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Es geht um elementare Dinge

Zu Hause rausgeflogen oder selbst abgehauen, fehlt so manchem die neue Decke über dem Kopf. Den Stress mit den Eltern und in der Schule oder Firma vergessen. Neues beginnen… Das sagen sich wohl die meisten Kinder und Jugendlichen, die den Weg in die Kontaktstelle für Straßensozialarbeit finden. Oft wissen sie einfach nicht mehr weiter, suchen Rat bei Gleichaltrigen, die selbst ratlos sind. Für sie ist es schon Glück zu nennen, eine fundierte Unterstützung zu erhalten. Dabei können Verständnis für scheinbar verfahrene Situationen und das Aufzeigen von Auswegen sehr hilfreich sein. Wenn Manuela Uhlig und Andreas Baude, beide Straßensozialarbeiter der Stadt Gera in der Lusaner Kontaktstelle „street“, Werner-Petzold-Straße 10, vor Ort sind, dann ist für Schüler, Lehrlinge und junge Erwachsene von zehn bis 27 Jahren guter Rat nicht teuer, sondern kostenlos wie eine warme Mahlzeit, wenn sie notwendig ist. Es gehört zu den Grundprinzipien der Straßensozialarbeiter, junge Menschen ernst zu nehmen, ihnen immer wieder Vertrauen entgegen zu bringen, aber auch Grenzen aufzuzeigen. Rückschläge sind inbegriffen.

Beim Rundgang durch die Räume fällt auf, dass sie genau den Bedürfnissen der Kontaktstelle entsprechen, die zum Fachdienst Kinder- und Jugendhilfe der Stadtverwaltung gehört. „Auf den Umbau der unteren Etage der ehemaligen kombinierten Kindereinrichtung konnte ich Einfluss nehmen. Als wir hier vor 20 Jahren einzogen, hatten wir optimale Bedingungen. Die brauchten wir auch, denn der Bedarf war damals sehr groß“, erklärt Andreas Baude. „An den großen Aufenthaltsraum schließt sich die Küche an. Weiter gibt es einen Sanitärtrakt mit Dusche sowie das Büro. Über die große Terrasse sind die Werkstatt und der Fitnessraum, in dem auch unsere zwei Bands proben, zu erreichen. Und das riesige Gartengelände bietet mehr als nur Sportmöglichkeiten.“ Wichtig ist auch, dass die Kontaktstelle für sozial benachteiligte Kinder und Jugendlichen, die schon mit dem Gesetz in Konflikt gerieten, als geschützter Raum angesehen wird. Deshalb gibt es zwei separate Eingänge. So können unliebsame Begegnungen vermieden werden.

„Im vorigen Jahr haben wir Kindern und Jugendlichen im gesamten Stadtgebiet 187 Mal individuell geholfen. Die Hälfte von ihnen wird heute noch weiter betreut, weil umfassende Probleme nicht in kurzer Zeit gelöst werden können. Außerdem waren wir an so genannten Brennpunkten bei 36 Gruppen vor Ort. Für diese hatten wir fast aller 14 Tage Freizeit- und erlebnispädagogische Maßnahmen im Angebot. Auch das Lagerfeuer mit Backofenbetrieb in der vergangenen Woche bringt junge Leute zusammen, die sich sonst eher aus dem Weg gehen würden“, meint Manuela Uhlig, die für Lusan zuständig ist. Andreas Baude betreut Kinder und Jugendliche im gesamten Stadtgebiet, Ortsteile inklusive. In der Kontaktstelle selbst berieten die beiden Mitarbeiter rund 100 Kinder und Jugendliche sowie junge Erwachsene. Es ist auch Aufgabe der Kontaktstelle, gemeinnützige Arbeitsstunden zu organisieren. Über die Jugendgerichtshilfe und Bewährungshilfe wurden im vorigen Jahr von 21 Jugendlichen und jungen Erwachsenen 5.200 solche Stunden im Haus oder im Gartengelände geleistet.

„Im Gegensatz zum ‚Bumerang’ findet hier keine Betreuung von Kindern mit verschiedenen Freizeitangeboten statt, sondern es geht um elementare Dinge, wie Hunger und Durst zu stillen, Klamotten zu waschen oder einfach zu duschen. Das Kochen und die Hilfe bei täglichen Verrichtungen haben unsere zwei Bundesfreiwilligendienstleistenden übernommen“, so Andreas Baude.

„Nicht zu vergessen, dass junge Muttis, die in schwierigen Verhältnissen leben, ebenfalls zu uns kommen“, ergänzt Straßensozialarbeiterin Manuela Uhlig. „Manche von ihnen kennen unsere Kontaktstelle schon aus Kindertagen. Sie fühlen sich hier noch immer gut aufgehoben. Das trifft auch auf deren Kinder zu, die sich schon auf die jährliche Weihnachtsfeier freuen. Wir haben es hier bereits mit der zweiten Generation zu tun.“

Von 1998 bis 2006 mietete sich der Streetwork GERA e.V. mit einer Wärmestube für obdachlose Jugendliche und junge Erwachsene in die Kontaktstelle ein. Jeweils von November bis März nutzten jährlich bis zu 37 von ihnen rund 600 Mal die Möglichkeit unterzukommen und zu schlafen. „Das war damals schon ein Kraftakt“, berichtet Andreas Baude. „Täglich musste der Aufenthaltsraum abends zum Schlafen umfunktioniert werden. Früh wurde wieder ein Gemeinschaftsraum daraus. Als Aufsicht waren pro Saison fast 50 ehrenamtliche Helfer auch über Nacht anwesend. Wir Mitarbeiter mussten rund um die Uhr erreichbar sein. Auf die Dauer war das von uns allen aber nicht mehr zu stemmen. Diese Funktion hat seitdem der Streetwork GERA e.V. in eigenen Räumen übernommen.“  

( Dietmar Walther, 17.10.2014 )

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