördermittelanträge gestellt worden und auch die Bauzeiten für fast alle Maßnahmen seien terminiert. Alles  unzureichend, heißt es beim Stadtsportbund. Auch den Verweis seitens des Baudezernenten  auf die schlechte Finanzlage, lässt der SSB nicht gelten. Das Aufbauhilfeprogramm sieht eine 100prozentige-Förderung vor. Für die dafür erforderliche Vorfinanzierung von Teilleistungen hatte der SSB schon im Herbst 2013 Vorschläge unterbreitet, auf die aber nicht reagiert wurde. Zudem wurde von der Oberbürgermeisterin längst die Entscheidung getroffen, die notwendigen Vorfinanzierungen vorzunehmen. 
Mit dem Einsatz des externen Projektsteuers wurden zunächst bezüglich Einbindung der Sportvereine, des strukturierten Herangehens und bei der Erstellung der Schadensgutachten wesentliche Fortschritte erzielt. Bis Anfang September lagen alle Gutachten vor. Es folgten Absprachen mit den betroffenen Vereinen auf Grundlage der Schadensbilanz. Seither stagniert der Abarbeitungsprozess. Versuche die Planungen zu realisieren - bisher Fehlanzeige. 
Schon in seiner Mitgliederversammlung am 2. April 2014 hatte der SSB die Arbeitsweise der Verantwortlichen im zuständigen Baudezernat kritisiert. Seither hat sich bezüglich Verlässlichkeit, Engagement, Einhaltung von Zusagen und Terminen, Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung wenig verbessert, heißt es aus dem SSB-Präsidium. 
Auch die Forderung des Stadtsportbundes, für jede der wieder aufzubauenden Sportstätte einen Verantwortlichen zu benennen, lief lange Zeit ins Leere und liegt immer noch nicht vollständig vor. 
„Was wir in den zuständigen Ämtern vermissen, ist sportliche Leidenschaft, das Brennen für die Lösung der anstehenden Aufgaben“, so Markus Morbach. Es hat den Anschein, so der SSB-Präsident, als hätten die beteiligten Protagonisten mehr Befindlichkeiten untereinander, als Lösungen.
Ganz anders die Reaktion in den Sportvereinen. So konnte Markus Morbach anlässlich des Festaktes zur diesjährigen Sportlerehrung auf einen weiteren, der problematischen Situation in den Vereinen entgegenstehenden, beträchtlichen Zuwachs an Mitgliedern verweisen. So sind derzeit in den 108 Sportvereinen 15.097 Kinder, Frauen und Männer organisiert, das sind fast 600 Mitglieder mehr  als  im Vorjahr. 
Hoffnungen gab es nach der von der CDU-Fraktion anberaumten aktuellen Stunde zur Stadtratssitzung am 20. November 2014. Es war ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Der erhoffte Schwung blieb dennoch aus. 
Stadtsportbund und Sportvereine sehen im Wiederaufbau nach dem Hochwasser ein einmaliges Konjunkturprogramm für die Stadt. 22 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. „Bis spätestens 31. Dezember 2016 müssen alle Wiederaufbaumaßnahmen abgeschlossen sein. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit und der großen Arbeit, die noch zu leisten ist, sind wir in großer Sorge, ob die Maßnahmen rechtzeitig beendet werden können oder ob durch verantwortungsloses Verhalten der Stadt Fördermittel verloren gehen. Die Vereine wollen klare und verlässliche Aussagen darüber, wann ihre Sportstätten wieder zur Nutzung freigegeben sind“, so Markus Morbach.
Auch ohne Haushalt können entsprechende Vorarbeiten, wie ein Maßnahmeplan und ein logistischer Ablaufplan für den Wiederaufbau, geleistet werden, die dann sofort greifen. So mancher der Vereinsvertreter fragt sich, wenn es keinen Haushalt zu verwalten gibt, was machen die denn da? Die Zusage für den finanziellen Wiederaufbau liegt vor. „Wenn also das Geld auf der Straße liegt, muss man sich eben bücken. Und wer es im Kreuz hat, muss eben trainieren“, so Markus Morbach und er fordert: „Wir erwarten eine professionelle Zusammenarbeit.“
Mit dem Einsatz eines Projektsteuers ist geklärt wer „Koch“ und „Kellner“ ist. Die Karten sind damit verteilt und keiner mischt sich in die Sache des anderen ein. Nur so ist eine erfolgreiche Arbeit gesichert.
„Die Zeit läuft uns weg.“ In einer Einschätzung des Projektsteuers heißt es dazu: „Auch wenn kein Zeitverzug eintritt, ist mit dem Baubeginn für fast alle Maßnahmen frühestens im Herbst 2015 zu rechnen. Die Hauptbauzeit liege dann im Jahr 2016. Für die Sanierung und Erweiterung der Sporthalle der SBBS Technik als Einzelbaumaßnahme kann als Bauzeit aus heutiger Sicht nur noch 2016/17 infrage kommen. Da der Förderzeitraum am 31. Dezember 2016 endet, bedarf es hier einer Einzelbefürwortung durch den Fördermittelgeber.“ 
Es ist wie ein schlechtes Fußballspiel. Zu viele Fehlpässe, zu viele Individualisten zu viele Eigentore und statt Angriff wird auf Zeit gespielt. Egal wie, das Ergebnis steht schon im Vorfeld fest: die Verlierer sind die Vereine und die dafür Verantwortlichen kassieren auf jeden Fall die Siegprämie. „Solch ein Geisterspiel werden wir nicht dulden“, so die klare Kampfansage seitens des SSB-Präsidiums.

( Reinhard Schulze, 07.03.2015 )

zurück