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Muldenhauer - der letzte seiner Art

Wer kennt heute noch den Seifensieder, den Metalldrücker oder den Muldenbauer? Während andere Handwerker wie Bäcker, Schlosser oder Klemmer geläufig sind, sind andere Gewerke bereits ausgestorben oder äußerst selten geworden. Der Jenaer Autor Dr. Albrecht Börner und der New Yorker Fotograf Russel Liebman haben diese seltene Handwerke in Mitteldeutschland aufgespürt und ein Buch verfasst, dass im Jenaer Verlag Dr. Busser & Stadeler erschienen ist. Für das Geraer Museum für Angewandte Kunst, das sich auch als Podium für Alltagskultur, Handwerkskunst und Kunsthandwerk versteht, war dies ein Anlass, das, was die Buchseiten füllt, plastisch darzustellen. "Seltenes Handwerk in Mitteldeutschland" nennt sich die Ausstellung, deren Vorgeschichte eigentlich 1988 beginnt. Zu diesem Zeitpunkt schrieb Albrecht Börner an einem Buch über seltene Handwerke, das 1990 auch im Verlag der Nationen, wo er als Lektor tätig war. erschienen ist, aber im Trubel der Wendezeit wenig Aufmerksamkeit errungen hatte. Später kam der Jenaer Verlag Dr. Busser & Stadeler auf die Idee, Dr. Börner solle erkunden, was aus Befragten von damals geworden ist, und so erschien zehn Jahre danach ein neues Buch mit frischen einfühlsamen Fotos des in Berlin lebenden Amerikaners Russel Liebman. "Für mich bedeuten Handwerk Fähigkeiten, Fertigkeiten, Entwicklung und kulturelle Tradition", sagte der Autor. Technik und Automatisierung lasse viele handwerkliche Berufe aussterben. Mit dem Moment des Erfassens bewahre man sie vor dem Vergessen. Insgesamt hat er Handwerkern auf die Finger geschaut, sie porträtiert und die Arbeitsgänge geschildert. Die Ausstellung widmet sich 27 Handwerkern, die zwischen Tangermünde und Dresden, Leipzig und Suhl. Sie führt den Betrachter zu Arbeitsmaterial, Werkzeuge und Erzeugnisse. Großfotografien zeigen die Handwerker bei Arbeitsvorgängen und in ihren Werk- und Wohnstätte. Aus Gera ist die Intarsienschneiderin Anne-Grit Kuhn vertreten, die in der alten Porzellanfabrik Roschütz ihre Werkstatt hat. Aus der weiteren Nachbarschaft, aus Bad Klosterlausnitz, lernt man den Leitermacher Gerhard Dämmrich kennen, der aber ohne bestimmte maschinelle Arbeitsgänge nicht mehr auskommt, um einigermaßen effektiv zu sein. Holzleitern werden noch in der Landwirtschaft, in Haus, Hof und Garten gebraucht, aber total verdrängt wurde die Mulden und Erzeugnisse, die ein Muldenhauer fertigt. Der letzte seines Berufsstandes ist Erich Dämmrich, der in Klosterlausnitz zu Hause ist. Heute ist Rentner, kann aber immer noch auf Wunsch, vielleicht von einem Heimatmuseum, Ökobauern oder Hausschlächter Mulden hauen. Keine Sorgen über ihren Broterwerb müssten sich der Musikinstrumentenmacher aus Zella-Mehlis und der Metallblasinstrumentenbauer aus Leipzig machen, weiß Albrecht Börner. Weltweit seien die Instrumente begehrt. Auch der Büchsenmacher Helmut Adamy aus Suhl findet Absatz für seine Produkte. Allerdings: eines seiner Erzeugnisse in Gera ausstellen zu dürfen, war nicht so einfach. Wie Museumsdirektor Hans-Peter Jakobson schmunzelnd berichtete, musste er erst beim Geraer Grünamt einen Antrag für einen Waffenberechtigungsschein stellen. Nun, da ihm eine provisorische Bescheinigung erteilt wurde, darf er die Waffe aus Suhl in einer Vitrine im MAK ausstellen. Stockmacher,. Blaudruckerin, Bogenbauer, Bürstenmacherin, Formenstecher, Metalldrücker, Zangenschlosser, Taktstockhersteller oder Posamentiererin sind weitere Berufe, die in der Schau benannte werden. Sie ist bis zum 14. Januar 2001 zu sehen.

( NG/hs, 02.12.2000 )

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