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„Aus alten Wurzeln neue Kraft!“

Ein scharfes Auge, eine sichere Hand und ein klarer Kopf – das sind die Eigenschaften, die bei einem Schützen gefragt sind. Hinzu kommt der Geist der Kameradschaft, des Zusammenhalts und der Heimatverbundenheit. Charakteristika, die besonders bei Schützenvereinen vorhanden sind. Nicht anders ist es bei der Privilegierten Schützengesellschaft Gera e.V. seit 1660 (PSG Gera). Dass am vergangenen Sonnabend auf dem Vorplatz des Südbahnhofs die Kanone abgefeuert wurde, ging nicht auf die Gründung des Schützenvereins vor 355 Jahren zurück, sondern auf den 25. Jahrestag der Wiedergründung des Vereins. Und der lag mit dem 19. Januar 1990 noch in der DDR-Zeit.

Doch, das ist nur ein Punkt, der für die PSG Gera spricht. Besonders stolz sei man, so der 1. Vorsitzende, Hartmut Straaß, auf das neue Sportzentrum im Südbahnhof am Sachsenplatz, welches weit bessere Bedingungen bietet, als einst im Sportkomplex Vollersdorfer Straße.

Eher etwas unscheinbar ist der Aufkleber mit dem Vereinslogo an der Eisentür. Doch was sich dahinter, auf einer 500 Quadratmeter großen Fläche befindet, kann sich wirklich sehen lassen: Acht Bahnen für Luftdruckwaffen, externe Bahnen für das Schießen mit Kreuz- und Langwaffen bis zum Kaliber 45, Traditionszimmer, Umkleideraum, Büro. All das wurde geschaffen, ohne Fördermittel und kommunale Zuschüsse, allein aus eigener Kraft durch die Mitglieder in 5.694 freiwilligen Aufbaustunden, getreu dem Motto: „Aus alten Wurzeln neue Kraft!“. „Gut 60.000 DM stecken darin. Das einzige nicht in Eigenleistung entstandene  ist die Lüftungsanlage für ca. 15.000 DM“, erzählt Hartmut Straaß. Wenn heute die Stadt Zuschüsse für die Betreibung von Sportstätten reduziert oder streicht, Sportvereine um ihre Existenz bangen, dann spüren die PSG - Mitglieder, was sie an ihrem Verein und ihrer Sportstätte haben, die sie von Beginn an allein finanzieren mussten. Noch heute zeigt der 1. Vorsitzende mit ganzem Stolz den Sportpreis in der Kategorie „Nie aufgegeben!“, welcher der PSG vom Stadtsportbund 2011, anlässlich des Geraer Sportlerballs, für ihr beispielgebendes Engagement überreicht wurde.

An Aufgeben ist nicht zu denken. So endete die Laudatio von Hartmut Straaß, anlässlich des 25-jährigen Jubiläums, mit den motivierenden Worten: „Auf die nächsten 25 Jahre und weiter!“.

116 Mitglieder im Alter zwischen fünf und 87 Jahren zählt der Verein. Als „13 Aufrechte“ gingen sie die Wiedergründung im Januar 1990 an. Auch sportlich machte und macht die Privilegierte Schützengesellschaft Gera von sich Reden. Und wenn eingangs von einem scharfen Auge die Rede war, stimmt das nicht ganz. Dirk Willmaser und Sandro Thielemann demonstrieren bei sportlichen Wettkämpfen präzise Treffsicherheit. So konnte Dirk Willmaser bei den 51. Deutschen Meisterschaften der Gehörlosen einen hervorragenden 2. Platz belegen. Sandro Thielemann, der vom Ehrenmitglied Günther Michel (87) trainiert wird, kann auf eine Vielzahl Erfolge bei Deutschen Meisterschaften verweisen. Besonders stolz ist man auf die Leistung von Michael Raps, als Mitglied der Nationalmannschaft der Long-Range Schützen im Bund der Militär- und Polizeischützen. Bei den Weltmeisterschaften des Grand National im britischen Bisly sicherte er sich in der Disziplin Conen Doyle die Bronzemedaille. Auch für 2015 hat er die WM im Visier, die in Camp Perry USA ausgetragen wird. Sandro Thielemann hat sich für die Deutsche Meisterschaften 2015 in der Disziplin Luftdruckgewehr qualifiziert, wie auch Julian Raps, der bereits bei drei Deutschen Meisterschaften Erfahrungen sammeln konnte.

Mit Pokalwettkämpfen wird das Engagement von ehemaligen Schützen aus dem Verein geehrt, so der Erich Dießner Gedenkpokal mit Luftpistole, der Horst Wieland Gedenkpokal mit dem KK-Gewehr, der Heinrich Scheibe Gedenkpokal mit dem KK-Gewehr. Den Preis des Prinz Reuß Pokals – ein Silberbecher von 1834 aus dem Besitz der Familie Reuß als Wanderpokal – sicherte sich 2014 Martin Raps. Als Neuvereinsmitglied erkämpfte sich Albert Weiler (MdB) den Titel des Schützenkönigs mit der historischen Armbrust.

Einen engen Kontakt pflegt der Verein seit 1980 mit dem Verein SSK Plzen.

Besonders ans Herz gewachsen sind den Mitgliedern die Mufflons im Tierpark Gera, für die der Verein die Patenschaft übernommen hat.

Auch historisch hat der Verein Spuren in Gera hinterlassen, die erst kürzlich wieder entstaubt wurden. Gemeint ist das Schützenfenster im Rathaus, welches nach 96 Jahren im Zuge des Fahrstuhleinbaus 2008 im Keller verschwand und mit Unterstützung von Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn in Kürze wieder einen Platz im Rathaus finden wird. 

( Reinhard Schulze, 24.01.2015 )

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