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Nach wie vor nicht auf Rosen gebettet

Schon gehört von der neuen Werbeaktion von "BILD"? Ihr Gag sind verkürzte Sätze. Beispiel: Dubidodo. Das ist verballhornt für "Du bist doch doof". Da wir von diesem ausgesprochenen Schwachsinn nichts halten, hier ein ganz normaler vernünftiger Satz: "Der Tourismus in Ostthüringen hat Grund zu verhaltenem Optimismus." So sieht es zumindest die Einschätzung der Industrie- und Handelskammer Ostthüringen zu Gera (IHK), die dieser Tage von Geschäftsführer Bernd Fischer und Mitarbeiter Jürgen Höhner vor der Presse erläutert wurde.
Mitten im traurigen Monat November holten die beiden die sonnigen Tage des Sommerhalbjahres verbal zurück. Obwohl die Tourismuswirtschaft die Ergebnisse des Vorjahres (1999: Goethejahr mit Besucheransturm in Weimar und sogar bis Gera spürbar!) nicht erreichte, konnte eine Steigerung gegenüber 1998 erzielt werden. Bei einer Umfrage unter 140 Unternehmen berichteten rund 33 Prozent von einer guten und knapp 45 Prozent von einer ausreichenden Geschäftslage.
Allerdings haben sich Übernachtungszahlen, Zimmerauslastung und Aufenthaltsdauer der Gäste nur unwesentlich verändert. Umsätze und Erträge sind jedoch zurückgegangen. (Bis August war der Umsatz im Gastgewerbe Thüringens um fast sechs Prozent abgesackt). Mit der durchschnittlichen Auslastung von 33 Prozent ist das aber so eine Sache. Denn es gibt Hotels, die 50 oder sogar 60 Prozent erreichen. Von Januar bis September haben in ostthüringischen Betten rund 3000 Gäste mehr als im Vorjahr geschlummert. Den Vogel schießt das sonst so gebeutelte Altenburg ab mit 50 Prozent mehr Übernachtungen im 3. Quartal gegenüber den Vorjahr.

Geraer Unternehmen hingegen sind nicht auf Rosen gebettet. Die 20 Beherbergungsbetriebe zählten im 1. Halbjahr 71.613 Übernachtungen. Den Gast hielt es durchschnittlich nur zwei Tage in der Elstermetropole, so dass die Bettenauslastung auf magere 23,7 Prozent sank.
Im Hoheitsgebiet der IHK Ostthüringen gibt es rund 3600 Hotels und Gastronomiebetriebe, vom Vier-Sterne-Hotel bis zur Frittenbude. Die Branche erwirtschaftet immerhin fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Also durchaus ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor! Da kann es niemanden kalt lassen, ob viel oder wenig in- und ausländische Besucher uns die Ehre geben.
Deshalb ist es schon höchst erfreulich, wenn auf eine entsprechende Anfrage von Neues Gera die beiden IHK-Vertreter mitteilen konnten: Die Landesgartenschau in Pößneck haben knapp 600.000 Leute aufgesucht und beim EXPO-Projekt Wismutregion Ronneburg waren es wider Erwarten immerhin auch 60.000. Ja, selbst so eine scheinbare Nebensache wie der "Thüringen-Ost-Pokal" unserer Skatspieler stieß auf ungewöhnlich großes Interesse. Aufhorchen lässt auch diese Beobachtung: Zunehmend kommen wieder Kurzurlauber aus dem Chemiedreieck Halle-Leuna-Merseburg in unsere Region. Das hat schon mal in den 20er und 30er Jahren geboomt.

Es schmerzt deshalb umso mehr, wenn der Tourismusbranche Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, so in Gestalt hoher Steuern und unverschämter Benzinpreise. Ein hausgemachtes Hindernis sind schlecht koordinierte Straßenbaumaßnahmen, die beispielsweise das hübsche Urlauberstädtchen Ziegenrück zeitweilig nahezu vollständig von der Außenwelt abschnitten. Der härter werdende Wettbewerb veranlasst die großen Häuser zu Dumpingpreisen, die die "Kleinen" in arge Bedrängnis bringen.
Soll Ostthüringens Tourismus auf Touren kommen, kann die Devise nur lauten: Qualität und Service und immer wieder Qualität und Service. Sein oder Nichtsein, touristische Service-Wüste oder Erlebnisparadies - das ist hier die Frage. Nur kreative Marktarbeit lockt Touristen ins Land. Das heißt aber kundenfreundliche Angebote zu unterbreiten, eine breite Palette origineller Dienstleistungen auf die Beine bringen, Eigeninitiative an den Tag legen. Wer beispielsweise seinen Gästen ein Ausflugsprogramm anbietet, Tanzabende, musikalische Veranstaltungen oder geselliges Beisammensein organisiert, ein delikates Speisenangebot und vorzüglichen Zimmerservice mit Jubel, Trubel und Heiterkeit verbindet, sichert sich ein volles Haus.
Schlüsselfrage dabei: die wesentlich qualifiziertere, Ressortdenken überwindende serviceorientierte Zusammenarbeit von Fremdenverkehrsverbänden, Tourismus GmbH, Vereinen, Stadtverwaltungen und Landratsämtern. Dazu gehört: Wer nicht wirbt, der stirbt. Erfreulich deshalb, dass in diesen Tagen im Sat 1-Frühstücksfernsehen für die Reize Thüringens geworben wurde, so für den Schmöllner "Reußischen Hof" und die Stadt Altenburg. Gut beraten ist jeder, der sich über Internet, E-Mails und Call-Center Gäste ins Haus holt.
Um auf die makabre "BILD"-Werbung zurückzukommen: "Hatuluaueibi?" fragt sie, was so viel heißen soll wie "Hast du Lust auf ein Bier?" Haben wir nicht! Aber vielleicht auf ein vorweihnachtliches Thüringer Kräuterlikörchen. Damit möchten wir auf die Ostthüringer Tourismusbranche anstoßen und ihr gutes Gelingen 2001 wünschen.

( Harald Baumann, 09.12.2000 )

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