Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Messi - alles ist und bleibt wichtig

Flaschen, Dosen, Tüten, Verpackungen, Zeitungen - sie sammeln und horten alles. Sie finden jeden Gegenstand wichtig und brauchbar. Sie können sich nicht trennen und schon gar nicht können sie wegschmeißen.

Umgangsprachlich werden sie Messis genannt. Richtig heißt es, dass sie am Messie-Syndrom, am Compulsive Hoarding, zu deutsch: am zwanghaften Horten, leiden. „Sie sind unfähig den Wert der Gegenstände einzuschätzen, sie können nicht unterscheiden, ob der Gegenstand wichtig oder unwichtig, brauchbar oder unbrauchbar ist. Er muss aber auf jeden Fall in der Wohnung bleiben, akribisch beschützt, gelagert zu all den anderen Dingen, wo sein Platz ist”, weiß Gerd Junghans, Inhaber des Unternehmens „die Allesmacher”, mit Sitz in Zeulenroda-Triebes.

Er ist staatlich anerkannter Desinfektor. Er ist Spezialist für Härtefälle, wie Tatortreinigung, Beräumung von Messie-Wohnungen, Dekontamination, für extreme Gerüche, Ruß oder Schimmel.

Nach Schätzungen von Selbsthilfegruppen müssen rund 2,5 Millionen Menschen mit diesem Syndrom leben. Rechtsanwalt Björn Pfob, Vereinsvorsitzender von „Haus & Grund Gera“ e.V., beruhigt. „Auch wenn die Zahl erschreckend hoch klingt, stoßen Vermieter glücklicher Weise eher selten auf solche Problemkinder. Doch wenn es einen Vermieter trifft, kann es für diesen Existenz vernichtend sein.” Daher ist es ratsam, bei der Mieterauswahl genau hinzuschauen. „Ich empfehle jedem Vermieter sich persönlich mit Interessenten und möglichen Mietern auseinanderzusetzen. Niemals sollte man sich auf das Urteil von Dritten verlassen. Kleidung, Schmuck, Pkw - man sollte sich nicht durch das äußere Erscheinungsbild blenden lassen”, gibt der Experte in Sachen Mietrechtsfragen ein paar Tipps an die Hand und verweist auf den Eigentümerverband „Haus & Grund”. „Es ist schon gängig, dass Vermieter durch eine Mieterselbstauskunft auch die Bonität des Mietinteressenten prüfen. Unser Ortsverein bietet in Zusammenarbeit mit unseren Landesverband zudem einen sogenannten ‚Mieter-Solvenzcheck‘ für unsere Mitglieder an”, führt der Vereinsvorsitzende aus.

„Während bei einer gewöhnlichen Wohnungsauflösung das Gewicht des Hausrates zwischen 1,5 und 2,5 Tonnen liegt, kann es durchaus vorkommen, dass in einer Messiwohnung bis zu 15 Tonnen Hausrat angesammelt werden”, fasst Junghans zusammen. „Wenn wir eine Messiwohnung betreten, erschließt sich für uns immer das gleiche Schema. Für uns ein faszinierender Anblick, eine totale Ordnung, eine akribisch gebaute eigene Welt. Nach jahrelangen Sammeln führen meist nur noch kleine Pfade durch die Wohnung. Die Wanne wird unerreichbar, die häusliche und persönliche Hygiene wird allmählich vernachlässigt. Wenn es übel riecht wird ein Duftspray eingesetzt. Wenn es alle ist, hat die Dose natürlich seinen Platz und nur da. Er baut sich seine eigene Welt auf, seine Welt in seiner Wohnung mit seinen Straßen und Wegen, seinen Sackgassen”, mit diesen Worten führt uns der Experte in eine Welt, die für den „normalen” Menschen unvorstellbar ist. Denn heben wir nicht alle gern das ein oder andere auf? Es gibt eine Faustregel, zumindest handle ich nach dieser: Alles, was ich ein Jahr lang nicht benutzt habe, brauche ich wohl auch nicht mehr. Ich trenne mich davon. Es fliegt weg.

Aber: Gibt es eine Grenze zwischen gesundem und krankhaftem Aufheben? „Vielleicht ist die Grenze überschritten, wenn immer mehr in die Wohnung geschafft wird als heraus kommt. Wenn einzelne Räume nicht mehr betreten werden können oder sich die Nachbarn aufregen, weil es unangenehm riecht. Vielleicht, ja. Spätestens aber, wenn das Bad so zu gemüllt ist, dass der Bewohner das WC nicht mehr nutzen kann und anfängt Behälter, Eimer und Dosen mit menschlichen Exkrementen zu befüllen, spätestens dann, ist eine Grenze weit überschritten”, betont Junghans und will damit Augen und Nasen für Nachbarn, Verwandte und Freunde öffnen, die im Fall des Falles Hilfe und Unterstützung sein können. Denn eins ist klar, Menschen, die zwanghaft horten, sind krank.

Doch wie entsteht dieses Syndrom? Warum hortet ein Mensch sein ganzes Leben? „Es geht immer ein Ereignis vorweg. Der Tod eines lieben Menschen, die Trennung vom Partner, ein einschneidendes Erlebnis, Arbeitslosigkeit oder eine schlechte Erinnerung an die Kindheit sind meistens die Auslöser. Daraus entwickeln sich Verlust- und Trennungsängste. Dies überbrücken sie indem sie mit ihrem Abfall, Müll oder auch gesammelten Gegenständen eine emotionale Bindung aufbauen. Diese Sachen enttäuschen sie nicht oder laufen gar weg. Diese Sachen bleiben in der Wohnung, sind ihr Eigentum über die sie Kontrolle haben”, so Gerd Junghans abschließend.

Weitere Informationen finden sich unter www.allesmacher.com oder www.hug-gera.de

( Fanny Zölsmann, 24.01.2015 )

zurück