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Ein Imker aus Leidenschaft

Es ist die Freude an den Bienen, die Rolf-Dieter Gebhardt zu diesem Hobby gebracht hat. Ein Hobby, das viel von der Leidenschaft und der Kompetenz lebt. Der Geraer ist aktiver Imker und seit 22 Jahren Vorsitzender des Imkervereins „Goldene Weisel e.V.“. Besonders interessant an seinem Hobby ist das Miterleben der Entstehung einer sozialen Einheit in der Natur, die für eine blühende Umwelt mittels Bestäubung sorgt.

Die emsigen Insekten schwirren um seinen Kopf, ein dumpfes Dröhnen ist zu hören. Rolf-Dieter Gebhardt bleibt entspannt. Früher bewegte er sich zwischen seinen Lieblingen in voller Imkermontur. Heute kann er darauf verzichten. „Wer so lange mit den Bienen gearbeitet und Erfahrung im Umgang mit ihnen hat, der ist immun gegen die Stiche. Klar, es piekst immer noch etwas, aber das stört mich nicht weiter. Es ist nicht einmal mehr eine Schwellung zu sehen“, erzählt er. Doch wenn es dennoch mal brenzlig wird, dann hat Rolf-Dieter Gebhardt seinen Schmocker bei der Hand. Der so versprühte Nebel aus verbranntem Eierkarton hält dann die Bienen von ihm ab.

Ein Leben ohne seine Lieblinge, das könnte sich der umtriebige Rentner nicht mehr vorstellen, seitdem er vor 35 Jahren mit der Imkerei begonnen hat. Die Liebe zu den Bienen geht auf seine Frau Edith zurück. „Das hat man davon, wenn man eine Imkerin heiratet“, scherzt der heute 72-Jährige. Sie war eines von sechs Mädchen und einem Jungen, die in Pillnitz bei Dresden das Imkerhandwerk von der Pike auf gelernt haben. Man trifft sich noch regelmäßig. Drei von ihnen betreiben die Arbeit mit den Bienen noch heute intensiv.

Ehefrau Edith ist für die Herstellung von Honig und weiteren Bienenprodukten zuständig. Für Rolf-Dieter Gebhardt steckt hinter seinem Hobby mit den Bienen mehr, wie er erklärt: „Es geht um den Umweltgedanken und die Bedeutung der Bienen in der Natur. Sie tragen erheblich zum Erhalt von Wild- und Kulturpflanzen und zu deren Erträgen bei und zählen zu den wichtigsten Bestäubern“. So sei auch der Schutz der Bienenvölker sehr wichtig. Ganz gefährlich sei beispielsweise die Milbe Varrao, so der Imker, die jährlich tausende Bienen vernichtet. Dagegen hilft nur die Behandlung der Bienen mit Medikamenten, was allerdings sehr kostenaufwendig ist.

Auf gut 1.000 Euro beziffert er das Anfangskapital für zwei Bienenvölker. Die Honigbiene lebt in einer Gemeinschaft im Sommer von bis zu 60.000 und im Winter von bis zu 20.000 Bienen. Im Frühjahr fiebert er mit, bis es endlich losgeht. Anfang bis Mitte April beginnt der Vermehrungsdrang der Völker, von denen er derzeit 14 hat. Betreut werden diese am heimischen Standort und im Tierpark Gera. Die Bienen schwärmen geradezu aus, um sich zu vermehren und ihre Völker zu vergrößern. Die Zeit der Bestäubung zieht sich über den ganzen Sommer. Obstbäume, sowie blühende Hecken und Sträucher sind das Ziel. Das Ergebnis: Aufgrund der Bandbreite der heimischen Flora ein sehr ausgewogener Honig, die sogenannte Tracht. Bis zu vier Mal im Jahr wird bei Gebhardts geschleudert. „So sichere ich reine Honigsorten“. Als besonderes Produkt aus der Bienenproduktion schwört er auf Propolis, welches in der Volks- und Alternativmedizin Verwendung findet. „Die intensive Zeit der Imkerei ist somit Frühjahr und Frühsommer, wenn sich die Bienenvölker ausbilden, die Aufzucht erfolgt, sich die Königinnen, aber auch die Drohnen herausbilden“, erläutert er. „Zu DDR-Zeiten waren es sogar bis zu 75 Bienenvölker, die er versorgte. Der Vertrieb lief über Eier & Geflügel. Heute ist das eigene Marketing gefragt“, begründet er den Umstand, dass es nur noch wenige gibt, die die Bienenzucht professionell betreiben. Im Durchschnitt liefert ein Volk 30 Kilogramm Honig.

Es ist ihm ein Anliegen, sein Wissen über die Bienen weiter zu geben. So sind Vorträge vor den Landfrauen, Lehrern, ja selbst vor Studenten an der Friedrich-Schiller-Universität Jena keine Seltenheit. Am liebsten aber arbeitet er mit Kindern. So ist der Bienenlehrpfad im Geraer Tiergehege schon fast zu einem zweiten Zuhause geworden. Doch auch am Bienenpfad in der Neuen Landschaft Ronneburg ist er anzutreffen, darunter auch zum Tag der Umwelt, der Dank der Förderung durch die Geraer Bank eG viele Schulklassen aus der Region Gera und Greiz nach Ronneburg führt. Heute betreut der langjährige Imker und Zucht - Obmann des Vereins Peter Bäuml diesen Lehrpfad intensiv und sehr gut.

So war es auch sein ehrenamtliches Engagement, was die Vereinsmitglieder veranlasste, ihren Vorsitzenden anlässlich der „Grünen Tage Thüringens“ für die Ehrung „Thüringer Bienenfreunde 2014“ vorzuschlagen. Überreicht wurden Ehrenurkunde und Ehrenplakette vom Thüringen Minister für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz, Jürgen Reinholz.

50 Mitglieder zählt der Geraer Imkerverein. Das Durchschnittsalter liegt bei 54 Jahren, „was sehr gut ist“, so der Vorsitzende. Begonnen hatte man nach 1989 mit sechs älteren Imkern. Vier bis sechs kommen jährlich dazu. Nur mit der eigenen Nachfolge scheint es nicht so recht zu klappen. „Ich habe elf Enkel. Doch die treiben Sport, sind in anderen Vereinen oder sitzen vor dem Computer. Nur für die Bienen konnten wir sie nicht so recht begeistern“, so Rolf-Dieter Gebhardt, eher etwas besinnlich.

Über die Vielfalt der Produkte aus der Bienenzucht, informiert ein Schaukasten am Eingang zum Grundstück von Rolf-Dieter und Edith Gebhardt in der Maler-Reinold-Straße 34. „Ab und zu wird schon gefragt, ob die ausgestellten Produkte zu kaufen sind. Aber eigentlich ist der Schaukasten mehr dazu gedacht, die Spaziergänger auf die Wichtigkeit der Bienenzucht und die Erhaltung unserer Bienen aufmerksam zu machen. Bestimmt jeder kennt den Satz von Albert Einstein: ‚Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben‘.” Dem ist, so Rolf-Dieter Gebhardt, nichts hinzuzufügen. Der Verein besteht seit 1879 und ist im Besitz des Gründungsbuches. www.Goldene-Weisel.de 

( Reinhard Schulze, 10.10.2014 )

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