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Wie geht es mit Gera Tourismus weiter?

Wer nicht wirbt, der stirbt. Dieses Sprichwort kennt jeder Unternehmer und weiß, dass darin mehr als ein Funke Wahrheit steckt. Auch die Vermarktung einer Stadt ist in den letzten Jahren immer wichtiger geworden, um eine positive Wirkung nach außen zu erzielen und mehr Menschen in Stadt und Region zu locken. Einen Teil davon, nämlich die touristische Vermarktung, übernimmt seit 1998 der Gera Tourismus e.V., der die städtische Aufgabe damals per Stadtrat Beschluss übertragen bekam. Seitdem haben die Verantwortlichen des Vereins ein Netzwerk auf- und ausgebaut, vermarkten die touristischen Angebote der Stadt und Region Gera, betreiben die Tourist Information Gera, wirken bei der Fremdenverkehrsplanung und touristischen Erschließung der Stadt mit und sind eine Interessengemeinschaft zur Pflege und Förderung des Tourismus Gera.
Doch dies könnte nun bald ein Ende haben, denn die jährliche Förderung der Arbeit in Höhe von mindestens 127.900 Euro pro Jahr steht auf der Kippe. „Es gab Gespräche, aber diese führten bisher zu keinem Ergebnis. Bleibt dies so, ist der Verein noch bis März liquide und müsste dann aufgelöst werden, was wir schon jetzt im Vorstand und mit den Mitgliedern besprechen werden“, so Annett Linke, Vorsitzende des Vereins zur Zukunft der Tourismusarbeit. Zwar gibt es eine Beschlussvorlage, die einen Zuschuss von 60.000 Euro pro Jahr beinhaltet und weiterhin aufführt, dass die Gera Kultur GmbH wieder einige Aufgaben übernimmt und mit dem Verein zusammenarbeiten. Doch bisher ist es eben nur eine Vorlage. „Der Verein hat ein Jahresbudget von ca. 348.000 Euro, wobei ein Teil durch die Förderung herein kommt, aber der Großteil durch Mitgliedsbeiträge, Ticketverkauf und die Einnahmen aus dem Souvenirshop eingenommen wird“, erklärt Annett Linke zur Finanzierung des Vereins. Dieses Geld wird auch zu 100 Prozent benötigt, denn davon werden nicht nur die vier Mitarbeiter und eine Auszubildende finanziert, sondern eben auch die übertragenen Aufgaben zur Tourismusförderung, wie beispielsweise Mitgliedschaften in Verbänden, Herstellung und Verbreitung  von Print- und Souvenir Produkten und Teilnahme an Messen.
Natürlich steckt die Stadt in einer Zwickmühle, da sie zum einen zum Sparen gezwungen ist und zum anderen gerade jetzt für ein positives Bild nach außen sorgen muss, um auch weiterhin Gäste und Unternehmen für die Stadt zu begeistern. „Die Stadt Gera befindet sich in der vorläufigen Haushaltführung. Demnach dürfen nur unabweisbare und vertraglich gebundene Leistungen erbracht werden.  Für den Fall des Zuwiderhandelns hat das Landesverwaltungsamt auf strafrechtliche Konsequenzen hingewiesen. Gegenwärtig besteht kein Vertragsverhältnis zwischen dem Gera Tourismus e.V. und der Stadt Gera, so dass auch keine Grundlage gegeben ist, Zuschüsse an den Verein zahlen zu können“, ist aus dem Rathaus zu hören. Auch der Verein kennt das und weiß, dass dies eine schwierige Situation ist. Doch, dass man eine vertragliche Grundlage plötzlich anzweifelt obwohl diese über Jahre gegeben war, versteht keiner. Kompromisslos sehen viele die Arbeit des Vereines und sind der Ansicht, dass die sogenannte Einsparung eine Milchmädchenrechnung ist. Wenn die Aufgaben wieder von der Stadt übernommen werden, muss es hier ebenfalls Mitarbeiter geben, die diese Aufgaben erledigen. Im Gegenzug werden aber fünf Mitarbeiter entlassen, welche die Arbeit seit über einem Jahrzehnt erfolgreich gestalten.
Ob dies dann besser wird, sei dahingestellt. Dem Verein geht es nicht darum Streit zu suchen, sondern man möchte die erfolgreiche Arbeit fortsetzen und jetzt einfach darauf hinweisen, wie man eine langjährige Zusammenarbeit plötzlich in Frage stellen kann. „Obwohl unsere Mitarbeiter nicht wissen, wie es weitergeht, machen sie ihren Job auch weiterhin gewissenhaft und mit viel Freude. 70.000 Anfragen bearbeiten wir jetzt pro Jahr, die dazu beigetragen haben, dass Gera nach außen weiter an Attraktivität gewinnt, hier über 200.000 Übernachtungen und ein Millionenumsatz im Einzelhandel bilanziert wird“, erklärt Annett Linke weiter, die im Namen des Vereins auf die Situation aufmerksam machen möchte.
Doch was kann die Stadt jetzt tun? Vermarktung ist wichtig, aber auch das Haushaltssicherungskonzept muss umgesetzt werden und größere Einsparungen konnten bis jetzt noch in keinem Bereich durchgesetzt werden. Ist es also der richtige Weg zum Sparen oder sollte an anderen Ecken angesetzt werden? So ist man wieder an Anfang und kann die Aussage wer nicht wirbt, der stirbt von neuem aufwirbeln. Beide Seiten bemühen sich um eine Lösung und so gab es dazu am 5. Februar ein Treffen, bei welchem man die Situation nochmals diskutierte und dabei konstruktiv und lösungsorientiert über die Fortführung der Vereinsarbeit sprach. Beide Seiten wollen an einem Strang ziehen und klar machen, dass Einsparungen in der Vermarktung der Stadt negative Folgen mit sich bringen. So werden jetzt alle Aufgaben aufgelistet, die bei Einstellung zu erheblichen Schäden für den Tourismus und die Stadt führen würden. Mit dieser Auflistung wäre eine Unabweisbarkeit von Zahlungen an den Verein darstellbar und man könnte die Förderung auszahlen. Bleibt nur zu hoffen, dass das Landesverwaltungsamt dies am Ende auch so sieht und Gera durch eventuelle Nichtbewilligung weiter in die Knie zwingt.

( Lars Werner, 07.02.2015 )

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