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Schlagzeilen der Woche

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Schlagfertigkeit war nicht gefragt

Eine abwechslungsreiche Woche für Jürgen W. Möllemann: Am Donnerstag wird er als Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke 04 wiedergewählt, einen Tag später ist er Diskussionspartner der Wirtschaftvereinigung Ostthüringen und der Geraer FDP - die sich damit im politischen Leben zurückmeldete -, am Sonnabend erholt er sich und fehlt auf dem Strategiekongress der Bundes-FDP.
Zurück nach Gera. Um die 200 Personen, überwiegend Leute aus der Wirtschaft, hatten sich Möllemann als Diskussionspartner ins Dorint-Hotel eingeladen. Zum heftigen Meinungsstreit wollte es allerdings nicht so recht kommen, weil die ans Mikrofon Eilenden sich und ihre Unternehmen selbst darstellten und so dem Gast kaum Bälle zuspielten. Hatte aber Möllemann schon mal die Möglichkeit zur Rede, nutzte er sie gekonnt zur Selbstdarstellung. So hatte ihn Neues Gera irrtümlich als stellvertretenden Bundesvorsitzenden angekündigt, durchaus nicht als vorauseilende Gehorsamkeit, sondern ganz einfach als Fehler. Nein, so Möllemann, zum Stellvertreter eigne er sich nicht. So hörte man auf diese Weise doch die Zwischentöne, die Möllemann als Nachfolger von Gerhardt im FDP-Vorsitz handeln, oder eben von der schon einmal angemeldeten Kandidatur als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.
Was er dann noch verkündete fand die ungeteilte Zustimmung seiner Zuhörer: Abschaffung der Investitionen für den kränkelnden Steinkohlebergbau, Privatisierung öffentlicher Aufgaben bis hin in die Kommune, Senkung der Steuern für die Wirtschaft und rigorose Änderungen im Bildungssystem. Zitat: Warum kann denn eine Schule nicht privat geführt werden? Schließlich - ebenfalls mit Beifall bedacht - Änderungen im Beamtenrecht.
Einige Unternehmer gaben dem Abgeordneten ihre drückenden Sorgen mit auf den Weg, berichteten darüber, wie Bürokratie hemmen kann und ließen an der gegenwärtigen Bundesregierung nicht viel Gutes. Möllemann dürfte aber Fragen eines ganz anderen Kalibers erwartet haben - und ihnen ist er stets gewachsen. Das blieb aus, eine Chance wurde vertan. Nur einmal ermannte sich ein Anfrager: Was haben Sie denn für die Wirtschaft getan, als Sie Wirtschaftsminister waren? Möllemann parierte ge-konnt, wie immer schlagfertig und nicht ohne die ihm offenbar aus der Seele kommenden Bonmots.
Möllemann hat das FDP-"Wunder" in NRW als Landesvorsitzender geschafft: Stolze acht Prozent für die Liberalen. Wer aber denkt, Möllemann gäbe sich damit zufrieden, der irrt. Jetzt hat er sein "Projekt 18" entwickelt. Das heißt im Klartext nichts anderes, als dass er die FDP zur nächsten Bundestagswahl auf 18 Prozent führen will. Wahlforscher haben ausgerechnet, dass die ostdeutschen Länder dann acht Prozent der Stimmen für die Liberalen aufbringen müssten.
Thüringens FDP-Chef Dr. Andreas Kniepert musste lächeln: Das würde nämlich bedeuten, dass in Thüringen ein Sprung um sieben Prozent gemacht werden müsste. An Möllemann solls nicht liegen, er war schon sieben Mal in Thüringen und hat seinen hiesigen Partei-freunden weitere Hilfe zugesagt. Die Frische, die er ins politische Leben mitbringt, werden sie brauchen können.

Eine Frage ging auch an Kniepert: "Welche Schwerpunkte setzt die FDP zum Wiedereinzug in den Landtag?" Kniepert antwortete umfassend, ohne auf die Frage sonderlich einzugehen. Er braucht also Möllemann weiterhin. Und so dürfte es ihm durchaus gefallen haben, dass ihm die Geraer die Einladung abnahmen.

Wenn Möllemann Wort hält - und daran ist nicht zu zweifeln - werden wir ihn zu Wahlkampfzeiten wieder in Gera begegnen können. Darauf kann man sich nur freuen: ein markiger Politiker, ein trickreicher Stratege und geübter Rhetoriker. Nicht nur das Stehaufmännchen Möllemann!

Wer nicht so lange warten will, dem geben wir gern einen Tip von "Computer-Bild" weiter. Wer im Internet unter gruender.handwerk.de ein Existenzgründer-Seminar absolviert, kann einen Tandem-Fallschirmsprung mit dem Politiker gewinnen, "festgeschnallt am Bauch von Jürgen W. Möllemann mit 200 Kilometern pro Stunde in Richtung Erde fallen." - Und da sagen noch manche, unsere Spitzenpolitiker hätten keine Tuchfühlung zum Wähler!

( NG/ert, 02.12.2000 )

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