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Seit 125 Jahren den Schätzen auf der Spur

125 Jahre sind ein stolzes Alter – selbst für einen Verein. Aber genau dieses Jubiläum kann der „Verein für Briefmarkenkunde zu Gera“ am kommenden Sonnabend ab 9 Uhr im „Comma“ mit einer Feierstunde begehen.

Vor allem wohlhabende Bürger waren es, die eine Leidenschaft für Briefmarken entwickelten und sich zu Vereinen zusammenschlossen. Günter Peetz, Schriftführer des Geraer Vereins, kann dazu genau Auskunft geben: 1869 gab es den ersten deutschen Verein in Heidelberg, 1889 hob Arthur Ernst Glasewald in Gößnitz den „Mitteldeutschen Philatelisten-Verband“ aus der Taufe und Gera folgte ein Jahr später. Vereinslokal war das „Deutsche Haus“ auf dem Markt. Vorsitzender wurde Karl Schwartz, der eine damals sehr bekannte Glas- und Porzellanwarenhandlung in der Großen Kirchstraße führte, die bis etwa 1948 bestanden hat. „Die Zahl der Mitglieder, war noch gering, aber bereits unter der Jugend entwickelte sich der Drang, seltene Briefmarken zu besitzen”, stellt Günter Peetz fest.

Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges war die Vereinsarbeit zunächst am Ende, erst ab 1920 ging es wieder aufwärts. An der Neugründung des Vereins 1921 war Willy Busch aktiv beteiligt, später unterhielt er bis 1975 in der Schloßstraße sogar einen Briefmarken- und Zeitschriftenhandel, seine Internationale Briefmarken-Tauschvereinigung ‚Reform‘ hatte über viele Jahre Bestand. Die Nazis setzten auch die Geraer Sammler unter Druck, sie wurden im Juni 1937 in die so genannte NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ einverleibt. „Willi Busch war es auch, der nach dem Krieg den Vereinsgedanken am Leben erhielt“, berichtet Günter Peetz weiter. Anfang 1946 wurde der Verein dem Antifaschistischen Sportamt unterstellt, Ende des Jahres zur „Sportgemeinschaft der Briefmarkensammler“ zusammengefasst. Stolz waren die Vereinsmitglieder, dass sie bereits im Mai 1948 die erste „Große Briefmarkenausstellung“ organisieren konnten. Der Erlös der dabei verkauften Spendenkarten diente dem Aufbau des heutigen Stadtmuseums.

1949 wurden die Briefmarkenfreunde dem „Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ als „Kommission Philatelie“ angeschlossen. Später, als sich die Organisation zum „Kulturbund der DDR“ umbenannte, gab es wieder einen „Philatelistenverband im Kulturbund der DDR“. Die Zahl der Mitglieder nahm zu, neue Arbeitsgemeinschaften wurden gebildet. Die internationale Tauschtätigkeit wurde allerdings durch eine umständliche und bürokratische Kontrolle erschwert und zensiert. Geraer Sammler machten trotzdem auf vielen nationalen und internationalen Ausstellungen mit ihren Exponaten aufmerksam, die u.a. von Günter Schnuck, Gerhard Odebrett, Herbert Nowak sowie Hannelore und Horst Schmidt stammten. Besondere Aufmerksamkeit fand 1990 in Wien das Exponat „Aus Geras Postgeschichte 1770 – 1983“. Hannelore Schmidt konnte dafür eine Silber-Medaille aus der Donau-Stadt nach Gera holen. Zum 120. Geburtstag des Geraer Vereins schenkte sie das Exponat der Stadt Gera.

„Noch vor dem endgültigen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990 trafen sich Sammler aus allen Geraer Arbeitsgemeinschaften zur Gründung eines unabhängigen Sammlervereins”, erinnert sich Vereinsvorsitzender Werner Clement. Sie fand im „Comma“ statt, der Traditionsname des Vereins wurde wieder angenommen. Im Oktober 1993 fand in Gera der 47. Bundestag – 94. Philatelistentag in Gera mit allen Landesverbänden und ausländischen Gästen in Gera statt, der Oberbürgermeister hatte sogar zu einem Festempfang eingeladen.

Gegenwärtig hat der Verein 30 Mitglieder, deren Sammelgebiete neben der Briefmarke selbst Briefe, Stempel und andere Belege aus dem breiten Bereich der Philatelie umfassen. Die Gewinnung junger Mitglieder ist schwierig, obwohl gerade die Verknüpfung mit den Möglichkeiten des Internets die Forschung erheblich erweitern. Mit Sicherheit gibt es z.B. noch Belege zur Einbeziehung Geras in das deutsche Luftpostnetz ab 12. April 1925. Damals gab es sogar einen Poststempel „Gera-Flughafen“ oder einen Flugbestätigungsstempel. Solche Glücksfunde kann man mit Sicherheit auch heute noch machen

( Reinhard Schubert, 26.09.2014 )

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