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Gera im Aufwind?

Der Begriff „vorsichtig optimistisch“ hat derzeit in Gera und Ostthüringen Hochkonjunktur. Beispiel Gera: Der Wirtschaftsstandort legt zu. Gleichzeitig kommt die kreisfreie Stadt bei einem Ranking der sieben Kreise Ostthüringens vom vorletzten Platz nicht weg. Ist das ein Grund, „vorsichtig optimistisch“ zu sein?
Ein Spötter hat den Unterschied zwischen optimistisch und pessimistisch mal unernst so beschrieben: Ein Strumpf hat ein Loch bekommen. Der Pessimist beklagt den entstandenen Riss. Der Optimist jedoch freut sich über den dadurch entstandenen Luftzug. Auf unser Wirtschaftsleben bezogen, könnte das heißen, analytisch und sachlich bleiben, real einschätzen, konkret darlegen, wo es gut läuft und wo es noch hapert.
Das hätte auch das Motto sein können, als dieser Tage die Industrie- und Handelskammer zu einem der weiteren bewährten Wirtschaftsgespräche einlud. Hauptgeschäftsführer Peter Höhne konnte als Moderator mehr als 100 Unternehmer der Region begrüßen. Die Kammer hatte wie schon 2005 und 2009 in einer über 100-seitigen Fleißarbeit eine  Standortanalyse der Stadt Gera sowie der Landkreise Greiz und Altenburger Land erarbeitet – ein aufschlussreiches Kompendium und Anleitung zum Handeln für 5575 Geraer Mitgliedsunternehmen (Landkreis Greiz 6275; Landkreis Altenburg 4800), fußend auch auf einer aktuellen Umfrage unter Ostthüringer Unternehmen zur aktuellen Wirtschaftslage.
Interessant ist, dass Gera bei der Standortanalyse zunächst recht gut wegkommt. In 19 Kategorien signalisierten die Unternehmen „Grün“ für die Stadt, die damit noch vor Jena (13 mal „Grün“) liegt. Im Vergleich zur Analyse 2009 konnte sich Gera in 18 Kategorien verbessern. Das betrifft beispielsweise die Verfügbarkeit von Wohnraum, die Nähe zu den Absatzmärkten und Zulieferern, die Kinderbetreuung, das Angebot im öffentlichen Personennahverkehr, die Verfügbarkeit von Dienstleistungen, die Erreichbarkeit über die Schiene, die Weiterbildungsmöglichkeiten und die Zahl der Ausbildungseinrichtungen, die Umweltqualität sowie die Müll-, Entsorgungs-,  Wasser- und Abwassergebühren und anderes. Schwachpunkte demgegenüber wie schon vor fünf Jahren: zu wenig Industrie, zu hohe Arbeitslosigkeit.
Auch die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK weist für Gera einen moderaten Aufwärtstrend auf. Dazu Oberbürgermeisterin Viola Hahn: „Gemeinsam haben wir Verbesserungen in der Standortbewertung erreicht und bauen auf eine zuversichtliche Konjunkturprognose.“ Es erweise sich als richtig, auf Wirtschaft, Bildung und Weltoffenheit zu setzen, um die Stadt zukunftsfähig zu machen. 89,1 Prozent der befragten Geraer Unternehmen bezeichnen ihre derzeitige Geschäftslage als gut oder befriedigend. 8,2 Prozent wollen mehr Mitarbeiter einstellen. 82 Prozent planen keinen Personalabbau. Gera habe inzwischen 43 Unternehmen mit über 100 Mitarbeitern. Die Stadt sei besser als ihr Ruf, meint die OB und fügt hinzu: „Großen Wert legen wir weiterhin auf gute Bildung und Weiterbildung, um den Fachkräftebedarf zu sichern. Die Berufsakademie und die SRH Fachhochschule für Gesundheit sind Erfolgsgeschichten. Ebenso wichtig sind uns die Kooperation zwischen Schule und Unternehmen und der Erhalt des vielfältigen Berufsangebots.“
Viola Hahn verweist zugleich darauf, dass Standortanalyse und Konjunkturumfrage wichtige Anhaltspunkte seien, wo man künftig noch stärker aktiv werden müsse. Das betreffe zum Beispiel die Wirtschaftsfreundlichkeit der Verwaltungen wie auch das Standortmarketing. So zähle zu den aktuellen Vorhaben die Ausarbeitung eines attraktiven Marketingskonzeptes.
Als gut hatte die IHK die Verfügbarkeit freier Gewerbeflächen in Gera eingeschätzt, aber dieses Kriterium als eher unwichtig eingestuft. Strategisches Ziel der Stadtverwaltung sei jedoch, ortsansässigen Betrieben Möglichkeiten zur Erweiterung zu geben und für auswärtige Investoren interessant zu sein. Gemeinsam mit der Landesentwicklungsgesellschaft werde deshalb am Industrie- und Gewerbegebiet Cretzschwitz weitergearbeitet. Ebenso sehe die Stadt – anders als die IHK-Analyse – noch keinen Grund zur Zufriedenheit mit der Schienenanbindung für Gera.
Landrätin Michaele Sojka (Altenburger Land) und Wirtschaftsförderer Steffen Täubert (Landkreis Greiz) erläuterten ihre Standpunkte  zum Ranking und zur Umfrage. Die Wirtschaftskraft auch ihrer Kreise habe zugenommen. Übereinstimmend sprachen sie sich selbstkritisch für unternehmerfreundlichere Verwaltungen aus.  Zufriedene Unternehmer seien die besten Botschafter der Standorte. Beide Redner sehen Reserven in der engeren Kooperation der drei Kreise, um die gesamte Region wirtschaftlich voranzubringen und um gegenüber den starken Regionen Leipzig und Jena aufzuholen.

( Harald Baumann, 07.02.2015 )

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