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30.000 Euro für Betten, Tische und Stühle

Es ist Ferienzeit. Viele Kinder genießen die freie Zeit mit ihrer Familie. Ob im Urlaub, im hiesigen Freibad, auf dem Balkon, im Garten, im Freizeitpark oder heimlich vor dem Fernseher, wenn Mama und Papa arbeiten sind. Doch für einige Kinder sehen die Ferien anders aus. Aus den unterschiedlichsten Gründen können sie den Sommer nicht mit Mama und Papa verbringen. Sie leben im SOS-Kinderdorf Gera.

In der vergangenen Woche machte ich mich auf den Weg Katrin Berthold, Leiterin des SOS-Kinderdorfes Gera, vor Ort zu besuchen.

Anlass war die Ausschüttung von 450.000 Euro Stiftungsmitteln der SOS-Kinderdorf-Stiftung. Dieses Geld hat die Organisation im vergangenen Jahr erwirtschaftet. „30.000 Euro kommt unseren Kindern zugute. Aktuell entsteht ein zweites Familienhaus für die Kinder. Die Anschaffung der Einrichtung wird darüber finanziert”, erklärt Berthold.

Ich betrat das Gehöft in der Lusaner Straße 8, eine handvoll Kinder tobten im Hof. Eigentlich glich es eher einer Kita- oder Hortgruppe, die noch auf ihre Eltern warteten. Doch sie werden nicht kommen. Den Kindern ist dies bereits klar, einige von ihnen leben schon eine Weile hier.

Im September 2013 (wir berichteten) wurde das neue und thüringenweit erste SOS-Kinderdorf eröffnet. Die erste Kinderdorffamilie hat sich bereits gut eingelebt, zwei weitere sollen folgen. „Betreut von ihrer SOS-Kinderdorfmutter können Kinder, die Schweres erlebt haben, hier neues Vertrauen fassen. Das ermöglicht es uns, diesen jungen Menschen optimal zu helfen und sie individuell zu fördern“, sagt Katrin Berthold. Es ist die Aufgabe einer Kinderdorfmutter, anders als es Erzieher meistern können, rund um die Uhr für die Schützlinge da zu sein. „Natürlich hat eine Kinderdorfmutter auch Freiräume, ein eigenes Apartment auf unserem Gelände, Urlaub, Supervisionen und Fortbildungen. Sie kann auch mit ihrer eigenen Familie hier leben”, erklärt die Leiterin. Es ist natürlich kein leichtes, eines solche Lebensaufgabe zu übernehmen. Persönliche Reife, Standing, Lebenserfahrung seien wesentliche Kriterien für eine Kinderdorfmutter, denn immerhin leben bis zu sechs Kinder in einer Familie, die sich erst als solche finden und behaupten muss.

Denn die Kinder, die hier leben, haben es bei weitem nicht einfach gehabt und werden es künftig vielleicht auch nicht leicht haben. Das jüngste ist zweieinhalb, das älteste neun Jahre alt. Es ist viel passiert, bevor das Jugendamt entscheidet, dass einzelne Kinder oder mit ihren Geschwistern nicht mehr zu Hause leben können. Bis zum Alter von zwölf Jahren haben sie dann die Chance im SOS-Kinderdorf aufgenommen zu werden und dort ihre Kinder- und Jugendzeit zu verbringen. „Mit 18 ziehen sie aus dem Dorf aus und können allein für sich sorgen, natürlich können sie jederzeit die Leistungen und unsere Hilfe in Anspruch nehmen”, verweist Berthold auf den Werdegang. Und auch wenn sie alle nun an einem neuen Ort in einer neuen Gemeinschaft zusammenleben, werden sie weder völlig aus ihrem alten Umfeld, noch aus ihren Familien herausgerissen. „Zum einen gehen sie weiter in die Schulen, woher sie kommen und zum anderen stehen den Eltern Besuchszeiten zu”, erklärt sie.

Während in den Anfangsjahren hauptsächlich Waisenkinder, die ihre Eltern im zweiten Weltkrieg verloren hatten, in den SOS-Kinderdörfern ein neues Zuhause fanden, sind es heute Heranwachsende, die aufgrund von Sucht, Missbrauch oder Überforderung der Eltern, eine neue Bleibe brauchen.

Die SOS-Kinderdorf-Stiftung vereint im elften Jahr nach ihrer Gründung 57 Treuhandstiftungen unter ihrem Dach. Zusätzlich sorgen 600 Zustifter da­für, dass das Dachkapital der Stiftung konti­nuierlich wächst. Die Erträge der Treuhandstiftungen kommen jeweils dem individuellen Stiftungszweck zugute – der Ausschüttungsbetrag der Dachstiftung wird jährlich strategisch für drei Schwerpunkte eingesetzt: Kinder, Schul- und Berufsausbildung sowie Hilfe für Notfälle. 

( Fanny Zölsmann, 08.08.2014 )

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