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Leitmotiv: "Keiner darf verlorengehen"

Das Signum, also wenn man so will: das "Firmenlogo", besteht aus den drei Buchstaben CJD und einem Dreieck, das die Beziehung "Mensch zu Mensch und zu Gott" symbolisieren soll. Hinter dem CJD verbirgt sich das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands e. V., dessen Geraer Berufsbildungswerk in diesen Tagen sein 10jähriges begeht. Es ist eine "gGmbH", wobei das kleine "g" auf einen bedeutsamen Aspekt des Jubilars hinweist: Die Bildungsinstitution ist ein gemeinnütziges, in die Diakonie eingebundenes Unternehmen.
Das Geraer Projekt ist das einzige dieses Profils in Thüringen. Bundesweit gibt es 49 ähnliche Einrichtungen, die dem christlichen Menschenbild verpflichtet sind. Was heisst: Oberstes Ziel ist die ganzheitliche Förderung des Menschen, und zwar aller Menschen. Sagt nicht die Bibel schon: "Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid?" Deshalb werden im Berufsbildungswerk Gera überwiegend körperlich oder psychisch behinderte junge Menschen betreut und ausgebildet. Sie sollen die Chance für eine Berufsausbildung erhalten, die für sie in einem Betrieb nicht oder kaum möglich ist. Wie Direktor Gerd Pähler und Ausbildungsleiter Dipl.-Päd. Jürgen Kiß vor der Presse darlegten, ist für die 156 Mitarbeiter Leitfaden ihres pädagogischen Handelns das ebenfalls aus dem Buch der Bücher stammende Wort "Keiner darf verlorengehen", ergänzt durch die Prämisse "Jedem seine Chance!" Aktuell findet zur Zeit eine Ausbildung in 23 Berufen statt. Die derzeitige Aufnahmekapazität umfasst 291 Plätze. Belegt werden alle Lehrjahre sowie Förderlehrgänge. Innerhalb der neun Berufsfelder ist aus verständlichen Gründen die Nachfrage nach Büroberufen besonders groß. Künftig soll, was es bundesweit bisher nur sporadisch gibt, die Ausbildung zum Beruf des "Recyclingwerkers" angeboten werden. Angestrebt für 2001 wird auch eine Qualifizierung zum Mediengestalter. Die Anforderungen bei der Prüfung sind deckungsgleich zum normalen Berufsgang. Die "Schüler" erhalten also keineswegs eine Schmalspurlehre. Im Gegenteil. 96,4 Prozent der Teilnehmer haben im vergangenen Jahr die Facharbeiterprüfung mit Erfolg bestanden - ein Gütesiegel für die Ausbildungsbemühungen! Jährlich werden etwa 100 junge Leute (Jungen und Mädchen im gleichen Verhältnis, Alter: zwischen 16 und 27) zur Prüfung geführt.
Auf Nachfrage von Neues Gera umriss Gerd Pähler den keineswegs problemlosen Start vor zehn Jahren. Es begann 1990 in angemieteten Räumen der ehemaligen Zeiss-Werkstätten in der Keplerstraße. Die Teilnehmerzahl von damals 36 nimmt sich bescheiden aus. Aber sie wuchs von Jahr zu Jahr. Bis heute wurde etwa 1.000 jungen Menschen die gesellschaftliche Integration ermöglicht.
Auf Leumnitzer Flur, versteckt fast am Rande der Stadt, vielleicht sogar von manchem Geraer bis heute noch nicht einmal bemerkt, befindet sich das jetzige, 19 Hektar umfassende Areal des Bildungswerkes mit seinem modernen attraktiven Komplex von etwa 20 Gebäuden. Das nach zweijähriger Bauzeit 1994 in Betrieb genommene Projekt kostete die stolze Summe von 124 Millionen Mark. An den Kosten beteiligten sich das Bundesministerium für Arbeit, die Bundesanstalt für Arbeit und das Land Thüringen. Der aus Westfalen stammende Pähler bereut nicht, nach Gera gekommen zu sein und das Vorhaben mit aufgebaut zu haben. Es mache einfach Freude, menschliche Zuwendung zu vermitteln und Behinderten die Chance einer beruflichen Ausbildung und der Berufstätigkeit zu geben. Allerdings sieht der Direktor mit einer gewissen Sorge, dass sich gegenwärtig in der Politik Entwicklungen vollziehen, die das Bildungs- und Sozialwerk des Vereins und seiner Bildungsinstitution gefährden. Der Trend zur "Budgetierung", wie er sich im Gesundheitswesen abzeichnet, ist ein Unding. Menschliche Zuwendung sei nicht in Mark und Pfennig messbar, Rehabilitation mehr als pure Dienstleistung nach nüchternen Kosten-Nutzen-Rechnungen.
Vielleicht sollten alle die, die über die Mittelzuteilung zu entscheiden haben und jetzt beim Solidarunternehmen Bildungswerk knausern wollen, an ein weiteres Bibelwort erinnert werden: "Geben ist seliger denn nehmen."

( Harald Baumann, 16.12.2000 )

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