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s ist, als ob Engelein singen, wieder von Friede und Freud

"Süßer die Glocken nie klingen als zu der Weihnachtszeit", heißt es in einem bekannten Weihnachtslied. In vielen Liedern, die besonders gern in der Adventszeit und zum Christfest gesungen werden, werden die Glocken "mit dem heiligen Klang" gepriesen. Ob sie nun mit Himmelstönen oder Engelsgesang verglichen werden, ob es bim bam, ding dong oder klingelingeling heißt, stets "klingt es mit lieblichem Schalle über die Erde noch weit".
Doch damit der Glocken Ton von vielen zu hören ist und er bis in die Häuser vordringt, müssen jene erst einmal in Bewegung gesetzt und zum Schwingen gebracht werden. Einer, der das gut beherrscht, ist Herbert Benke. Seit 1980 öffnet er jeden Sonnabend, kurz vor 18 Uhr ,die schwere Tür der Kirche in Tinz, steigt die Empore hoch und dann die knarrenden alten Holztreppen mit dem wackligen Geländer. Noch eine schmalere Stiege führt hinauf in den Turm. Hier ist es eng und dunkel. Man hört den Wind um das spitze Dach pfeifen. Doch dort hinauf muss Herbert Benke selten. Er steigt nur bis zum Boden, wo die Schnüre für die drei Glocken von St. Margarethen hängen. Mit geübten Handgriffen zieht er die Stränge, so dass Punkt 18 Uhr der Feierabend eingeläutet werden kann. Während in den meisten Kirchen eine Automatik für das Läuten sorgt, führt Herbert Benke sein Küsteramt mit großer Liebe aus. Sonntags, wenn zum Gottesdienst gerufen wird oder wenn die Sterbeglocke geläutet werden muss, immer ist er zur Stelle.
Der 62jährige, der Frührentner ist, liebt und hütet seine Glocken, auch wenn sie nur aus Stahl und nicht aus Bronze sind. "Ein schöner Klang", schwärmt er. Vom Erzählen älterer Einwohner weiß er, dass die Tinzer Kirche auch schon einmal eine glockenlose Zeit erlebt hat. "Zwei hat man während des Krieges eingeschmolzen und die dritte haben nach 1945 die Russen geholt", weiß er. Er zeigt auf einen rostigen großen und sicherlich ziemlich schweren Kegel: "Das war der Ersatz. Hier hat man mit einer Eisenstange daran geschlagen", sagt er und, zeigt, wie das ging. Ein lauter, aber greller und durchdringender Ton scheppert hinaus. s ist, als ob Engelein singen", träfe dafür wahrlich nicht zu. Bis 1963 musste man sich mit dem massiven Metallstück behelfen. Dann erhielt die Tinzer Kirche drei neue Glocken.
Wohl haben in St. Margarethen immer die Glocken geläutet, auch zu DDR-Zeiten, doch um das Gotteshaus selbst war es schlecht bestellt. Es verfiel langsam aber sicher. Der letzte Gottesdienst war in den 60er Jahren. Die Zahl der Gemeindeglieder wurden immer kleiner, Geld für notwendige Restaurierungsarbeiten gab es nicht vom Staat. Für die Gläubigen stand nur noch das Gemeindehaus offen. Nach der Wende war sich die inzwischen auch wieder etwas erstarkte Kirchgemeinde und ihr Gemeindekirchenrat einig: Die Tinzer Kirche muss erhalten und wieder für christliche Handlungen nutzbar gemacht werden. Der nur dem Titel nach - nicht nach Geburtsjahren - Gemeindeälteste Andreas Jörk engagierte sich gemeinsam mit der Vorsitzenden Gabriele Wolczynski in großem Maße für den Erhalt des Gebäudes. Als erstes mussten Finanzen beschafft werden. Anträge wurden gestellt, sich mit dem Landesamt für Denkmalpflege in Verbindung gesetzt. "Wir haben alle Möglichkeiten genutzt", meint Andreas Jörk, sogar ABM-Kräfte konnten gebunden werden. Schlimm sah die Kirche aus. Es gab keinen Fußboden mehr. "Da war ja nur die blanke Erde", erinnert sich der Gemeindeälteste. Alles war nass. Im Jahr 1994 konnte der Innenputz agehackt und eine Drainage gelegt werden. Dann begann eine lange Phase des Austrocknens, etwa vier Jahre. 1999 war für die Kirche ein wichtiges Jahr: Arbeiten am Kirchturm mit Reparatur der Schiefereindeckung, Anbringen der Dachrinnen und Öffnen des Turmknopfes, der wichtige Dokumente und Münzen aus mehreren Jahrhunderten enthielt. In diesem Jahr wurde auch der Fußboden eingebaut. "Wir erhielten die Genehmigung für eine Vergabe-ABM, mussten aber auch einen Kredit aufnehmen, denn der Eigenanteil ist ja stets aufzubringen", berichtet Andreas Jörk über das weitere Vorgehen. Eine große Freude war es dann natürlich, als am 1. Advent 1999 der erste Gottesdienst nach mehr als 30 Jahren in der Tinzer Kirche gestaltet werden konnte. "Damals saßen wir zwar noch auf Stühlen und der Anstrich war nicht geschafft, aber wir alle hatten große Hoffnung, dass sich dank der Spenden und des Einsatzes vieler Menschen auch das noch ändern ließe", war er sich sicher. Und heute erfüllen sich auch diese Hoffnungen. Die Menschen, die zur Christvesper kommen, finden eine in frischem Weiß gestrichene Kirche vor und können auf richtigem Kirchgestühl Platz nehmen.

( 23.12.2000 )

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