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Gera ist grün, bunt und zum Teil auch fahrradfreundlich

Laut der UN werden im Jahr 2050 ungefähr sechs Milliarden Menschen in Städten und Ballungszentren leben. Diese Zahl bedeutet, dass wir radikal überdenken müssen, wie wir unsere Städte gestalten und wie wir uns in ihnen fortbewegen wollen. Das Fahrrad scheint dabei eine offensichtliche Lösung zu sein, denn somit gibt es weniger Verkehr, weniger Bedarf an Straßen, weniger Mineralölverbrauch, bessere Luft und mehr Bewegung. Doch in der Gegenwart sieht das Ganze etwas anders aus. Auto- und Radfahrer sind im Verkehr nicht immer die besten Freunde und so wettert im Alltag der eine gegen den anderen. Ja, auch bei den Radfahrern gibt es Unverbesserliche, die sich an keine Regeln halten, aber trotz allem muss sich der Autofahrer an die stetig steigende Zahl der Zweiräder gewöhnen, welche gerade in Städten immer mehr genutzt werden und das Auto als fahrbaren Untersatz verdrängen. Doch wie sieht die Situation in Thüringen und eben Gera dazu aus?

Im Jahr 2012 startete der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) eine deutschlandweite Umfrage, bei welcher Thüringen nicht besonders gut weg kam und auch Gera bei Städten bis 100.000 Einwohnern nur auf Platz 186 von 252 landete. Doch woran liegt es, dass in Gera so wenige mit dem Fahrrad unterwegs sind? Hat sich bezüglich von Abstellplätzen, Sicherheit und Radwegen in den letzten Jahren etwas getan? Ja, sagt die seit 23 Jahren in Gera lebende Jana Leinert.

Die sportbegeisterte Sozialversicherungsfachangestellte ist täglich mit dem Rad unterwegs und ist der Meinung, dass mit Sicherheit noch viel für die Radfahrer getan werden muss, aber sich bereits auch einiges getan hat und die Radfahrer auch in der Ostthüringer Metropole mehr werden. „Ich fahre täglich von Debschwitz bis zur Berliner Straße. Dabei fällt mir auf, dass wir vor allem der Buga viele neue Radwege zu verdanken haben. So gibt es mittlerweile einige Radwege, farblich abgegrenzte Wege auf Bürgersteigen und auch auf der Fahrbahn markierte Wege. Natürlich ist noch Luft nach oben, denn auf den Hauptverkehrsstraßen gibt es keinen Weg und Schutz für die Biker, abgesenkte Bordsteine fehlen, Schilder bei Ausfahrten die auf Radfahrer hinweisen sind auch Mangelware und gerade außerhalb des Stadtkerns fehlen noch Radwege oder Fahrbahnmarkierungen“, erzählt Jana. Doch sie will nicht alles schwarz malen. „So gibt es zum Beispiel am Bahnhof seit einiger Zeit eine Fahrradgarage. Diese wird vor allem von Pendlern genutzt und wie ich selbst oft sehen kann, stehen hier jeden Tag viele Räder. Das Abstellen der Räder ist generell besser geworden. Jeder Laden und jedes Kaufhaus sorgt mittlerweile für genügend Abstellplätze und auch sonst habe ich in Gera noch nie Probleme gehabt, einen Platz für mein Rad zu finden“, meint sie weiter und fügt lachend hinzu: „und dabei kam es bisher auch noch nicht abhanden“. Doch nicht nur hier gibt es Pluspunkte für Gera, denn Jana Leinert weist beim Rundgang darauf hin, dass es von der Stadtmitte aus gesehen viele ausgeschilderte Radwege gibt. Diese sind vom Stadtkern mit den Ortsteilen verbunden und auch sonst gibt es mit Elsterradweg und weiteren Wegen wie zum Beispiel der vom Gessental bis nach Ronneburg, zahlreiche Möglichkeiten für eine Tour. „Insgesamt gesehen ist Gera natürlich noch keine Radfahrerstadt, aber ich sehe immer mehr Menschen, die das Auto auch mal stehen lassen und sich aufs Rad schwingen. Vor allem junge Leute sind hier ein Vorbild. Wenn ich die Stadt bezüglich Rad fahren bewerten müsste, würde ich ihr eine 3+ geben und dabei darauf setzen, das unter Einbeziehung von Umwelt-, Gesundheits- und Kostenaspekten in Zukunft auch an die Radfahrer gedacht wird, dass diese mehr werden und weitere Wege neben den zahlreichen Straßen entstehen“, blickt sie positiv in die Zukunft.

Ganz so optimistisch ist Friedrich Franke, Vorsitzender des Kreisverbandes des ADFC nicht, obwohl er sich mehr Menschen wie Jana Leinert wünscht. „Der Radverkehr hat auch bei uns zugenommen, aber auch in den andern Städten unseres Landes ist dies der Fall und so sind wir im Vergleich nicht viel besser als vor einigen Jahren“, erklärt er. Woran es liegt, dass die Masse nicht so radbegeistert ist, lässt sich dabei nicht genau sagen und liegt auch nicht an Gera. „Der ADFC hat schon vor längerer Zeit festgestellt, dass im Vogtland, wozu Greiz, Plauen, Zwickau, Altenburg und auch Chemnitz zählen, sehr wenig Rad gefahren wird. Warum, lässt sich nicht an einem Punkt festmachen. Dafür gibt es viele Gründe, die in der Masse dazu führen, dass in unserer Gegend nur wenig Rad gefahren wird“, erklärt Friedrich Franke weiter. Auch die Situation für Radfahrer in Gera sieht er etwas skeptischer. So sagt er, dass in den vergangenen Jahren keine neuen Radwege entstanden sind und vor allem nichts für die Sicherheit der Biker getan wird. Als Beispiel hierfür nennt er die Berliner Straße, deren Fahrbahn gerade einmal 3,50 Meter breit ist und dadurch ein ungefährliches Überholen von Fahrradfahrern nicht möglich ist. „Wenn man bedenkt, dass die Straße mehr als zwei Kilometer lang ist und eine leichte Steigung hat, braucht man sich nicht zu wundern, wenn beim Autofahrer, der nicht überholen kann, Aggressionspotential entsteht“, erzählt Friedrich Franke dazu. Ein zweiter wichtiger Aspekt für den ADFC ist die Sicherheit der Radfahrer. „Radfahrende Schüler sind gar nicht vorgesehen. Zum einen erkennt man das daran, dass vor Schulen mit ca. 400 Schülern nur ca. 40 Stellplätze zur Verfügung stehen. Weiterhin gibt es in der Grundschule zwar eine Radausbildung, diese ist aber realitätsfremd. Das liegt daran, dass diese im verkehrsfreien Raum stattfindet und die Kinder somit nicht lernen, wie es unter realen Bedingungen abläuft und damit das Radfahren zur Schule scheuen. Die Ausbildung ist gut, sollte aber in der sechsten oder siebten Klasse im Alltagsleben wiederholt werden. Hinzu kommt natürlich, dass die Radwege, gerade beim Überqueren von Hauptstraßen, nicht sicher sind und somit auch viele Eltern dies zu Recht nicht zulassen“, erklärt der ADFC Vorsitzende von Gera. Doch auch er freut sich über jeden neuen Radfahrer in Gera und ist auch der Meinung, dass Straßen wie die Süd-Ost-Tangente dazu beigetragen haben, dass der Verkehr in Gera weniger wurde und sich so auch mehr Radfahrer auf die Straßen trauen. Nichtsdestotrotz steht er und der ADFC dafür ein, dass für die Zukunft viel mehr getan werden muss, die Angebote ausgebaut werden sollen und Aktionen wie der „Geraer FahrRad!-Tag“, welcher am 28. September bereits zum dritten Mal stattfinden wird, viel öfter im Programm einer Stadt auftauchen sollte. Am Ende fügt Friedrich Franke noch hinzu: „Doch sind wir mal ehrlich, Autofahrer schimpfen über die Radfahrer und in der Thüringer Politik steht das Thema Rad mit Radwegen und Sicherheit nicht auf Platz eins der zu besprechenden Themen. Das wollen wir zwar ändern, aber dies ist ein langer und harter Weg“.

( Lars Werner, 25.07.2014 )

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