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Das Geraer Perpetuum mobile

Der Titel „Miraculum Geraer – Das Perpetuum mobile des Johann Bessler” macht neugierig. Und dazu kommt, dass die Ausstellung unter der Federführung der beiden Berufsakademie-Professoren Peter Bussemer und Jürgen Müller konzipiert worden ist. Die Sparkasse Gera und das Christliche Jugenddorf haben tatkräftig geholfen, damit sich die Ausstellungsbesucher von einem wirklichen Wunder (lat.: miraculum) eines von Johann Ernst Elias Bessler (1681-1745) an Hand eines Nachbaus überzeugen können. „Wir wollen zeigen: Es geht doch!”, so Prof. Müller und versicherte: „Das ist nicht nur Gauklerei, sondern bewegt die Wissenschaft noch heute.” Dazu der Nebeneffekt, dass der Name Geras gegenwärtig noch in Physik-Journalen der USA ausdrücklich erwähnt wird. Bessler ist somit als ein Mittelding zwischen Scharlatan und Wissenschaftler in Erinnerung geblieben.
Bessler fühlte sich als Erfinder zahlreicher Maschinen, die er als „Perpetua Mobilia” präsentierte, außerdem war er als Mediziner und Uhrmacher tätig und hatte sich den Künstlernamen „Orffyreus”  (eine latinisierte Verschlüsselung aus seinem Nachnamen) zugelegt. Als Reisender und Abenteurer war er in mehreren Ländern Europas unterwegs und erwarb sich zahlreiche handwerkliche Fähigkeiten. In Italien kam er erstmals auf die Idee, ein Perpetuum mobile zu bauen.
Am 6. Juni 1712 präsentierte Bessler in Gera vor staunendem Publikum im so genannten Richterhaus auf dem Nikolaiberg eine „Maschine, die ständig Arbeit verrichtet, ohne Energiezufuhr von außen. Besslers Rad hatte einen Durchmesser von rund 142 Zentimeter und war 9,4 Zentimeter dick und erreichte 50 Drehungen pro Minute. Der Erfinder ersann eindrucksvolle Werbemethoden und verkündete, dass man ihm den Kopf abschlagen könne, wenn das Rad nicht funktioniere. Dazu ist es allerdings nicht gekommen.
Aber immerhin stellte ihm das Fürstenhaus Reuß ein „Attestat” aus und bescheinigte ihm, dass das Perpetuum mobile tatsächlich funktioniert. Daraufhin bot Bessler seine Erfindung für die immense Summe von 100.000 Talern zum Kauf an. Die Geraer waren aber schon damals knapp bei Kasse, so dass sich hier kein Käufer fand und Bessler weiter gezogen ist.
Über Draschwitz bei Leipzig und Merseburg kam er schließlich auf die Burg Weißensee, dem späteren Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel, und stellte hier seine Erfindung aus. Landgraf Prinz Karl von Hessen-Kassel ließ am 12. November 1717 das Rad in einen Raum einschließen, der sorgsam versiegelt wurde. Als am 4. Januar 1718, also nach 54 Tagen, das Siegel gebrochen wurde, rotierte das Rad noch immer.
Die Erfindung wurde immer wieder untersucht. Selbst der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz und der niederländische Mathematik- und Physikprofessor Willem ‘s Gravesande sahen sich das neue Gerät an. 
Bessler machte weitere Erfindungen - vom Unterseeboot über Windmühlen bis zur selbsttätig spielenden Orgel. Ironie des Schicksals: Bessler starb 1745 nach einem Sturz von einer Windmühle. Seine Geheimnisse hat er mit ins Grab genommen, hinterließ aber 143 technische Skizzen, die seine Witwe veröffentlichte. Erhalten geblieben ist das im Oktober 1719 in Kassel veröffentlichte Buch „Das Triumphirende Perpetuum mobile Orffyreanum”. Es wird von der Universität Göttingen verwahrt und ist vollkommen digitalisiert.
Die Ausstellung im Stadtmuseum ist bis zum 3. Mai zu sehen.

( Reinhard Schubert, 28.02.2015 )

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