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Szenen des Krieges – Die Kunstsammlung in der Orangerie

Krieg, Gewalt, Tod und die damit verbundenen Emotionen konnte man in den letzten Wochen in der Kunstsammlung der Orangerie betrachten. Das Zentrum der Ausstellung ist mit Absicht intensiv und auffallend rot gestaltet worden. Die rote Farbe soll das Herz der Ausstellung symbolisieren. An diesem Beispiel möchte ich diese Woche die Gestaltungsweise und die hintergründigen Arbeiten der Kunstsammlung vorstellen.
Bevor eine Ausstellung entstehen kann, muss man sich erst einmal bewusst machen: was hab ich in der Sammlung des Museums und was könnte davon in die Ausstellung passen. Aus Karteikarten werden die Kunstwerke ausgewählt. Dabei muss man beachten, dass man den Zustand eines Werkes anhand der Karteikarten nicht feststellen kann. „Die Auswahl muss an den Originalen erfolgen“, erklärt Holger Saupe, Leiter der Kunstsammlung. Ganz wichtig bei dieser Arbeit ist, dass eine gute Recherche der Kunstwerke erfolgt, denn nicht immer kennt man die richtigen Daten eines Bildes. Durch die Recherche entstehen die kleinen Tafeln neben oder unter den Bildern. In der Vorarbeit wird jedes einzelne Bild in sogenannten Passepartouts gesetzt, welches das Kunstwerk in vollem Rahmen zeigt und von der Glasfläche abgrenzt.
Holger Saupe führt mich bei meiner Erkundung der Kunstsammlung thematisch durch die Ausstellung „Szenen des Krieges. Entsetzen, Trauma und Tod“. Es ist eine Ausstellung, die fast nur Zeichnungen und Druckgrafiken aus der eigenen Sammlung des Museums beinhaltet. „Dies ist eine Rotationspräsentation, da sich Sammlungen im Laufe der Jahre wandeln, und man als Museum gerne seine eigenen Sammlungen zeigen möchte“, erklärt Saupe weiter. Anhand der Führung kann ich erkennen, dass in der Gestaltung der Ausstellungsräume Inhalt und ein bestimmter Zweck steckt. Durch die unterschiedlich gestellten Wände sehe ich die verschiedenen, thematisierten Gruppen, die mir Holger Saupe gerne verdeutlicht und erklärt: „Man muss mit dem Charakter der Sammlung arbeiten und auf den Raum reagieren.“ Inhaltlich beginnt die Ausstellung mit detailliert gemalten Kriegsbildern, bei denen die Uniformen und Gesichter verdeutlicht und verschönert dargestellt sind. Soldaten werden als „Schönlinge“ und die Dramatik und das Sterben theatralisch in den Kunstwerken dargestellt. Erst mit dem 20. Jahrhundert erfolgt ein großer Umbruch in der Kunstgeschichte. 
Diesen Bruch verdeutlicht die Ausstellung mit dem rot gestalteten Herzen. Dort werden die Werke von Otto Dix besonders hervorgehoben. An seinen Bildern sind realistische Darstellungen des ersten Weltkrieges zu erkennen. Schmerz, Leid und Trauer des Krieges, aber auch Schlachtfelder und zerstörte Städte werden in seinen Postkarten als Thema verarbeitet. 
Daher auch die Farbe Rot, die das Leiden und den Tod emotional unterstützt. Es wird auf realistische Weise der erste Weltkrieg an der Front dokumentiert.  Weitere Kunstwerke von Paul Neidhardt, Erich Drechsler und Käthe Kollwitz, die sich auch mit dem Thema Krieg auseinandersetzten, sind in dieser Ausstellung vertreten. 
Um dies thematisch und gestalterich für den Besucher zu präsentieren, erfordert es eine gute Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlichen Mitarbeitern des Museums und den handwerklichen Mitarbeitern. Beide Seiten müssen sich einigen, wie die Anordnungen der Wände, Vitrinen und Bilder am besten auf den Besucher wirken könnten. 
Natürlich entsteht im Vorhinein im Kopf ein Bild der Räume, aber Astrid Lindinger, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, weiß aus Erfahrung: „Man muss die Gestaltung vor Ort im Raum entscheiden und alles muss optisch zusammenpassen. Ich muss es erst sehen und kann dann entscheiden, wie die einzelnen Werke hängen sollen.“ Durch die versetzte Stellung der Wände und dem roten Zentrum erfolgt eine Gestaltungswirkung, die den Besucher in das Thema einstimmen soll und durch den Inhalt leitet. Dabei werden bewusste Tiefen und verschiedene Blickwinkel gesetzt, um den Betrachter den Facettenreichtum der Ausstellung zu präsentieren. 
Diese Vorbereitungen hinter den Kulissen dauern gut vier bis sechs Wochen. 
Nach der Ausstellung wird jedes einzelne Kunstwerk aus dem Passepartout genommen und zwischen Seidenpapier gelagert. Hier bekommen sie ihre Ruhezeit und warten auf ihren nächsten Einsatz in einer neuen Ausstellung in der Kunstsammlung oder als Leihgabe in einem anderem Museum.

( Anja Thamke, 05.09.2014 )

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